Schmidt: "Yunus spielt am Samstag"

Christian Karn. Mainz.
Ob der Verein das will oder nicht: Das zentrale, das am meisten diskutierte Thema in der Umgebung des FSV Mainz 05 ist momentan die Frage nach Yunus Malli, der entweder sofort oder im Winter oder überhaupt nicht zu Borussia Dortmund wechselt. 05-Trainer Martin Schmidt legte sich in der Presserunde am Dienstag fest: "Yunus wird spielen am Samstag. Ich muss ihn nicht ersetzen." Freilich endet die Transferperiode nicht mit dem Spiel der 05er in Ingolstadt. Und von Malli losgelöst gab Schmidt interessante Einblicke in die allgemeine Methodik der 05er in Sachen Kaderplanung.

Totzukriegen ist die Frage sowieso nicht, die da lautet: Verlässt Yunus Malli den FSV Mainz 05, ja, nein, vielleicht, wenn ja, dann wann, jetzt, sofort, demnächst, im Sommer?

Eine seriöse Antwort kann die nullfünfMixedZone momentan nicht geben, denn wir wissen's ja auch nicht. Wir wissen, was behauptet wird, wir wissen auch, was die Offiziellen der 05er sagen, und das können wir wiedergeben. Vorab: Ein absolut eindeutiges "Nein" gibt es momentan nicht. Hintertürchen existieren. Aber natürlich weiß jeder, dass die bloße Existenz eines Hintertürchens noch lange nicht garantiert, dass es dafür auch ein Schlüsselchen gibt.

Gegen den FC Schalke 04 schoss Yunus Malli im September das zweite seiner inzwischen acht Saisontore. Es gibt Leute, die behaupten, sein nächster Treffer gegen Schalke wäre ein Derby-Tor. Und es gibt Leute, die dem widersprechen. Foto: imagoAlso los: Wir wissen aus glaubwürdiger Quelle, nämlich von Mainz 05 selbst, dass Mallis Vertrag im vergangenen Sommer um drei Jahre verlängert wurde. Das ist ein halbes Jahr her, zweieinhalb Jahre bleiben. Es heißt, es existiere eine Klausel, die im kommenden Sommer einen Transfer ermögliche, die Ablösesumme sei auf zehn Millionen Euro fixiert. Es heißt, für die aktuelle Winter-Transferperiode existiere eine solche Klausel nicht. Ob's stimmt, wissen wir nicht aus erster Hand, die 05er pflegen die Vertragsinhalte nicht bis ins Detail zu veröffentlichen.

Der Dortmunder Boulevard geht weit, behauptet, der sofortige Wechsel sei bereits sicher und würde nur noch nicht veröffentlicht werden, weil der Nachfolger in Mainz noch nicht bereit stünde. Angeblich sei den Mainzern sogar der Plan A bereits schiefgegangen. Ob das komplett, zum Teil oder überhaupt nicht stimmt, wollen wir nicht beurteilen, weil wir es nicht beurteilen können. Martin Schmidt kann das eher beurteilen und der 05-Trainer reagierte eher amüsiert. Und sagte dann: "Yunus wird spielen am Samstag. Ich muss ihn nicht ersetzen. Er ist motiviert, trainiert auch volles Rohr, er wird spielen. Da geht nichts. Bis auf das Interesse des BVB gibt es nichts." Das ist eine Ansage ohne Hintertürchen. Und es wäre eine geblieben, wäre nicht ein bisschen später ein "nach heutigem Stand" nachgekommen. So bleibt festzuhalten, was Schmidt generell, unabhängig von speziellen Namen, erklärte: "Die Transferzeit ist noch nicht rum." Bereits im Dienstagstraining trug Malli Gelb - ein Trainingsleibchen. Er war nicht der einzige 05er in der Farbe der Dortmunder.

"Fakt ist", sagte Schmidt, "wenn vorne einer wegfällt, wird er ersetzt. Wir sind so aufgestellt, dass wir jeden brauchen." Damit erklärte der Trainer en passant die Verpflichtung von Karim Onisiwo. In der Hinrunde seien die 05er auf den Flügeln nicht breit genug aufgestellt gewesen. Maximilian Beister hatte lange gefehlt, ebenso Christian Clemens, ebenso Jhon Córdoba, der Yoshinori Muto für die linke Seite hätte freistellen können. "Wir mussten mit Jairo und Pablo de Blasis spielen", sagte Schmidt, "und sonst war keiner mehr da." Ob Onisiwo schon in Ingolstadt eine Rolle spielen kann, das ist wieder so eine Frage, die noch nicht beantwortet werden kann. "Es ist in vollem Gang, die Chancen stehen 50:50", sagte Schmidt. "Man könnte ihn schon brauchen, den Burschen. Er kann vorne alle drei Positionen spielen."

