Schmidt sucht die richtige Konstellation

Jörg Schneider. Mainz.
Der Frust über das späte Ausgleichtor zum 1:1 im Europapokal, das den greifbaren Sieg im ersten Gruppenspiel gegen AS Saint-Etienne verhinderte, kann sich beim FSV Mainz 05 nicht groß breit machen. Der Bundesligist steht sofort schon vor der nächsten Belastungsprobe. Die Partie am Sonntag beim FC Augsburg bildet den Auftakt für ein hammerhartes Bundesliga-Programm mit drei Spielen in sieben Tagen: Nach Augsburg geht’s am Mittwoch zum SV Werder Bremen, drei Tage später empfängt die Mannschaft von Martin Schmidt zu Hause Bayer Leverkusen. „Eine Englische Woche ist noch nicht mal um, und wir haben schon einen Vorgeschmack bekommen, in welche Richtung das geht“, sagt der 05-Trainer.

Jean-Philippe Gbamin hat nun zweimal auf der Doppelsechs begonnen. Trainer Martin Schmidt will in Augsburg rotieren und sucht derzeit die richtige Konstellation. Foto: ImagoDas Programm ist hart. Nach der Europapokal-Premiere steht nun wieder der Bundesliga-Alltag an. Und der hat es in sich. Da Gute daran, die Enttäuschung darüber, dass der greifbare Sieg im ersten Gruppenspiel der Europaliga den Profis des FSV Mainz 05 am Ende aus der Hand flutschte, kann sich erst gar nicht groß breit machen. Das 1:1 gegen den französischen Rekordmeister AS Saint-Etienne bildete den Auftakt für eine höchst strapaziöse Woche in der Liga: Am Sonntag die schwere Auswärtspartie beim FC Augsburg, drei Tage später erneut auswärts beim SV Werder Bremen, gefolgt vom Samstag-Heimspiel gegen Bayer Leverkusen. Da gilt es für die Mannschaft von Martin Schmidt sich zu positionieren in der Liga, nicht vorzeitig in einen negativen Strudel zu geraten.

Die Auftaktpartie gegen die Franzosen ist am Freitag ausgiebig analysiert worden am Bruchweg. Heute folgt das Abschlusstraining. Danach geht‘s auf die Reise nach Augsburg. „Das geht jetzt immer im selben Rhythmus: Spiel, Regeneration, Abschlusstraining, Spiel“, sagt der 05-Trainer. „Eine Englische Woche ist noch nicht mal um, und wir haben schon einen Vorgeschmack bekommen, in welche Richtung das geht.“ Immerhin haben die 05er aus dem Europapokalabend nicht nur den Frust des späten und unnötigen Ausgleichstreffers mitgenommen. Das Team hat eine wichtige Erfahrung gesammelt und weiß nun, dass die Mannschaft auch auf internationalem Niveau mithalten und erfolgreich auftreten kann. „Es war gut zu sehen, dass wir gegen eine solch überaus robuste Mannschaft, wenn wir einen Plan, Ordnung auf dem Platz haben und gutes Pressing aufziehen, unsere Balleroberungen kriegen und umschalten können“, sagt der 49-Jährige. „Das gibt uns ein gutes Gefühl. Wir wissen nun, dass wir auch in der Europaliga eine Chance haben. Diese Erkenntnisse nehmen wir in die nächsten Wochen mit hinein.“ Nun folgt das schwierige Tagesgeschäft mit drei Bundesligaspielen in Folge in kurzer Zeit. „Die Anforderungen werden nicht kleiner. Das wissen wir auch“, betont Schmidt. „Erholen und Rhythmus aufnehmen. Wir haben viele Spieler, die noch nicht gespielt haben und frisch genug sind.“

Das Schlüsselwort in dieser Phase heißt Rotation. Schon gegen AS Saint-Etienne veränderte der 05-Trainer seine Formation gegenüber dem 4:4 gegen die TSG Hoffenheim vier Tage zuvor. „Die Rotation hat auch immer mit dem Gegner zu tun. Die Startelf im Europapokal hatte schon mit der Startelf in Augsburg zu tun. Das hat auch taktische Gründe.“ Welcher Spieler passt besser in den jeweiligen Matchplan? Und wie stark ist die körperliche Beanspruch für den Einzelnen? „Nur Frische auf den Platz hinstellen, das wird nicht stimmig, wenn es nicht zusammen passt“, betont der Coach, der zudem ein Fingerspitzengefühl für die Befindlichkeiten seiner Profis entwickeln muss. „Nach einem guten Spiel jemandem zu sagen, du spielst nicht, du wirst geschont, das ist für meine Spieler auch eine neue Erfahrung.“ Vier Spiele in zehn Tagen sind eine große Herausforderung für den 05-Kader. „Es wäre schön, wenn man zwei Mannschaften dafür hätte, aber wer hat die schon? Und wenn, dann verlierst du Automatismen, wenn du zu viel wechselst“, so Schmidt. „Wenn du in drei Englische Wochen gehst, möchten alle die ersten zwei Spiele machen. Ich glaube, in den letzten drei Spielen ist der eine oder andere froh, wenn er nicht spielen muss. Am Anfang ist dann bei den Ersatzspielern noch ein bisschen Wut dabei. Das zeigt mir aber, dass die Jungs spielen wollen.“

