Schritt für Schritt zur Stammbesetzung

Jörg Schneider. Saint-Vincent.
Heute beginnt im italienischen Aostatal beim FSV Mainz 05 die Phase der Saison-Vorbereitung, in der das Bundesliga-Team seine Bemühungen intensiviert, die bisherige Trainingsarbeit im Wettkampf überprüft und in der es um Ergebnisse geht. Die Partie um 18 Uhr im Stadio Perruca gegen Servette Genf bildet den Auftakt zum Testspiel-Programm mit fünf Begegnungen, die zum ersten Pflichtspiel der neuen Saison im DFB-Pokal hinführen. Morgen Abend geht es dann zur selben Zeit am selben Ort bereits weiter mit dem Spiel gegen den italienischen Zweitligisten Novara Calcio.

Neuzugang José Rodriguez ist einer der Kandidaten auf der Position der Doppelsechs. Der Spanier muss nun in den Testspielen zeigen, dass er in diese Rolle hineinfindet. Foto: ImagoDie Trainingseinheiten der vergangenen Tage im italienischen Aostatal zeigen deutlich, jetzt geht’s beim FSV Mainz 05 ans Eingemachte. Es geht um die Inhalte, wie es Martin Schmidt ausdrückt. Um die Basis des 05-Spiels. Defensivverhalten, Defensiv-Organisation, Positionsspiel, Besetzung und Bearbeitung der einzelnen Räume. Zweikampfführung. Balleroberung. Umschalten. Und vor allem darum, welche Profis sich aufdrängen für die einzelnen Positionen, welche Spieler hineinwachsen in die Aufgaben. In den einzelnen Trainingsformen geschieht dies mit viel Dynamik, Ehrgeiz und auffallend großem Engagement. Der Mainzer Bundesliga-Kader ist sehr breit und qualitativ ausgeglichen aufgestellt. Der Kampf um die Stammplätze ist eröffnet. Ab heute Abend, spätestens aber ab Donnerstag hat die Gleichbehandlung innerhalb des Personals ein Ende. „Jetzt muss sich halt langsam ein Stammkader herauskristallisieren“, sagt der 05-Trainer vor dem Auftakt der entscheidenden Testspielwochen.

Um 18 Uhr am heutigen Mittwochabend treffen die 05er in ihrem Trainingsstadion, dem Stadio Perucca in Saint-Vincent, auf den Schweizer Zweitligisten und Traditionsklub Servette Genf. Einen Tag später wartet an gleicher Stelle (ebenfalls 18 Uhr) der italienische Zweitligist Novara Calcio auf den Bundesligisten. Am Sonntag, nach der Heimreise aus dem Aostatal, folgt dann in der bis dahin wahrscheinlich ausverkauften Opel Arena der Höhepunkt dieser Sommer-Vorbereitung: Die Partie gegen den Liverpool FC, den von 05-Legende Jürgen Klopp trainierten Europaliga-Finalisten aus der englischen Premier League. Am nächsten Donnerstag steht dann am Bruchweg die Begegnung mit dem Bundesliga-Konkurrenten 1. FC Köln auf dem Plan. Eine Partie, die nach Absprache mit den Sicherheitskräften ohne Zuschauer stattfinden wird. Und am Sonntag in acht Tagen endet die Vorbereitungstour mit dem Auftritt beim Drittligisten Rot-Weiß Erfurt. Eine Woche später steht dann schon das Pokal-Spiel in Unterhaching auf dem Plan. Bis dahin muss es passen in Schmidts Team. Taktisch, organisatorisch, strukturell und personell. „Da muss es rattern“, sagt der Coach.

