Schon ziemlich stimmig

Jörg Schneider. Mainz.
Der 3:0-Sieg vor fast 13.000 Zuschauern am Bruchweg gegen den italienischen Spitzenklub Lazio Rom hat dem Trainer des FSV Mainz 05 wichtige Erkenntnisse geliefert im Endspurt der Vorbereitung. Ein Aspekt dabei war die starke Vorstellung der hinteren Viererkette, die sich auf einem beachtlichen Niveau präsentierte, den Römern kaum Angriffsszenen ließ. Und Leon Balogun empfahl sich darin als ernsthafter Konkurrent in der Innenverteidigung.

Auch Weltmeister Miroslav Klose hatte gegen Leon Balogun nur wenig zu melden. Foto: ImagoLeon Balogun stand zufrieden in den Katakomben des Bruchwegstadions und musste sogar zugeben, dass er im Testspiel gegen die Römer von sich selbst überrascht war. „Ich wusste gar nicht, dass ich solche Bälle spielen kann“, sagte der Abwehrspieler, der aus Darmstadt gekommen war und gegen Ende der Saison-Vorbereitung schon ein wichtiger Faktor im Kader des FSV Mainz 05 geworden ist.

„Solche Bälle“, damit meinte der 26-Jährige jenen Pass auf Yoshi Muto, der den Führungstreffer beim 3:0-Sieg vor fast 13.000 Zuschauern gegen Lazio Rom einleitete. Das war Umschaltspiel, wie es sich der 05-Trainer in der Konsequenz vorstellt. Schnell, technisch einwandfrei ausgespielt, effektiv. Balogun eroberte den Ball vor dem eigenen Strafraum, trieb die Kugel mit Tempo durchs Mittelfeld und schickte den japanischen Team-Kollegen mit perfektem Timing über Linksaußen auf die Reise. Mutos Schnelligkeit, dessen Übersicht und Abspiel brachten Yunus Malli in die Situation, zentral nur noch einschieben zu müssen.

Nicht nur wegen dieser Spieleröffnung hat sich Balogun zu einem ernstzunehmenden Kandidaten für die Mainzer Abwehr entwickelt. Der für die rechte Außenverteidigerposition geholte Athlet hat das Gebot der Stunde genutzt und bewirbt sich in dieser Form sogar für einen Platz als Innenverteidiger. Normalerweise geht bei den 05ern kein Weg an Stefan Bell und Niko Bungert vorbei. Doch dessen Ausfall wegen Wadenverletzung in zwei Testspielen verlangte nach Ersatz-Lösungen. Balogun lieferte.

Zweikampfstark, mit schnellem Antritt und gutem Auge für die Situation, taktischem Verständnis im Zusammenspiel mit Bell und dem zentralen Mittelfeld, zeigte der 26-Jährige sowohl in Genf (trotz der 1:5-Niederlage gegen die Monegassen) als auch nun gegen die Römer eine tadellose Vorstellung. Bell und Balogun gaben dem Lazio-Angriff und dem deutschen Weltmeister Miroslav Klose Aufgaben, die das italienische Spitzenteam meist nicht zu lösen vermochte. Nur einmal entwischte Klose der Abwehr, einmal hatte Felipe Gomes freie Bahn, weil im Mittelfeld der Zugriff fehlte. Zwei Situationen, in denen aber Loris Karius seine Qualitäten als Nummer eins demonstrierte und überragend klärte. Ansonsten ging für die Römer in und um den Mainzer Strafraum nichts.

„Ich habe gegen Monaco schon innen gespielt und mich gefreut, dass ich das wieder tun durfte. Das macht immer Spaß, da hinten drin“, sagte Balogun. Natürlich auch deshalb, weil ihm ansonsten ein Platz auf der Bank sicher gewesen wäre, da Daniel Brosinski auf rechts unumstritten ist und dies mit Leistung untermauert. Ob das ein Modell für die Zukunft ist mit Balogun als Innenverteidiger? „Das weiß ich nicht“, sagte der Profi, „das muss der Trainer entscheiden. Es ist ja lange bekannt, dass ich das schon gespielt habe und das spielen kann.“

In jedem Fall zeichnet sich jetzt schon ab, dass der spielstarke Verteidiger eine echte Alternative für Martin Schmidts Planungen darstellt. Wie überhaupt die Defensive der 05er aktuell schon einen sehr gefestigten Eindruck macht. Brosinski auf rechts, der gegen die Römer 90 Minuten brummte und überzeugte. Joo-Ho Park auf der linken Seite, später problemlos ersetzt von Pierre Bengtsson. Bell als Chef des Ganzen mit großer Präsenz. Balogun rechts daneben. Das passte. „Ich komme ja aus einem sehr stabilen Defensivkonstrukt in Darmstadt“, sagte Balogun später, „aber auch hier finde ich, haben wir schon eine gute Sicherheit in den Abläufen. Wir haben es gegen Lazio sehr kompakt gehalten. Das ist nach der kurzen Zeit schon ziemlich stimmig.“

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