Schmidt: „Bei uns darf der Gefoulte schießen“

Jörg Schneider. Mainz.
Nach sieben Spieltagen ist der FSV Mainz 05 in der Bundesliga wieder in der Tabellenregion angekommen, von wo aus es in der Vorsaison geradewegs in den Europapokal ging: Das Team von Martin Schmidt kletterte mit diesem 2:1-Erfolg über Darmstadt 98 im Derby vor knapp 30.000 Zuschauern in der Opel Arena auf Platz sieben. Erster Heimsieg. Elf Punkte. Eine optimale Einstimmung auf das Europaliga-Gruppenspiel am Donnerstag gegen RSC Anderlecht. Gegen die Belgier werden die 05er jedoch wieder besser Fußball spielen müssen als gegen die Lilien. „Das machen wir“, sagte Rouven Schröder. „Zunächst freuen wir uns jedoch über diesen wichtigen Erfolg.“ Die Stimmen zum Spiel.

Was Dr. Felix Brych aus München da geritten haben mag in der 92. Minute, diese Aktion von Niko Bungert, der im Strafraum aus kurzer Distanz angeschossen worden war und die Hände nicht mehr schnell genug wegbekommen hatte, als Elfmeter zu werten, dürfte das Geheimnis des Schiedsrichters bleiben, der an diesem Tag sehr freigiebig mit seinen Strafstoß-Entscheidungen war. Der SV Darmstadt 98 verkürzte zwar noch auf 1:2 in der Opel Arena, doch mehr war nicht drin für die hessischen Gäste in diesem Derby. Und das, obwohl die 05-Profis nach der 2:0-Führung durch Pablo De Blasis und Yunus Malli so ihre Probleme hatten. Die Überlegenheit der ersten Hälfte, in der die Lilien mit nur einem Gegentreffer noch bestens bedient waren, ging flöten, der Gegner bestimmt im letzten Drittel der Partie das Geschehen, doch die 05er verteidigten alles weg, Torhüter Jonas Lössl hielt, was zu halten war. Der erste Heimsieg. Nicht berauschend, aber wichtig zur Einstimmung auf das Europapokal-Heimspiel am Donnerstag gegen den RSC Anderlecht. Und ganz nebenbei schoben sich die 05er mit nunmehr elf Punkten auf Platz sieben der Bundesliga vor.

Die größte Chance für Jhon Cordoba: Den Torwart umkurvt, aber statt ins leere Tor nur das Außennetz getroffen. Foto: Ekkie Veyhelmann„Ich freue mich als Trainer, der nun drei weitere Punkte in der Hand hält“, sagte Martin Schmidt nach dem Spiel. „Wir haben das Derby gewonnen. Wie, danach fragt in ein paar Tagen kein Mensch mehr. Wir brauchen auch solche Siege, auch wenn so einer dann mal dreckiger zustande kommt.“ In der ersten Hälfte war davon noch nichts zu sehen. „Da ist unser Plan aufgegangen. So haben wir uns das ausgedacht. Solide verteidigen und mit dem Umschaltspiel Chancen herausspielen. Wir haben fünf Großchancen, und nur einer geht rein. Das war etwas wenig“, sagte der 05-Trainer. „Nach dem 1:0 war es ein anderes Spiel. Wir haben dank Jonas Lössl die kritische Situation mit dem Foulelfmeter überstanden, aber uns war klar, wir brauchen ein zweites Tor, sonst gewinnen wir nicht. Nach dem 2:0 haben wir dann zu wenig Fußball gespielt. Nach der Länderspielpause waren drei, vier Leute noch nicht so in Form, haben noch nicht so richtig Fahrt aufgenommen. Trotzdem sind wir zufrieden, denn wir haben gewonnen und sind auf einem guten Weg. Die Endphase der Stabilität haben wir aber noch nicht erreicht.“

Rouven Schröder zog ebenfalls ein positives Fazit. „Unterm Strich ist das ein verdienter Sieg. Für uns war wichtig, dass wir dieses Spiel gewonnen haben. Uns war schon klar, dass es heute irgendwo ein ekliges Spiel wird. Dass wir da richtig aufpassen müssen. Du gehst früh in Führung durch ein schön herausgespieltes Tor, musst das zweite machen, machst es nicht, trotz der vier oder fünf Hochkaräter. Zum Glück halten wir den unberechtigten Elfmeter gegen uns. Trotz des folgenden 2:0 haben wir aber in der zweiten Halbzeit keine Ruhe mehr reingekriegt. Wir hatten zu wenige Ball-Stafetten. Da müssen wir den nächsten Schritt machen und die Bälle besser in den eigenen Reihen halten. Die Darmstädter sind mit ihren Freistößen und Eckbällen immer gefährlich. Sie glauben an sich und sind immer da. Wir haben den einen oder anderen Zweikampf nicht zu Ende geführt, hatten auch die Räume zu groß vor der Abwehr. Ich glaube auch, dass unbewusst das Thema in der Mannschaft hochkommt, dass wir auch in den letzten Heimspielen immer nach Führung noch etwas hergegeben haben. Das kannst du zwar ansprechen, aber trotzdem ist das Gefühl immer etwas da. Das Schöne ist, wenn du gewinnst, kannst du solche Dinge immer besser ansprechen, Das Wichtigste heute aber ist, dass wir es gezogen haben“, sagte der Sportdirektor. „Es ist ein schöner Zwischenstand. Platz sieben. Aber es geht sofort weiter. Wir gehen Schritt für Schritt. Wir sind zufrieden und wissen, dass wir noch viel Arbeit haben.“ Schon am Donnerstag gegen Anderlecht wird sein Team erheblich besser spielen müssen. „Kein Problem“, sagte Schröder, „das machen wir.“

Norbert Meier sprach von einem „wirklich ordentlichen Auswärtsspiel. Wir hätten gerne kurz vor der Halbzeit den Elfmeter reingemacht als psychologischen Vorteil, das ist uns leider nicht gelungen. Die Mannschaft hat nie aufgesteckt, hat versucht nach vorne zu spielen. Wir hatten Möglichkeiten, aber heute war nicht der Tag von Toni Colak. Wir haben alles probiert, alles getan. Es ist wirklich schade, weil die Mannschaft eine gewisse Entwicklung zeigt. Mainz hat aber auch gute Individualisten in seinen Reihen, die dann, wenn sich die Möglichkeiten bieten, auch zuschlagen können“, sagte der Lilien-Trainer. Und zu Colak, der als vermeintlich gefoulter Spieler den Elfer selbst schoss, bemerkte Meier: „Eigentlich soll bei uns nicht der gefoulte Spieler schießen. Da erwarte ich von meinen Führungsspielern, dass sie da hingehen und den Ball in die Hand nehmen.“

Martin Schmidt sagte später schmunzelnd dazu: „Bei uns darf der Gefoulte schießen. Malli ist unser sicherster Schütze. Der muss das auch machen. Der sichere Schütze ist auch dann sicher, wenn er gefoult wird. Wenn er nicht sicher ist, ist er erfahren genug, zurückzutreten und dem anderen den Vortritt zu lassen.“

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