Schmidt übt Kritik am Spielplan

Jörg Schneider. Mainz.
Am Bruchweg haben die Vorbereitungen auf das Heimspiel gegen den SC Freiburg begonnen. Der Trainer des FSV Mainz 05 hat sich in der Länderspielpause mit der Gesamtsituation seines Teams auseinandergesetzt. Martin Schmidt will weiterhin nicht die Müdigkeit in den Belastungswochen oder die Verletztenliste als Ausrede für Niederlagen gelten lassen. Doch der Schweizer hat nun erstmals die unglückliche Gestaltung des Spielplans kritisiert, der den 05ern nach der Europaliga jeweils ein weit entferntes Auswärtsspiel und damit zusätzliche Strapazen bescherte. „Bis jetzt war der Plan eindeutig nichts für uns“, sagt der 49-Jährige.

Die Nationalspieler trudeln nach und nach wieder am Bruchweg ein, die Vorbereitung auf das Bundesliga-Heimspiel am Samstag gegen den SC Freiburg nimmt Fahrt auf. Der FSV Mainz 05 hat die Länderspielpause zur Regeneration und Aufarbeitung von Defiziten genutzt. Jetzt geht’s in die letzte Runde vor Weihnachten. Martin Schmidt hat in der dringend benötigten Pause nach den zwei bitteren Niederlagen in Anderlecht und in Leipzig unterdessen über die Gesamtsituation des Teams reflektiert. Der 05-Trainer geht zuversichtlich in das bevorstehende Restprogramm des Jahres.

Für Martin Schmidt keine Ausrede, sondern ein Fakt: Die Spielplangestaltung meinte es nicht gerade gut mit den 05ern. Foto: Jörg Schneider„Nach dem Pokal-Aus, der Euro-Niederlage in Anderlecht und nach Leipzig hat sich das so angefühlt, als trage man von außen an uns heran, dass irgendetwas nicht gut ist bei uns, dass irgendwas nicht stimmt im Team“, sagt der 49-Jährige. „Aber unser Kerngeschäft Bundesliga stimmt. Wir sind konkurrenzfähig. Da ist nix gebrochen.“ Anderlecht sei nicht der Maßstab, sagt der Schweizer. „Uns fuchst, dass wir im DFB-Pokal raus sind, das darf uns nicht passieren. Das ist uns allen klar. Über Anderlecht brauchen wir auch nicht reden. Da haben wir uns zurecht anhören müssen, dass wir an Naivität nicht zu überbieten waren. In der Bundesliga lassen wir uns aber nicht von unserem Weg und unserem Konzept abbringen. Den Weg gehen wir knallhart. Jetzt müssen wir gucken, dass wir uns durch diese zwei Pannen nicht aus unserem Konzept bringen lassen, sondern in unserer Arbeit, in unserer Spur und unserem Auftrag drin bleiben. Der lautet: In der Bundesliga eine solide Saison spielen, nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben. Ich glaube, da sind wir auf einem guten Weg, den wir weiter verfolgen. In der Euro League haben wir jetzt halt zwei Finalspiele. Auch gut.“

Müdigkeit, Verletzungspech und die hohe Belastung haben weder der Trainer, noch dessen Profis bisher als Ausrede für Niederlagen gelten lassen. Die Selbstkritik hat überwogen bei den Beteiligten. Schmidt hat nun jedoch erstmals explizit darauf hingewiesen, dass die Spielplangestaltung für die 05er unglücklich und wenig förderlich war. „Man muss es wirklich mal klar ansprechen“, so Schmidt: „Nach Saint-Etienne mussten wir nach Augsburg. Nach Qäbälä nach Wolfsburg. Nach Anderlecht mussten wir nach Leipzig. Nach Saint-Etienne müssen wir nach Berlin. Nach jedem Wochenspiel mussten wir auswärts ran. Nach jedem Auslandsspiel hatten wir eine weitere weite Reise. Da verlierst du immer einen zusätzlichen Tag. Da muss man sagen, dass uns der Spielplan überhaupt nichts gegeben hat.“ Nach der letzten Länderspielpause spielten die Mainzer gegen Darmstadt. An einem Sonntag. „Hätten wir Samstag gespielt, wäre es ein Tag mehr Zeit gewesen hin zum Anderlecht-Spiel. Bis jetzt war der Plan eindeutig nichts für uns. Das war schon belastend. Du kriegst nicht das Gefühl, du kannst dich erholen. Das erleben unsere Spieler zum ersten Mal. Normalerweise fliegen wir im Jahr viermal. Nach Bremen, Hamburg, Berlin und München. Im Herbst sind wir jetzt in der Woche dreimal geflogen.“ Und das als Neuling in einer solchen Situation.

"Das sind keine Ausreden"

Niemand solle das falsch verstehen. „Das sind keine Ausreden. Wir haben uns ja riesig darüber gefreut, dass wir das machen dürfen. Aber jetzt merken plötzlich einige, was da auf sie zugekommen ist. Deshalb reden wir im Moment sehr viel über Flüchtigkeitsfehler, Konzentrationsfehler, zu spät gekommen, falsch eingeschätzt. Ich denke schon, dass das mit reinspielt.“ Schmidt glaubt, dass dies genau die Probleme sind, mit denen schon Freiburg, Frankfurt und Augsburg in den vergangenen Jahren als Europapokal-Teilnehmer zu kämpfen hatten. Nicht trainieren und hohe Belastungen aushalten. „Es ist schon spannend, wie wir uns da weiter bewegen und verhalten. Im zweiten Block haben wir uns da unglücklich verhalten“, sagt der Schweizer. „Wir werden jedoch wieder das wahre Gesicht von Mainz 05 sehen. Jetzt sind wir halt in dieser Euroliga-Geschichte drin, wollen uns noch so gut wie möglich verkaufen. In der Bundesliga sieht’s gut aus. Da haben wir eine Ausbeute, die wir vor der Saison unterschrieben hätten.“

Es sei  hypothetisch, rechnet der Coach vor, „aber wenn wir in Leipzig gewonnen hätten, wäre das der zweitbeste Start gewesen, den Mainz 05 in der Bundesliga je gehabt hätte. Wir haben verloren und 14 Punkte. Zu Hause haben wir einen Punkteschnitt von 1,75. Das hatten wir schon lange nicht mehr. Das geht im Moment alles in dem Anderen unter. Wir stehen in der Bundesliga mit 14 Punkten gut da. Das hat uns niemand zugetraut. Wir gewinnen ein Spiel, wir verlieren eins im Moment. Das gibt einen Schnitt von 1,5 Punkte pro Spiel. Insgesamt sind wir bei 1,4. Wenn wir den halten, sind wir am Ende wieder nahe an den Europlätzen dran. Wir sind im Soll. Wir sind da, wo wir hingehören trotz der Euroligabelastung. Diesen Weg müssen wir so weiter gehen.“

Das Team sei natürlich weiterhin gefordert und werde sich stetig weiterentwickeln. „Wenn jedoch im Umfeld die Erwartungshaltung steigt, dass wir in der Liga nicht schon unter den ersten sechs und in der Europaliga auf Platz eins sind, dann muss ich mahnend den Finger heben und sagen: Guckt euch das Gesamte an. Letztes Jahr hatten wir an Weihnachten 24 Punkte. Wenn wir dieses Jahr auf 21 kommen, sind wir in einem Fahrwasser, in dem wir in der Rückrunde alles in der Hand haben. Das ist das Wichtigste“, erklärt der 05-Trainer.

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