Schmidt: Nächster Schritt muss kommen

Jörg Schneider. Mainz.
Beim SV Werder Bremen, dem Gegner des FSV Mainz 05 am Samstag in der Opel Arena, ist die Lage prekär geworden. Nach vier punktlosen Spielen im neuen Jahr steht das Team von Alexander Nouri auf dem Relegationsplatz. Die Partie in Mainz soll dem Vernehmen nach ein Schicksalsspiel für den Trainer sein. Ein dankbarer Gegner also für die 05er? „Oder auch der undankbarste“, sagte Martin Schmidt am Dienstag in der kleinen Medienrunde am Bruchweg. „Ich weiß, was uns erwartet und was von uns gefordert ist“, betonte der Schweizer. „Ich habe es heute Morgen dem Team schon gesagt: Jetzt muss der nächste Schritt von uns kommen.“

Beim Trainingsauftakt am Bruchweg ging es am Dienstagmorgen gut zur Sache. Hier bemühen sich Giulio Donati und Stefan Bell erfolglos Mittelstürmer Aaron Seydel am Torerfolg zu hindern. Foto: Jörg SchneiderNach einem freien Tag zum Wochenbeginn haben die Fußball-Profis des FSV Mainz 05 wieder das Training aufgenommen. Bei der Einheit am Dienstagmorgen fehlten der kranke Torhüter Jannik Huth sowie Suat Serdar wegen Muskelproblemen. Robin Quaison, der zuletzt angeschlagene Neuzugang, hat ein halbes Programm absolviert. Der Stürmer soll morgen wieder ganz ins Mannschaftstraining einsteigen. Der 05-Kader präsentierte sich nach dem 2:0-Erfolg gegen den FC Augsburg in bester Stimmung, aber zum Wochenauftakt bereits wieder im ehrgeizigen Kampf-Modus. Schon am ersten Vorbereitungstag auf das nächste Heimspiel ging’s am Bruchweg kräftig zur Sache im Trainingsspiel. Die Mainzer wollen am Samstag nachlegen, drei weitere Punkte einsammeln, um sich im sicheren Mittelfeld zu etablieren.

Beim kommenden Gegner ist die Lage unterdessen weit weniger entspannt als in Mainz. Der SV Werder Bremen steckt tief in der Krise, ist nach der 0:1-Heimniederlage gegen Borussia Mönchengladbach auf den Relegationsplatz gerutscht. Vier Spiele ohne Punktgewinn im neuen Jahr haben dazu geführt, dass an der Weser ein angespanntes Betriebsklima herrscht. In diversen Medien werden bereits die Nachfolger für den aktuell erfolglosen Trainer gehandelt. Dem Vernehmen nach soll die Partie am Samstag in der Opel Arena ein Schicksalsspiel für Alexander Nouri sein. Der Coach hat in einer Pressekonferenz angekündigt, schon am Donnerstag nach Rheinhessen anzureisen, sich in einem Kurztrainingslager auf die Partie vorzubereiten, um die prekäre Situation möglichst mit einem Erfolg gegen die 05er halbwegs zu entschärfen.

Die Bremer könnten rein von ihrer aktuellen Punktausbeute ein dankbarer Gegner sein für die Mannschaft von Martin Schmidt. „Oder auch der undankbarste“, sagt der Trainer, der in der Vergangenheit nicht immer die besten Erfahrungen mit Klubs gemacht hat, die aus einer Negativserie heraus nach Mainz kamen. „Es ist doch immer so, die Gegner, die unbedingt müssen, sind speziell fokussiert. Wenn man unbedingt muss, spannt das den Boden noch mehr. Man rechnet auch immer die mentale Anspannung mit rein. Man könnte sagen, dass ein Gegner auf dem Relegationsplatz mehr Druck hat und ihn das vielleicht hemmt. Aber das kann man sich auch einreden.“  Er erwarte jedenfalls einen schweren Gegner, sagt der 49-Jährige. „Die wissen, um was es hier geht. Wenn du so ein Spiel gewinnen kannst, hast du den Anschluss wieder hergestellt. Man hat das am Wochenende mit Hamburg gesehen in Leipzig. Da bist du wieder dran. Der Ansatz ist für uns zunächst mal nicht einfacher, als wenn Leverkusen Gladbach oder irgendein Spitzenteam kommen würde.“

