Schröder: Am Anfang eines langen Weges

Jörg Schneider. Mainz.
Der Sportdirektor des FSV Mainz 05 hat seine erste Transferperiode abgewickelt. Rouven Schröder ist insgesamt zufrieden mit der Kaderzusammenstellung des Bundesligisten und glaubt, dass das Team für die anstehende Dreifachbelastung gut aufgestellt ist. „Wir haben das Bestmögliche für Mainz 05 versucht herauszuholen, so dass der Kader nun sowohl aus qualitativer als auch aus quantitativer Sicht höchsten Ansprüchen genügen sollte. Ob wir dann schlussendlich mit unserer Einschätzung richtig gelegen haben, wissen wir in ein paar Monaten“, sagt der 40-Jährige, der sich momentan eine kurze Auszeit von den intensiven Startwochen am Bruchweg gönnt.

Rouven Schröder hat sich nach dem Ende der Transferperiode eine Auszeit genommen, einen kurzen Break in der Länderspielpause, um Zeit mit der Familie zu verbringen. Die war knapp gesät, denn der 40-Jährige hat eine intensive Startphase als neuer Sportdirektor des FSV Mainz 05 hinter sich. Einarbeitung- und Kennenlernphase im April. Seit Mai Kaderplanung mit Trainer Martin Schmidt und die erste Periode als allein verantwortlicher Transferchef. Schröder wickelte in dieser Zeitspanne die Abgänge von sechs Spielern aus dem Profikader des Bundesligisten ab und kaufte kräftig ein für das aktuelle Team. Der Sportdirektor musste für Mainzer Verhältnisse viel Geld in die Hand nehmen, um seinem Trainer einen Kader zur Verfügung zu stellen, der den Tanz auf drei Hochzeiten, mit Bundesliga, DFB- und Europapokal erfolgreich bewerkstelligen soll. Wieviel genau, darüber schweigt Schröder, weist nur immer wieder darauf hin, dass alles seriös und solide im Rahmen der wirtschaftlichen Möglichkeiten der 05er finanziert sei. Die in den Medien kolportierten Ablösesummen stimmten jedenfalls meistens nicht, sagt er. Die Summe von 6,5 Millionen, die Mainz 05 für Levin Öztunali bezahlt haben soll, sei beispielsweise viel zu hoch gegriffen.

Aufmerksamer Beobachter bei fast jedem Training: 05-Sportdirektor Rouven Schröder. Foto: Jörg SchneiderDoch bereits Schröders quasi erste Amtshandlung war teuer: Über sieben Millionen Euro flossen nach der abgelaufenen Saison, um Jhon Cordoba und Christian Clemens längerfristig fest an den Klub zu binden. Später kamen Ausgaben für die Verpflichtung von Jonas Lössl, Jean-Philippe Gbamin, Gerrit Holtmann, José Rodriguez, Levin Öztunali und André Ramalho hinzu. Kein Pappenstiel, auch wenn der Klub fast 15 Millionen kassierte für Loris Karius (Liverpool) und Julian Baumgartlinger (Leverkusen).

„Wir haben einfach wesentliche Dinge erledigt, über die wir uns über einen langen Zeitraum Gedanken machen konnten und mussten“, beschreibt Schröder die Transfer-Überlegungen im Hinblick auf die Dreifachbelastung, die in Kürze ansteht. Nach dem ersten Saison-Heimspiel am Sonntag in der Opel Arena gegen die TSG Hoffenheim fällt der Startschuss in der Gruppenphase der Europa League mit dem Heimspiel gegen AS Saint-Etienne. Danach folgen permanent Englische Wochen. „Wir haben vier Torhüter und 25 Feldspieler, zu denen mit Emil Berggreen und Danny Latza zwei Langzeitverletzte gehören. Zudem erhalten zwei, drei junge Spieler auch regelmäßig Spielpraxis in der U23. Insofern hat unser Kader jetzt die optimale Größe, um auch auf unvorhersehbare Ereignisse reagieren und Verletzungen wie die von Jairo oder auch Sperren abfangen zu können“, erklärt der 40-Jährige.

Rouven Schröders Transfers

Abgänge: Julian Baumgartlinger (Bayer Leverkusen), Loris Karius (Liverpool FC), Christoph Moritz (1. FC Kaiserslautern), Daniel Schahin (Roda Kerkrade), Henrique Sereno Fonseca (Vertrag aufgelöst), Pierre Bengtsson (SC Bastia, ausgeliehen).

Zugänge: Christian Clemens (FC Schalke 04), Jhon Córdoba (Granada CF, beide bisher nur ausgeliehen), Jean-Philippe Gbamin (RC Lens), Gerrit Holtmann (Eintracht Braunschweig), Jonas Lössl (En Avant Guingamp), Levin Öztunalı (Bayer Leverkusen), José Rodríguez (Galatasaray SK), André Ramalho (Bayer Leverkusen, ausgeliehen).

