Schmidt: Beim Verein entschuldigen

Jörg Schneider. Fürth.
Der FSV Mainz 05 hat die Hitliste seiner größten Enttäuschungen im DFB-Pokal um eine neue unrühmliche Bestmarke erweitert. Mit diesem nicht nachvollziehbaren Zweitrundenaus durch die 1:2-Niederlage beim Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth hat die Mannschaft selbst dem Klub einen schmerzhaften Tiefschlag versetzt, der nachhaltige Wirkung zeigen kann. „Dämlich angestellt und raus aus dem Wettbewerb“, sagte Martin Schmidt nachher extrem verärgert. „Es ist unzulänglich, wie wir das Achtelfinale verspielt haben. Ich werde mich beim Verein entschuldigen. Es ist fahrlässig, wie wir Geld in den Sand setzen.“ Die Stimmen zum Pokal-Desaster.

Schwer geschlagen und am Tiefpunkt der Saison: 05-Kapitän Niko Bungert und Alexander Hack. Foto: ImagoSie waren angetreten, um ihrer Favoritenrolle im DFB-Pokal gegen einen zweitklassigen Gegner gerecht zu werden und sich für die schwache Leistung beim 0:3 auf Schalke zu rehabilitieren. Der Schuss ging gewaltig nach hinten los. Die Profis des FSV Mainz 05 gaben einen sicher geglaubten Sieg bei der SpVgg Greuther Fürth nach dem Führungstreffer von Jhon Cordoba in der Schlussphase noch auf unerklärliche und unsägliche Weise aus der Hand, kassierten eine 1:2 Niederlage und verabschiedeten sich mal wieder viel zu früh aus diesem Wettbewerb. Die zweite Pleite in dieser Englischen Woche schmerzt den Klub extrem und könnte lange nachwirken.

„Es ist nicht so einfach, da gescheite Worte zu finden nach diesem Spiel“, sagte der 05-Trainer, der gezeichnet wirkte. „Es tut mir leid für den Verein, für unsere Fans, für alle rundum. Es ist unzulänglich, wie wir das Achtelfinale verspielt haben. Ich werde mich beim Verein entschuldigen. Es ist fahrlässig, wie wir Geld in den Sand setzen“, sagte Martin Schmidt. „80 Minute lang war es ein normales Spiel, dann haben wir es weggeschenkt. Geduldig waren wir, kontrolliert waren wir, haben nichts zugelassen bis auf ein, zwei Distanzschüsse. Wir brauchten ein Standardtor als Dosenöffner. Dann ging es nur darum, da Spiel weiter so fortzusetzen. Der Gegner wurde nicht viel aggressiver, der war in der 70, Minute eigentlich bespielt. Wir hatten sie im Griff und haben es geschafft, den Gegner nochmal aufzubauen durch unsere Unzulänglichkeiten, durch Fehlpässe in der Vorwärtsbewegung. Durch, ich weiß auch nicht, eine falsche Körpersprache, die sich eingeschlichen hat. So haben wir ein Spiel, das klar auf unserer Seite war, weggegeben. Ich hoffe, dass nicht nur ich mich maßlos ärgere, sondern das Team in der Kabine ebenfalls und mal laut untereinander wird. Das müssen wir ja mal klar ansprechen. Es kann nicht sein, dass wir im Teamverbund solche Spiele hinten raus wegschenken.“

Entsprechend bedient war auch der 05-Präsident. „Dass wir angefressen sind, ist nachvollziehbar. Wir führen 1:0 und kriegen dann zwei Gurken reingelegt. Da ist man schon etwas sprachlos. Martin Schmidt muss und wird nun die richtigen Worte finden. Es geht weiter, aber das war schon sehr ärgerlich“, erklärte Harald Strutz.

„Über knapp 80 Minuten war es ein gutes Pokalspiel von uns.  Wir haben fast nichts zugelassen und hatten das Spiel praktisch in der Hand. Mit dem Führungstor schienen wir die Pflichtaufgabe erfüllt zu haben“, sagte Niko Bungert, der 05-Kapitän. „Dass es hier schwer werden würde, zu Torchancen zu kommen, war klar. Wenn man dann den Treffer macht, muss man die Führung auch heimbringen. Das Ganze dann so aus der Hand zu geben, ist Wahnsinn.“

Bis zum 1:1 habe er nie das Gefühl gehabt, dass das schief gehen könnte, erklärte Daniel Brosinski nach der Blamage. „Wir haben das Spiel kontrolliert und sind ruhig geblieben. Und wir hatten auch ein bisschen Pech, dass wir unsere großen Torchancen nicht reinmachen. Und dann kriegen wir gleich mit deren ersten Torschuss das 1:1. Wir müssen nun schauen, dass wir keinen Abwärtstrend bekommen. Diese Führung mussten wir einfach über die Runden bringen, alles andere ist einfach Scheiße.“

Der Trainer der Fürther sah das Ganze etwas anders. „Wir waren sehr diszipliniert im Abwehr- und Mittelfeldpressing. Da haben wir in der ersten Hälfte maximal zwei halbe Flanken des Gegners zugelassen. Da schon hatte ich den Eindruck, dass wir die klareren Möglichkeiten hatten. Auch wenn Mainz mehr Spielanteile gehabt hat, waren wir da einen Tick gefährlicher“, sagte Stefan Ruthenbeck. „In der zweiten Halbzeit war es dann einfach so, dass der Gegner stärker war, immer mehr gedrückt hat. Aus der Standardsituation machen die das 0:1 und haben eine Risenmöglichkeit zum 0:2. Dann wäre das Spiel gelaufen gewesen, aber so gab’s halt immer wieder Räume. Wir haben mit Sercan  Sarerer einen gebracht, der diese Tempodribblings aus der Tiefe kann. Darauf haben wir ein bisschen gesetzt, er hat das überragend genutzt mit einem Tempodribbling, das gewollt war. Beim zweiten Tor war es ein Sprintduell auf der Außenbahn. Dann sind wir mit viel Personal im Sechzehner. Vielleicht wollten wir da dann mehr als der Gegner und haben uns dafür belohnt. Schlussendlich ist der Sieg sicher glücklich, aufgrund der Zeitfolge der Tore, aber doch nicht ganz unverdient. Ich bin sehr, sehr stolz auf die Mannschaft.“

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