Schmidt: Quaison ist kein Zehner

Jörg Schneider. Mainz.
Die große Frage vor dem Auswärtsspiel am Samstag bei der TSG Hoffenheim lautet: Bestreitet Bojan Krkic gleich seinen ersten Startelfeinsatz für den FSV Mainz 05? Oder muss der prominente Neuzugang erst einmal auf die Bank? Und was ist mit Robin Quaison, der zweiten Offensivverpflichtung, der wie der 05-Trainer nun klarstellte, nicht der Nachfolger für die neue Saison von Krkic als Zehner sein wird? Martin Schmidt hält sich in allen Fragen absolut bedeckt, will sich nicht in die Karten schauen lassen und verweist auf den üblichen Lernprozess der neuen Leute in den spezifischen Mainzer Abläufen. „Das mit dem Lernen ist nicht despektierlich gemeint, aber je schneller sie sich wohlfühlen in diesem Konstrukt, es verinnerlichen, desto besser ist es“, sagt der 49-Jährige.

Bestreiten die beiden Neuzugänge Bojn Krkic und Robin Quaison in Hoffenheim ihren ersten 05-Einsatz? Der Trainer hält sich noch bedeckt, sagt nur, das Duo mische im Training kräftig mit. Foto: Mainz 05Natürlich stand die Frage im Mittelpunkt, ob Bojan Krkic am Samstag im Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim bereits als Umschaltzehner oder in einer anderen offensiven Rolle seinen ersten Einsatz für den FSV Mainz 05 bekommen wird. Und auch, ob Robin Quaison, der zweite Neuzugang des Bundesligisten im Offensivbereich, schon für einen Platz im Kader in Frage kommt. Was Bojan betrifft, darf man wohl davon ausgehen, dass der prominente Spanier in irgendeiner Form und mehr oder weniger lange an dieser Partie teilnehmen wird. Auch wenn Martin Schmidt sich in dieser Thematik im Vorfeld absolut bedeckt hält und zunächst einmal von einem Lernprozess spricht, der allerdings so schnell wie möglich beendet sein soll. Zumal Bojan zumindest aus seiner Zeit in Barcelona das Spiel gegen den Ball und die taktischen Anforderungen im Umkehrspiel, Pressing und Gegenpressing quasi mit der Muttermilch aufgesogen hat.

„Fakt ist, sie sind im Training“, sagte der 05-Trainer im Rahmen der Spieltags-Pressekonferenz am Donnerstag. „Sie kommen aus einer anderen Philosophie heraus. Je schneller sie lernen, desto schneller werden sie auf dem Platz sein.“ Die Phase dürfe bei Bojan nicht lange dauern. Schmidt will auch das Wort „Lernen“ nicht überbetonen. „Es gibt aber bestimmte Abläufe, die wir haben in unserem Spiel. Was passiert nach Ballverlust? Wo sind die Pressingzonen? In welche Räume laufen wir rein nach Balleroberungen. Das mit dem Lernen ist nicht despektierlich gemeint, aber je schneller sie sich wohlfühlen in diesem Konstrukt, es verinnerlichen, desto besser ist es. Man hat es in dieser Woche schon gesehen. Das anfängliche Reinschnuppern hat sich so entwickelt, dass sie schon eine gute Rolle im Training spielen.“

Im Falle von Quaison ist von den Medien, auch von der nullfünfMixedZone, interpretiert worden, dass sich der Schwede im Vorgriff auf die neue Saison als künftiger Zehner einspielen und dann die Bojan-Nachfolge antreten solle. Schmidt verneint das entschieden. „Ich weiß nicht, wo das herkommt. Das wäre ein falscher Rucksack, den wir dem Spieler nicht aufsetzen wollen.“ Um Missverständnissen vorzubeugen: Quaison sei ein Allrounder, könne auch wie Bojan als falscher Neuner und hängende Spitze spielen. „Er ist jedoch kein Zehner.“ Quaison komme in erster Linie als Außenstürmer, der in die Halbräume nach innen ziehe. Der 23-Jährige könne jedoch nicht mit dem Rücken zum Tor als Passgeber auftreten, der die Räume bespiele. „Robin ist brutal schnell, robust und körperbetont. Wir sehen ihn als Außen oder je nach Herangehensweise als falschen Neuner“, betont Schmidt. Vom Typ her vergleichbar mit Karim Onisiwo. Bojan sei der Umschaltzehner im 4-2-3-1 und in einem 4-3-3 eine der beiden Doppelspitzen. Ähnlich wie bisher Yunus Malli.