„Das war uns enorm wichtig, denn die Spieler werden trotz einer hervorragenden Sommervorbereitung hier und da an Belastungsgrenzen stoßen. Dann muss der Trainer, die Möglichkeit haben, rotieren zu können, ohne dass die Qualität auf dem Platz leidet. Die Verpflichtung von André Ramalho war daher auch ganz klar der unklaren Situation bei Latza geschuldet. Entscheidend war, in der defensiven Achse, also in erster Linie im Zentrum, Stabilität garantieren zu können. Levin Öztunali wurde aufgrund seines enormen Potentials, seiner Variabilität und nicht zuletzt aufgrund der Verletzungen von Berggreen und Jairo verpflichtet. Insofern waren wir gezwungen, noch einmal zu reagieren. Nach der Länderspielpause werden wir viele Wochen erleben, in denen wir alle drei Tage Höchstleistungen bringen müssen.“ Dafür sind die 05er nach Schröders Meinung nun gewappnet.“ 

Jeder Schritt sei dabei wohl überlegt worden. „Wir verpflichten grundsätzlich keinen Spieler, den wir nicht kennen. Für mein Team und mich stellen sich bei Transferüberlegungen immer mehrere Fragen: Passt der Spieler menschlich und charakterlich? Ist eine Verpflichtung wirtschaftlich umsetzbar und bringt sie uns aus sportlicher Sicht weiter? Passt er in das Mannschaftsgefüge? Wir holen letztendlich nur Jungs dazu, von denen wir zu 100 Prozent überzeugt sind“, so der 40-Jährige. Kein Spieler werde kurzfristig verpflichtet. „Das heißt, es gibt keine Schnellschüsse ohne ein langfristiges Scouting und Erkundigungen im Vorfeld. Du spielst die Dinge in jeder Phase durch, denkst Dir, wenn dieser Spieler uns verlassen sollte, dann bemühen wir uns um jenen. Wenn man seine erste Priorität nicht bekommt, dann kommt die nächste Schublade samt Profil.“

DAngekommen in Mainz: Rouven Schröder mit dem 05-Kader auf der Bühne beim Sommerfest am Dom. Foto: Jörg Schneiderie Entscheidungen seien alle in enger Zusammenarbeit mit Martin Schmidt getroffen worden. „Wir haben das Bestmögliche für Mainz 05 versucht herauszuholen, so dass der Kader nun sowohl aus qualitativer als auch aus quantitativer Sicht höchsten Ansprüchen genügen sollte. Ob wir dann schlussendlich mit unserer Einschätzung richtig gelegen haben, wissen wir in ein paar Monaten.“

Der gebürtige Sauerländer ist längst angekommen in Mainz und in seinem neuen Klub. Vor allen Dingen die ersten Wochen seien dabei sehr hilfreich gewesen, als er sich aus dem Hintergrund alles in Ruhe anschauen und das neue Umfeld kennenlernen habe dürfen. „Die Menschen hier sind offen, fröhlich und unaufgeregt. All das entspricht auch meinem Naturell. Zudem ziehen intern alle an einem Strang. Auch in schwierigen Zeiten bleibt die Grundstimmung positiv und ist von einem gewissen Optimismus geprägt. Diese Mentalität ist ungemein wertvoll. Inzwischen haben sich zudem alle Abläufe im organisatorischen Bereich, wie auch die Zusammenarbeit mit allen anderen Abteilungen bei Mainz 05 eingespielt. So habe ich gelernt, wie der Verein tickt und dass jeder Einzelne mit Herzblut und Ehrgeiz bei der Sache ist. Gepaart mit der akribischen Arbeit des Trainers und seinem Team stimmt mich all dies für die großen Herausforderungen der kommenden Saison sehr optimistisch“, sagt der frühere Profi.

Die Stadt, die Fans, der gesamte Verein müssen nach Schröders Ansicht dabei als feste Einheit auftreten. „Diesen Zusammenhalt müssen wir vorleben, das muss jeder von außen spüren“, sagt er. Das gelte ganz besonders im Fall von möglichen Rückschlägen. „Unsere Fans wissen genau was dieser Verein braucht. Sie haben den Verein in der Vergangenheit nie im Stich gelassen. Wenn es uns gelingt, dieses besondere Gefühl beizubehalten, können sich alle 05er auf erfolgreiche und attraktive Spiele freuen.“

Mit dem Abschluss der Transferperiode sei man nun am ersten Punkt eines langen Weges angelangt. „Ich kann sagen, für den Moment ist die Arbeit getan. Aber dieser Moment dauert nicht lange an.“

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