Eine der wichtigsten Positionen, die der Schweizer derzeit mit Rotation versuchen muss, bestmöglichst für die jeweiligen Anforderungen zu besetzen, ist die Doppelsechs. Schmidt räumt ein, dass ihm da im Moment der verletzte Andrej Ramalho am meisten fehlt. Der Neuzugang aus Leverkusen mit seiner Erfahrung im zentralen Mittelfeld, der wegen einer Wadenverletzung pausieren muss, ist eigentlich genau für diese Situation verpflichtet worden. „Damit haben wir natürlich so nicht gerechnet. Wir dachten vorher, im September haben wir eine Konstante, die weiß wie es geht, und wir setzen den Fittesten daneben“, erklärt Schmidt. Der Plan geht nicht auf, weil neben Ramalho Danny Latza, Stammspieler und Leistungsträger aus der vergangenen Saison, nicht zur Verfügung steht. Bleiben zunächst Jean Philippe Gbamin, Suat Serdar und Fabian Frei, die sich als Konstante durch- und reinbeißen müssen.

In Augsburg wird der Trainer wohl wieder auf ein neues Pärchen zurückgreifen. „Wenn man nur Bundesliga hätte, könnte man sich mal ein paar Wochen auf zwei versteifen, die einige Spiele am Stück machen. Dann kommen die langsam zu Gange. Das können wir aber mit den vielen Spielen so nicht machen. Gegen Etienne hatten wir eine Doppelsechs, da ist der eine 19, der andere 20 Jahre alt. Das hat gut ausgehsehen und war auch gut. Wir haben die Leute, die da schnell rein kommen, aber sie müssen lernen. Ich habe Gbamin noch nie herausgehoben, doch man sieht, dass wir da einen guten Griff getätigt haben. Der Kerl ist sehr schnell angekommen und tut uns gut. Er hat den Auftrag angenommen.“

Im Europaliga-Spiel musste Schmidt jedoch Suat Serdar wegen muskulärer Probleme auswechseln. In Augsburg könnte nun José Rodriguez, der zuvor zweimal nicht im 05-Kader stand, seine Bundesliga-Premiere geben. „Dafür haben wir die Leute. Irgendwann wirst du abberufen, musst auf den Platz und deinen Mann stehen. Das kommt jetzt alles. Wir haben viele Spieler, die langsam in Form kommen oder in Form sind. Wir müssen nur die richtige Konstellation finden“, betont Schmidt.

In Augsburg erwartet die Mainzer erneut ein Kampfspiel. „Der Gegner wird frischer sein, spielt daheim und wird heimstark sein. Dort zu spielen ist nie einfach.“ Schmidt hat deshalb vor, auch die laufintensiven Positionen, anders zu besetzen, um die Stärken, die das 05-Spiel hergibt, abrufen zu können. „Intensives Pressing, den Ball wollen, umschalten. Das ist unser Spiel, auch wenn wir müde sind. Da kommen wir nicht raus. Wenn wir abwarten und passiv sind, fehlt uns die Griffigkeit.“ Das war gegen Saint-Etienne in der Schlussphase der Partie deutlich zu sehen. Da gerieten die Mainzer Aktionen beim Versuch umzuschalten meist viel zu hektisch. „Wir hatten es zuvor mit dem BVB und Hoffenheim mit zwei spielstarken Gegnern zu tun“, erklärt Schmidt. „Da haben wir im Training den Fokus extrem auf das Umschaltspiel gelegt. Man hat am Donnerstag gesehen, dass dies im Moment auf Kosten der Ballbesitzphasen geht. Da haben wir uns gegen Etienne viele Ballverluste angetan, weil wir den Ball nach vorne gespielt haben und der Stürmer war nicht bereit oder halt nicht mehr bereit. Diese Balance müssen wir finden. Wir arbeiten dran, dass wir diese Hektik rauskriegen. Mal auf dem Ball stehen, hinten rum spielen und auch wieder von hinten aufbauen. Das wird ein wichtiger Ansatz sein.“ Die Mannschaft sei nun erneut auf breiter Front gefordert. „Das macht aber auch den Reiz aus.“

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