Schmidt sucht den Umschalt-Zehner

Jörg Schneider. Marbella.
Nach dem 1:1 gegen Ado Den Haag im ersten Testspiel des Trainingslagers in Andalusien hat Martin Schmidt ziemlich deutlich zu verstehen gegeben, dass der Trainer des FSV Mainz 05 nicht vor hat, den Weggang von Yunus Malli, der tags zuvor für 12,5 Millionen Euro zum VfL Wolfsburg gewechselt war, nur aus dem eigenen Kader heraus zu kompensieren. „Man kann nicht den besten Scorer einfach ziehen lassen, ohne sich Gedanken zu machen, ihn zu ersetzen. Diese Gedanken machen wir uns im Moment ganz intensiv“, erklärte der Schweizer.

Das erste Testspiel im Rahmen dieses Winter-Trainingslagers an der Costa del Sol hat viel Luft nach oben gelassen für die zweite Begegnung des holländischen Wochenendes beim FSV Mainz 05 in Marbella. Nach dem 1:1 gegen ADO Den Haag folgt heute um 15 Uhr im Stadion von San Pedro Alcántara die Partie gegen den aktuellen Spitzenreiter der niederländischen Liga, Feyenoord Rotterdam. Eine Delegation des Tabellenführers, angeführt vom ehemaligen Weltklasse-Stürmer und früheren Bayern-München-Torjäger Roy Makaay, der als Stürmer-Coach bei Feyenoord beschäftigt ist, saß am Freitag als Beobachter auf der Tribüne und sah ein 05-Team mit zwei Gesichtern. Die erste Mannschaft von Martin Schmidt dominierte gegen Den Haag die erste Hälfte der Partie weitgehend und führte verdient durch den sehenswerten Treffer von Jhon Cordoba nach Kopfball-Vorlage von Yoshinori Muto. Die 05-Formation der zweiten Hälfte tat sich dagegen extrem schwer gegen den aggressiv herangehenden und unbequemen Gegner, fand kaum ins Spiel und musste am Ende froh sein, dass nach dem Ausgleich des Haagers Mittelstürmers Dennis van der Heyden das Ganze nicht komplett ins Auge ging. Eine spektakuläre Rettungstat des jungen Torhüters Florian Müller, der kurz vor dem Ende mit einem überragenden Reflex van der Heydens Schuss parierte, sicherte dem Bundesligisten das Unentschieden.

Umschalt-Zehner gesucht: Martin Schmidt hat in Marbella ziemlich deutlich zu verstehen gegeben, dass er einen externen Ersatz für Yunus Malli braucht. Foto: Jörg SchneiderDer 05-Trainer war dennoch nicht so unzufrieden, wie er aufgrund der Leistung in der zweiten Halbzeit hätte sein können. Um Defizite und Probleme im eigenen Spiel zu erkennen und aufzuarbeiten sind solche Testspiele schließlich da. „Es war unser erstes Testspiel nach der Pause. Ein korrektes Testspiel mit zwei, drei kleineren Pannen in der Defensive und dem Standard zum 1:1. Es war ein bisschen schade, dass du es nicht gewinnst, aber es war ein Test, wie wir ihn erwartet hatten“, sagte Martin Schmidt nachher. Ein Test, der zeigte, an was die 05er arbeiten müssen. „In der ersten Halbzeit hat uns der Gegner sehr viele Räume über außen geboten, die wir gut nutzen konnten und gut angeschoben haben. Man hat gesehen, dass sich die Holländer in der zweiten Halbzeit darauf eingestellt hatten. Da hatten wir dann vermehrt den Ball, waren aber im Ballbesitz zu ungenau, zu unsauber. Der Gegner hat die Außen besser zugestellt, da kamen wir nicht mehr durch, vor allem über rechts. Auf der linken Seite hat es im Ansatz ganz gut ausgesehen mit dem jungen Niklas Kölle. Aber auch die Durchschlagskraft hat auf dieser Seite gefehlt. Wir haben es durch die Mitte versucht. Da war alles zu. Deshalb war die zweite Halbzeit sicher die spielerisch schlechtere Hälfte“, fasste der 49-Jährige das Ganze zusammen.

Vor der Pause war viel Tempo in der Partie. ADO Den Haag baute aus eigenem Ballbesitz heraus auf, versuchte über Außen aufzulösen und über die Flügel ins Zentrum vors Tor zu kommen. Das unterbanden die Mainzer meistens gut, schalteten schnell um und brachten einiges von dem, was sie in den Tagen zuvor an Umschaltkontern eingeübt hatten, auf den Platz. Besonders die linke Seite, auf der Gaetan Bussmann die Angriffe anschob und Gerrit Holtmann häufig in Szene setzte, brachte Gefahr fürs holländische Tor. Doch auch  das Duo Daniel Brosinski und Levin Öztunali auf dem anderen Flügel brachte Druck ins Spiel. Chancen von Cordoba und André Ramalho sowie das 1:0 des Kolumbianers in der 19. Minute waren die Folge.