Wenn man sich die Gegner anschaue, die vor den Mainzern platziert seien, „dann sind die fast auf Tuchfühlung mit der Europaliga. Die auf den Europaliga-Plätzen stehen, sind knapp an den Champions-League-Plätzen dran. Die Bremer sehen, dass sie schnell am Mittelfeld dran sein können. Deshalb ist die ganze Tabellensituation in der Bundesliga im Moment sehr kompliziert. Alles ist eng zusammengerückt. Ich glaube, wir haben dieses Jahr in der Bundesliga ein Mittelfeld, das bei Platz drei beginnt und bei Platz 15 aufhört. In allen Spielen ist deshalb Würze drin. Im Mittelfeld sind einige Teams, die eigentlich vorne hin gehören. Das macht das Ganze so instabil.“ Die Bremen-Partie sei für die eigene Situation sehr wichtig. „Ich will mich gar nicht in die Bremer hineindenken, sondern ich weiß, was uns erwartet und was von uns gefordert ist“, betont der Schweizer. „Ich habe es heute Morgen dem Team schon gesagt: Jetzt muss der nächste Schritt von uns kommen. Wir klammern die Bremer Situation aus. Wir kennen unsere Lage, wir wissen, was wir selbst beeinflussen müssen und können. Wir wissen, dass wir nochmal ein solches Spiel wie gegen Augsburg brauchen. Darauf bereiten wir uns vor.“

Lange Einwürfe als Trainingsinhalt

Ein Teil dieser Vorbereitung betrifft das Offensivspiel, besonders die Umschaltaktionen. Dabei hatten sich die 05er vornehmlich in der zweiten Hälfte gegen die Augsburger auf dem Weg zum möglichen 3:0 ziemlich einen abgebrochen. „Das trainieren wir, das ist in jedem Training und vor allem im Abschlusstraining Inhalt. Da arbeiten wir dran. Das muss unser Prunkstück sein, in der gegnerischen Hälfte schnell umzuschalten und das dann gezielt und präzise auszuspielen“, sagt Schmidt.  Trotz der Kritik an den angesprochenen Kontern im zweiten Durchgang, sei der Ertrag dennoch nicht ganz schlecht gewesen. „Wenn wir von vier Kontern einen durchbringen, ist das trotzdem eine gute Quote. Wenn man sich die anderen Spiele anschaut, da gibt es Mannschaften mit einer weitaus höheren individuellen Klasse, denen das auch passiert, dass solche Umschalter halt hängen bleiben. Wichtig ist, dass wir in die Balleroberung kommen, dass wir die Position finden. Die Präzision wird dann mit jedem Spiel kommen.“

Levin Öztunali habe beispielsweise gegen die Augsburger die eine andere Umschaltmöglichkeit liegen lassen. „Dabei vergisst man oft, dass der ein 20-jähriger Kerl ist, der noch häufig die falsche Entscheidung trifft. Das ist eine Sache von Training und Abläufen, die wir verbessern wollen.“ Dazu komme, dass Bojan Krkic eine weitere Trainingswoche mit der Mannschaft nutze. „Den Bojan werden wir besser in diese Umschaltaktionen rein bringen. Mit seiner individuellen Qualität ist er momentan der einzige, der diesen Kreativpart hinter der Spitze so spielen kann. Wir werden das üben und uns darin steigern.“

Nach Schmidts Auffassung war auch der Einwurf von Daniel Brosinski vor dem Elfmeter zum 2:0 ein Konter. „Durch diese Wachheit haben wir zwei Treffer aus Umschaltern gemacht. Alles gut“, sagt der Coach. „Wir üben gezielt diese langen Einwürfe. Der Ball ist direkt in die Box geflogen über den Innenverteidiger drüber. Das sind auch Umschalter. Man muss nur sehen, welchen Aufwand man oft betreibt, um in den gegnerischen Strafraum zu kommen. Und dann hast du einen Einwurf und jemanden, der den direkt in den Sechzehner wirft. Einfacher geht es nicht. Einen Einwurf kann der Verteidiger auch nicht richtig klären.  Wenn der mit dem Kopf dran ist, fällt der Ball bei 18 bis 20 Metern wieder runter. Dann musst du auf dem zweiten Ball sein. Deshalb ist das oft das einfachste Mittel. Warum es kompliziert machen, wenn‘s eigentlich auch einfach geht?“

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