Das Erscheinen der beiden qualitativ hochwertigen Neuzugänge im Mannschaftstraining habe indes schon einiges bewirkt im Team. Der Konkurrenzkampf habe sich in der vorderen Reihe noch einmal erhöht. Jeder der 05-Profis kann rechnen, wie viele Plätze der Trainer in der Startelf und auf der Bank besetzt und wie groß das Angebot ist. Selbst Jhon Cordoba, der nach abgesessener Sperre im Auswärtsspiel wieder ins Mainzer Sturmzentrum zurückkehrt, habe begriffen, dass ihm durch die Optionen und die zusätzliche Variabilität in der 05-Offensive stärkere Konkurrenz drohe. Der Mittelstürmer habe jedoch gleich die Situation angenommen und präsentiere sich in bester Verfassung und Motivation. „Jhon ist wieder da und hat volle Power im Training gezeigt. Der ist absolut heiß“, sagt Schmidt, der gegen Hoffenheim die große Auswahl hat, die Positionen um den Kolumbianer herum zu besetzen. „Yoshinori Muto hat jedes der Spiele gut getan. Bei ihm ist die Überlegung, ob wir einfach auf seine zwölf Kilometer vorne drin verzichten können und seine Balleroberungen“, so der 49-Jährige. Levin Öztunali werde mit jedem Bundesligaspiel besser. Jairo sei nicht mehr wiederzuerkennen gegenüber dem vergangenen Herbst. Pablo De Blasis mit seiner Kampfkraft und dynamischen Unberechenbarkeit. „Ich will da keinen vergessen“, sagt Schmidt. Es gehe ihm jedoch nun darum, was schlussendlich in Hoffenheim genau geplant sei, wie sich die Herangehensweise nach dem Abschluss der Vorbereitungen auf diese Partie darstelle. „Das alles spielt in die Überlegungen mit rein. Bei Bojan kommt hinzu, dass sein letztes Spiel am 30. Dezember war und ihm noch gewisse Trainingskilometer fehlen. Wir werden die Geschichte behutsam angehen.“ Natürlich traue er Bojan trotzdem den Einsatz zu, „Sonst hätten wir ihn ja nicht geholt.“

22 Feldspieler hat der Schweizer momentan im Teamtraining. „Da ist ein Leistungsdruck da. Wobei da auch Spieler dabei sind wie Aaron Seydel als Perspektivspieler oder wie Marin Sverko, der noch U19 spielen kann. Lässt man die raus, sind es noch 20, aus dem man den Spielkader bestimmt. Es wird Härtefälle geben, aber das wird auch alles über die Trainingsleistung gesteuert. Deshalb haben wir einen  gesunden Leistungsdruck. Mit sehr hoher Qualität in der gesamten Breite, das muss ich schon sagen.“

In jedem Fall fehlen werden den 05ern in der Sinsheimer Arena Emil Berggreen, der zwar eifrig trainiert, aber nicht vor März massiv in den Konkurrenzkampf eingreifen kann. Dazu noch immer Leon Balogun. „Er hat vorgestern erstmals wieder auf dem Platz einen Teil des Trainings mitgemacht. Er steigert jeden Tag. Leon war aber seit dem Telekom-Cup raus. Er hat drei wichtige Wochen verloren“, sagt der Coach. So lange ein Spieler raus sei, so lange brauche er auch wieder, um reinzukommen, laute die Faustregel. „Dieses Wochenende ist für Balogun einfach zu früh.“

Auch Karim Onisiwo muss sein Comeback noch länger hinauszögern. Der Stürmer hatte im alten Jahr im Frankfurt-Spiel einen Schlag auf den oberen Mittelfuß abbekommen. „Da hat sich ein Knochenödem gebildet. Das muss abheilen. Die Abheilungsphase dauert insgesamt rund sechs Wochen. Das Problem dabei ist, er darf in dieser Zeit nichts machen“, erklärt Schmidt. Ein großer Teil dieser Zeit ist nun vorbei. „Karim darf jetzt seit zwei Tagen wieder joggen. Davor durfte er nicht mal das, nicht mal Fahrradfahren. Sobald das jetzt endgültig durch ist, kann er wieder ins Teamtraining einsteigen. Aber er hat enormen Rückstand, weil er die gesamte Vorbereitung verpasst hat. Ähnlich wie im vergangenen Jahr“, so der Coach. „Eine doofe Verletzung, bei der man nichts machen kann außer therapieren. Wir gehen davon aus, dass es noch zwei Wochen dauert, bis er gegen den Ball treten kann.“

► Alle Artikel zum Spiel bei der TSG Hoffenheim

► Zur Startseite