„Was aufgefallen ist, dass die Holländer sehr aggressiv waren,  sehr zweikampfpräsent. Gerade vorne in der Spitze. Das hat uns in der Defensive in beiden Halbzeiten immer wieder große Probleme bereitet“, sagte Schmidt. „Sie sind sicher in der Vorbereitung auch einen Tick weiter als wir, hatten einen Vorteil in der Frische.“ Der Coach probierte am Tag nach eins nach dem Weggang von Yunus Malli ein System aus mit Muto und Cordoba als Zwei-Stürmer-Angriff, von den sich jeweils einer bei Bedarf als Umschalt-Zehner präsentierte. In der zweiten Hälfte und der zweiten 05-Formation versuchte sich Fabian Frei auf der Zehn. Dadurch, dass Karim Onisiwo wegen abklingender Krankheit und Jairo wegen einer im Training erlittenen Fußprellung noch geschont wurden, fehlte der Offensive allerdings das Tempo. Vornehmlich auf dem rechten Flügel, wo sich der gelernte Abwehrspieler Charmaine Häusl notgedrungen einbringen musste.

„Ich will dieses System nicht bewerten, weil es noch nicht zu bewerten ist“, betonte der 05-Trainer. „Bei Yoshi haben wir gesehen, dass die Kraft im Moment nur für 20 bis 25 Minuten reicht. Danach kamen seine Läufe in die Tiefe schon nicht mehr. Da fehlt noch einiges“, so der Walliser. „Jhon kam gut in die Räume, war sehr engagiert, hat ein schönes Tor geschossen, aber eine Halbzeit reicht nicht, um zu sagen, das könnte eine Variante sein.“ Fabian Frei, glaubt der Trainer, könne im Umschaltspiel als Zehner wichtig werden. „Aber es ist nicht gesetzt, dass er das sein muss, der diese Rolle übernimmt. Das können wir auch mit verschiedenen anderen Varianten oder mit zwei Spitzen lösen. Da haben wir Optionen. Dadurch dass Jhon am Anfang nicht dabei ist, müssen wir sehen, in welche Richtung wir das weiterentwickeln. Aber warten wir mal den Verlauf der Vorbereitung ab.“

Ballverluste im Zentrum

Das Offensiv-Bemühen der Mainzer litt häufig unter den Mängeln, die das Team im Mittelfeld oder im Spielaufbau von hinten heraus zeigte. „Wir hatten zu viele Ballverluste im Zentrum. Vor allem Jean-Pierre Gbamin. Auch die Innenverteidiger im Spiel nach vorne spielten zu viele ungenaue Bälle“, betonte Schmidt. Das könne daran gelegen haben, dass die vergangenen Tage sehr intensiv von der Belastung her gewesen seien und der Trainer auch am Morgen noch ein Schnelligkeitstraining angesetzt hatte „Defensiv hatten wir eine gute Struktur drin. Den Haag wollte in der ersten Halbzeit aufbauen. Nach der Pause haben sie das geändert, die Räume geschlossen, wollten den Ball nicht mehr und haben auch auf Resultat gespielt. Wir haben es nicht geschafft nachzulegen. Wir haben die erste Halbzeit gewonnen, die zweite verloren, also gibt‘s ein Unentschieden.“

Martin Schmidt bestätigte nach der Partie noch einmal das, was die Aussage seines Sportdirektors in Bezug auf den Malli-Deal bereits impliziert hatte. Dass nämlich der 05-Trainer den Top-Scorer, der am Donnerstag für 12,5 Millionen Euro zum VfL Wolfsburg gewechselt war, nur absolut ungern hatte ziehen lassen. „Wir haben die Entscheidung zusammen getroffen“, hatte Rouven Schröder erklärt. „Ich glaube für Mainz 05 war das marktwirtschaftlich ein sehr wichtiger Schritt und einer, der ja auch irgendwo absehbar war“, erklärte nun der Coach, der aber gleichzeitig zu verstehen gab, dass er nicht vor hat, den Malli-Abgang rein aus dem eigenen Kader heraus zu kompensieren. „Als Trainer sage ich natürlich, den Spieler kann man nicht hergeben. Man kann nicht den besten Scorer einfach ziehen lassen, ohne sich Gedanken zu machen, ihn zu ersetzen. Diese Gedanken machen wir uns im Moment ganz intensiv.“ Schmidt lässt keinen Zweifel darüber aufkommen, dass der 05-Trainer einen Ersatz fordert für die Position des Umschaltzehners. Malli wird nicht eins zu eins zu ersetzen sein, weil ein ähnliches Niveau einzukaufen das Mainzer Budget für Ablöse und Gehalt sprengen würde. Doch einen Profi, der vom Potenzial her die Anforderungen eines solchen Spielmachers erfüllt und in die Rolle hineinwachsen kann, will der Schweizer schon noch haben. Das verspricht noch eine spannende Transferperiode zu werde

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