Schmidt: „Wir können, sie müssen“

Jörg Schneider. Mainz.
Der Trainer des FSV Mainz 05 hält nichts von Träumereien und Rechenexempeln, die sich damit befassen, ob der Bundesligist möglicherweise sogar noch eine Chance haben könnte, in Richtung Europa zu schielen. „Unsere Herangehensweise ist klar“, sagt Martin Schmidt. „Wir wollen gegen den Hamburger SV die letzten Punkte holen, um die Sache wirklich sicher zu machen.“ Die Partie am Sonntag in der Coface Arena gegen den 16. läuft also unter der Kategorie Abstiegskampf – genauso wie die vergangenen Auftritte.

Ballbesitz und Gegenpressing sind die Trainings-Themen dieser Woche. Da packt Martin Schmidt mal wieder die Taktiktafel aus. Foto: Jörg SchneiderDas ist schon eine kuriose Geschichte dieses Jahr in der Bundesliga. Eigentlich gibt es nur zwei Themen: Abstiegskampf oder Europapokal. Und mit Ausnahme des vorzeitig als Meister feststehenden FC Bayern München sind alle involviert. Ein Niemandsland in der Tabelle, in dem es nur noch um die goldene Ananas geht, gibt’s nicht. Selbst ein Klub wie Eintracht Frankfurt, der lange im sicheren Wasser schwamm, muss sich noch einmal strecken, um nicht hinten reinzurutschen. Die TSG Hoffenheim, Borussia Dortmund und Werder Bremen schielen noch Richtung Platz sechs und Europaliga.

Und der FSV Mainz 05? Auch der Bruchwegklub könnte nach seinem 2:0-Sieg gegen den FC Schalke 04, wenn alles optimal laufen würde, sogar noch am internationalen Geschäft schnuppern. Dass die 05er überhaupt noch einmal mit dem Europapokal in Verbindung gebracht werden, ist im Übrigen nicht auf dem Mist der Medien gewachsen. Der Klubs selbst eröffnete diese Baustelle. Weil die Europaliga tabellarisch näher liegt als die Abstiegsplätze, veröffentlichten die 05er auf ihrer Homepage einen Artikel „Nur für Optimisten“, in dem sie das Szenario beschrieben, dass die Mannschaft von Martin Schmidt noch durchstarten könnte und das Restprogramm der Eurofighter beleuchteten.

Das Ganze ist zwar inzwischen durch das Aus der Bayern im DFB-Pokal überholt. Der siebte Platz kommt nur dann ins Spiel, wenn der VfL Wolfsburg Pokalsieger wird oder wenn Borussia Dortmund den Pokal holt und die Saison unter den ersten sechs abschließt. Dann aber müssten die Mainzer nicht nur an Werder und Hoffenheim vorbei, sondern auch am FC Augsburg oder Schalke 04. Da sollte man nach dieser komplizierten Saison dann doch besser die Kirche im Dorf lassen – bei allem Optimismus.

Im Sinne des 05-Trainers sind solche Rechenexempel ohnehin nicht. „Unsere Herangehensweise ist klar“, sagt Martin Schmidt. „Wir wollen gegen den Hamburger SV die letzten noch fehlenden Punkte holen, um die Sache wirklich sicher zu machen.“ Er halte nichts von Rechnereien und Träumereien, zumal er gelesen habe, dass es Konstellationen geben könnte, nach denen es auch möglich sei, mit 37 Punkten noch hinten rein zu rutschen. „Es kann die verrücktesten Dinge geben, deshalb wollen wir weiter im Trend bleiben, die 40 Punkte mit einem Sieg klarmachen. Das ist unser Anspruch.“

Es seien rein sportliche Gedanken, die sich Trainer und Mannschaft derzeit machten. „Wir wollen weiter Punkte holen in den verbleibenden Spielen und unseren Punktedurchschnitt, den wir jetzt haben, weiter hoch halten“, sagt der 48-Jährige. Dafür werde derzeit intensiv gearbeitet. Auch Hochmut oder gar Schadenfreude gegenüber dem kommenden Gegner findet der Schweizer nicht angebracht. „Wir wollen kein Urteil fällen, sondern unser Heimspiel gewinnen. Wir sagen nicht, in der Partie liegt ein besonderer Reiz, weil wir den Bundesliga-Dino in noch größere Schwierigkeiten bringen können. Wir hatten Glück, dass es für uns nicht so hochdramatisch gekommen ist wie für den HSV. Wir sind froh über diese Ausgangslage: Wir können, sie müssen“.

Die Wachsamkeit in der Aufgabe sei groß im Team, betont der Coach. „Wir sind aufgrund der Schwere der vergangenen Prüfungen gegen die Top-Klubs immer davon ausgegangen, dass dieses Spiel am Sonntag in der Coface Arena, das Spiel für uns ist, an dem wir einen entscheidenden Schritt tun können. Daran hat sich nichts geändert.“

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