Schmidt: Im Umschaltspiel wieder besser werden

Jörg Schneider. Mainz.
Rein kalendarisch ist’s eigentlich noch eine Woche zu früh, doch nach der Mainzer Definition eines Jahres von einem Rosenmontag zum nächsten, ist Martin Schmidt nun ein Jahr Cheftrainer des FSV Mainz 05. Das Heimspiel am Freitag gegen den FC Schalke 04 ist der Beginn der größten Herausforderung für Schmidt und dessen Team in der Rückrunde. Denn die Partie bildet den Auftakt zu einer Spielserie gegen einige der Top-Klubs der Liga, gegen die es in der Hinserie nicht einen Punkt gab. „Unser Ziel ist ganz klar, mehr Zähler daraus zu holen als im Herbst“, sagt der 48-Jährige.

Dass der Mainzer ein Jahr definiert als die Zeit, die zwischen einem Rosenmontag und dem nächsten Rosenmontag vergeht, ist normal. Von daher findet es auch Martin Schmidt, der inzwischen lange genug in dieser Stadt lebt, nicht als besonders ungewöhnlich, dass er sich in dieser Woche schon mit seinem Jahrestag als Cheftrainer des FSV Mainz 05 beschäftigen soll. Obwohl das rein kalendarisch eine Woche und ein Bundesligaspiel zu früh kommt. Am Rosenmontag 2015 haben die Verantwortlichen am Bruchweg den Schweizer zum Nachfolger des glücklosen Kasper Hjulmand bestellt. Am Fastnachts-Dienstag des vergangen Jahres ist der 48-Jährige offiziell vorgestellt worden. Das Heimspiel am Freitagabend in der Coface Arena gegen den FC Schalke 04 wird das 34. Spiel der 05er unter Schmidts Regie sein. Saisonübergreifend hat der Coach dann eine komplette Spielzeit hinter sich gebracht. Und durchaus erfolgreich.

Aus dem Abstiegskampf der vergangenen Saison haben sich die 05er unter dem neuen Trainer recht zügig verabschiedet. In der laufenden Runde belegt das Team Platz sieben mit 30 Punkten nach 20 Begegnungen. Schmidt und dessen Profis sind an die internationalen Plätze herangerückt und haben nun sogar die große Chance, mit dem nur um drei Punkte besser dastehenden Champions-League-Anwärter aus dem Ruhrpott gleichzuziehen. Im Erfolgsfall würde dies das Thema Europapokal befeuern und die Diskussion darüber, ob die 05er dieser Geschichte gewachsen sind oder ob das Ganze doch nur eine Momentaufnahme darstellt.

Seit Fastnachtsdienstag des vergangenen Jahres ist Martin Schmidt Cheftrainer des FSV Mainz 05. Mit dem 34. Spiel unter seiner Regie beginnt für den Schweizer am Freitag gegen Schalke ein Abschnitt mit großen Herausforderungen. Foto: Jörg Schneider „Es kommt mir nicht so vor wie ein Jahr. Ich habe auch noch nicht alles gesehen. Das Tagesgeschäft lässt gar keine Gedanken an eine solche Geburtstagsfeier zu“, sagt der Schweizer. „Ich würde das lieber in den Mai verschieben, wenn ich eine komplette Saison hinter mir habe.“ Schmidt weiß die aktuell komfortable Situation seiner Mannschaft zu schätzen, darf sich das bisher Erreichte absolut als Erfolg auf seine Fahnen schreiben, doch dem Coach ist auch bewusst, dass er nun erneut vor einer extrem harten Bewährungsprobe steht. Denn die Wochen der Vorrunde gegen jene Mannschaften, die das Team nun im Block wieder erwartet, empfand der 48-Jährige als die bisher schwierigsten in seiner Zeit als Bundesliga-Trainer.