„Allmählich musst du dich als Trainer auf 15 Spieler fokussieren und die in den Wettkämpfen bestens vorbereiten“, erklärt der Schweizer vor dem Test gegen seine Landsleute. „Diese Spieler brauchen dann 90-Minuten-Einsätze, mindestens aber 70 Minuten.“ In der Auftaktpartie in Saint-Vincent wird der 05-Coach wohl noch etwas stärker durchwechseln. „Das Spiel gegen Genf ist noch nicht so wichtig. Ab dem Novara-Spiel wird‘s wichtiger im Rhythmus. Das erste Testspiel werden wir wohl noch mehr dazu nutzen, einigen Akteuren mehr Spielzeit zu geben, die in der Anzahl der Spiele noch hinten dran sind.“ Das betrifft Leute wie Yunus Malli, Fabian Frei, Suat Serdar oder die Linksverteidiger Pierre Bengtsson und Gaetan Bussmann, die im ersten Trainingslager in den USA entweder noch nicht dabei waren oder aufgrund von Blessuren kaum spielen konnte. „Novara, Liverpool, Köln und Erfurt, da wird‘s dann schon ernst.“ Außer Danny Latza stehen alle Mainzer Profis wieder im Trainingsbetrieb und sind einsatzbreit.

Für Servette Genf hat die Saison bereits begonnen. Zum Auftakt der Challenge League gab’s eine 1:2-Niederlage bei Xamax Neuchatel. „Zu diesem Gegner kann ich fast überhaupt nichts sagen“, betont Schmidt. „Gegen wen wir spielen, interessiert mich im Moment auch nicht groß. In diesem Spiel stehen nur wir im Mittelpunkt. Weil wir unsere Themen aufarbeiten wollen. Was ich von Servette weiß, ist dass sie früher ein Spitzenverein in der Schweiz waren, in den vergangenen Jahren ein oder zweimal insolvent gegangen und jetzt in die zweithöchste Liga, die Challenge League aufgestiegen sind. Sie betreiben eine unheimlich gute Nachwuchsarbeit. Jetzt ist wieder ein Spieler von dort zu Manchester United gewechselt, einer nach Barcelona. Basel bedient sich dort regelmäßig mit jungen Spielern“, erzählt Schmidt. Er wolle vorher nicht groß auf den Gegner eingehen, sondern sich im Spiel überraschen lassen. Ähnliches gilt auch für die Begegnung mit Novara Calcio, dem letztjährigen Tabellenachten der italienischen Serie B.

„Wir gehen beide Testspiele mit denselben Themen an, in denen wir auch im Training arbeiten“, betont der 49-Jähige. „Der Fokus ist auf die Balleroberung, auf die Raumaufteilung gegen und mit dem Ball, aber vor allem auf das komplette Defensivverhalten gerichtet. Anlaufverhalten, Blockverhalten, Lücken schließen, Systematik. Gut auf dem Platz stehen nach Balleroberung, um in den Angriff zu kommen. Das muss und will ich dann schon sehen. Über allem steht dabei das individuelle Zweikampfverhalten. Alles das, was wir in dieser Woche bisher erarbeitet haben.“ Und natürlich gehe es darum, die Automatismen, die bereits da seien, zu verbessern. „Das wird in den nächsten Wochen das Hauptthema sein. Die Umschaltchancen, die wir gegen Sevilla noch haben liegen lassen. Und auch die, die wir gegen Genf noch nicht gut gefahren haben werden, besser zu nutzen. Die ganzen Offensivthemen abzuwickeln, das passt dann in die letzten drei Wochen Trainingsarbeit. Da sind wir mitten drin.“

Der 05-Coach hat die Testspielplanung auch so gelegt, um seine Spieler darauf vorzubereiten, was in absehbarer Zeit auf sie zukommt. Begegnungen im Drei-Tage-Rhythmus gegen internationale und nationale Konkurrenz, um die Sinne dafür zu schärfen. „Mentale Stärke ist das, was man oft vergisst“, betont der Schweizer. „Deshalb üben wir das schon in der Vorbereitung. Alle drei Tage die Konzentration hochfahren, dafür braucht es mentale Stärke. Nicht nur körperliche Fitness. Deshalb müssen wir vieles lernen auf diesem Gebiet.“ Die Trainings-Intensität werde in den nächsten zweieinhalb Wochen weiter gesteigert. „Dass die Einheiten 90 Minuten und länger gehen. Da werden wir investieren müssen, um die Widerstandsfähigkeit zu erlangen. Das geht über die Trainingseinheiten und die einzelnen Spiele. Wir haben noch fünf Testspiele, da werden wir noch genügend gefordert.“

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