Martin Schmidt im öffentlichen Gespräch mit Christian Heidel. Wenn es um Kaderplanung geht, um die Vorbereitungen auf den Ernstfall, ist die Presse nicht dabei. Foto: Jörg Schneider.

Also, Fangfrage der Presse, auch die von Malli? Explizit nein, antwortete der Trainer, mit dem Finger in die Luft deutend, ein Dreieck in den Raum beschreibend: "Alle drei Positionen vorne: da, da, da." Linker Flügel, Mittelstürmer, rechter Flügel. Nicht hinter dem Mittelstürmer.

Aber: "Die Transferzeit ist noch nicht rum. Darum haben wir die Augen offen, damit wir reagieren können, wenn etwas passiert. Wir müssen aber gerade nicht reagieren, weil nichts passiert. Trotzdem läuft das Scouting das ganze Jahr über. Ich könnte für jede Position Backups nennen, falls bei uns einer gehen sollte. Für jede Position zwei, drei Spieler, die passen könnten. Auch auf Verletzungen muss man ja reagieren können. Beispiel: Schalke 04, wo Benedikt Höwedes, wie heute gemeldet wurde, zwölf Wochen lang fehlen wird. "Die müssen fast jemanden holen", erklärte Schmidt. "Und dann geht die Kette los und am Ende verliert ein Drittligist seinen Innenverteidiger. Weil der in die zweite Liga hochgeholt wird, weil dort einer zu einem mittelständischen Bundesligisten gegangen ist." Damit wiederum Schalke Höwedes ersetzen kann. "An jedem freien Tag haben wir eine Scoutingsitzung", sagte Schmidt. "Am Montag habe ich wieder stundenlang mit Christian Heidel darüber gesprochen. Momentan ist nur Gonzo weg." Gonzalo Jara, der bei Universidad de Chile, nach dem Lokalkonkurrenten CDS Colo-Colo der chilenische Vize-Rekordmeister aus der Hauptstadt Santiago, unterschrieben hat. "Wir gucken, ob wir Alternativen haben, wir halten die Augen auf nach Links- und Rechtsverteidigern. Für die Innenverteidigung brauchen wir eigentlich keinen."

Grundsätzlich sei es auf dem Transfermarkt momentan relativ ruhig. "Weil alle in Wartestellung sind", erklärte Schmidt, "weil sich keiner bewegt. Ich sag's Euch: Das wird noch knallen!" Zum Monatsende hin, wenn die Zeit knapp wird. Wenn vielleicht auch die beiden Klubs aus Madrid angesichts der für Sommer und kommenden Winter verhängten Transfersperren nervös werden, nochmal vorsorglich zum Großeinkauf gehen und ab der nächsttieferen Stufe die Abgänge kompensiert werden müssen.

Zu sehr auf Winter-Transfers will Schmidt nicht bauen. "Die Neuen müssen ja auch erst einmal integriert werden", sagte der Trainer. "Es gibt drei Herangehensweisen, wenn man im Winter jemanden holt. Manchmal will man, manchmal muss man, manchmal muss man auch, weil man hinten steht." Erstens: Bekannte Lücken im Kader füllen, die Sommertransfers vorzeitig anfangen, auch mal jemanden weggehen lassen, für den es im Sommer wegen Vertragsende keine Ablöse mehr geben würde. Zweitens: Auf kurzfristige Abgänge oder Ausfälle reagieren. Drittens: Das, was beispielsweise Hannover 96, der dritte Rückrundengegner der 05er gerade macht, mit inzwischen fünf Neuen, nämlich den Angreifern Hugo Almeida, Adam Szalai und Marius Wolf, dem Offensivmann Iver Fossum und dem Defensivmann Hotaru Yamaguchi, nach der schlechten Vorrunde einen Neustart versuchen. Mainz 05 sei mit offenen Augen bereit, "aber Yunus spielt am Samstag."

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