„An dieser Konstellation des Spielplans müssen wir uns erneut messen lassen. Das wird nicht einfach. Das sind hochintensive Spiele gegen die Top-Mannschaften mit den Begegnungen in Hoffenheim und gegen Darmstadt dazwischen.“ Im Herbst sei dieser Abschnitt eine echte Mentalitäts- und Bewährungsprüfung gewesen, denn gegen die Spitzenklubs gab’s für die 05er nichts zu holen. Da habe schon die Frage im Raum gestanden, ob das Team wieder zurückfinde in die Spur. „Wir haben die richtigen Schlüsse gezogen. Die Mannschaft hat richtig reagiert auf die Negativergebnisse. Das war sicherlich die bislang größte Erfahrung für mich als Bundesliga-Trainer.“

Die Partie am Freitag gegen Schalke 04 eröffnet diese Wahrheitswochen. Danach geht es zur TSG Hoffenheim. Eine Woche später kommt Bayer Leverkusen. Es folgt die Englische Woche mit dem Mittwochs-Auftritt in München und dem Derby am Sonntag gegen die Darmstädter. Danach die beiden Auswärtsspiele in Dortmund und Bremen. Im Herbst verhinderten die Erfolge gegen Hoffenheim und bei den Lilien ein Abrutschen in gefährdete Regionen. Gegen Schalke, Leverkusen, Bayern, Dortmund und auch gegen die Bremer holten die Mainzer keinen Punkt.

„Aufgrund unserer jetzigen Situation können wir etwas beruhigter in diesen Block reingehen“, sagt Schmidt. „Aber unser Ziel ist ganz klar, mehr Zähler daraus zu holen als im Herbst.“ Voraussetzung dafür ist jedoch eine klare Steigerung bereits am Freitag gegen den Ruhrpott-Klub im eigenen Stadion. Der 1:0-Sieg in Hannover war wichtig für die Ausgangsposition. Die Vorstellung des Teams beim Tabellenletzten war auch defensiv-taktisch und vom Zweikampfverhalten her tadellos, doch was die 05-Profis in ihrem normalerweise stärksten Segment, dem Umschaltspiel, trieben, hatte eindeutig nicht die Qualität, die man von einem Tabellensiebten erwarten sollte.

„Die Präzision in der Hälfte des Gegners. Die Präzision im Umschaltspiel. Das ist im Moment ein Makel in unserem Spiel, den wir uns ankreiden lassen müssen“, sagt der Coach. „Da müssen wir uns ganz klar verbessern, sonst reicht irgendwann unsere Mentalität nicht mehr, wenn wir nicht in der Lage sind, beim Stande von 1:0 den Deckel drauf zu machen.“ Beim verunsicherten und schwach auftretenden Schlusslicht vermasselten die Mainzer reihenweise Konter-Ansätze, nutzten nicht die weiten Räume, die der Gegner anbot. Immer wieder fehlte der exakte Pass zum freien Mann, zu oft verzettelten sich die Angreifer im Strafraum, suchten nicht den Abschluss, blieben hängen und brachten sich selbst um beste Chancen. Gegen stärkere Mannschaften kann so etwas prächtig in die Hose gehen. „Wir waren da schon mal weiter“, betont der Trainer. „Da müssen wir uns eindeutig wieder verbessern.“

Schmidt ist sicher, dass dies auch gelingt. Denn zum einen stimmten Mentalität und Einstellung der Mannschaft. Die Widerstandsfähigkeit des Teams unter hohem Druck sei groß. Und auch im Zweikampfverhalten sind die 05er stark. „Wir haben jetzt in den vergangenen drei Spielen jeweils die Zweikampfwertung gewonnen mit über 50 Prozent. Wir haben die meisten Kontertore. Wir sind das laufstärkste Team der Liga. Das ist unser Gesicht. Unser Spiel in Hannover war ein Spiel mit 254 Zweikämpfen. Der Durchschnitt in der Bundesliga lag am Wochenende bei 160 Zweikämpfen pro Spiel. Wenn wir in diesem Bereich gegen Schalke einen Tick nachlassen, könnte das hart werden.“

Am Freitagabend müsse nach den zwei jüngsten Erfolgen unbedingt eine gute Gesamtleistung her. „Gegen die Schalker muss man das alles wieder sehen. Wenn nur ein Faktor fehlt, dann reicht es nicht, um gegen einen solchen Gegner zu gewinnen. Dann brauchen wir nicht von Punkten oder von einer Serie zu träumen. Es geht einzig alleine darum, das wieder abzurufen, was wir in den vergangenen Spielen abgerufen haben und vor allem das zu verbessern, an dem wir intensiv arbeiten: unser Umschalt-Spiel nach Balleroberung. Und das Reagieren, wenn wir ein Gegentor kriegen.“  

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