Schmidt beendet die Rotation

Jörg Schneider. Mainz.
Nach dem Ende des Kapitels Europaliga kann sich der FSV Mainz 05 ganz aufs Kerngeschäft Bundesliga konzentrieren. Vor dem Auswärtsspiel am Sonntag bei Borussia Mönchengladbach hat der 05-Trainer eine Änderung der Prioritäten angekündigt. Martin Schmidt beendet die Rotation, verschärft den internen Konkurrenzkampf und setzt künftig auf eine eingespielte Stammformation. „Das dauernde Gewechsel hat nicht zu unserer Stabilität beigetragen“, sagt der 49-Jährige. „Ab jetzt geht es um die Plätze. Wir arbeiten künftig verstärkt mit einer Startelf. Es wird viel schwieriger als zuletzt werden, in die Startelf reinzukommen.“

Das Kapitel Europaliga ist geschlossen. Die Enttäuschung über das knappe Ausscheiden aus dem internationalen Geschäft als bester Tabellendritter aller zwölf Gruppen mit insgesamt neun Punkten muss raus aus den Köpfen und Platz machen für das, was nun in der Bundesliga auf die Profis des FSV Mainz 05 wartet. Das ist noch einiges bis zum Ende der Vorrunde. Der Abschied aus dem Wettbewerb mit diesem 2:0-Erfolg im Heimspiel gegen Qäbälä soll jedoch für Martin Schmidt und dessen Team Ansporn sein, die richtigen Lehren und Schlüsse aus dem Intermezzo zu ziehen und die Voraussetzungen dafür zu schaffen, im nächsten Jahr erneut in die Nähe einer Qualifikation für diesen Wettbewerb zu gelangen. Die Ausgangslage dafür ist gar nicht mal so unübel, auch wenn die Mainzer derzeit mit 17 Zählern und Platz zehn davon relativ weit weg sind. Doch das war vor einem Jahr nicht anders. Damals war die Mainzer Situation in der Liga keinen Deut besser als heute. Da standen die 05er nach 13 Spieltagen ohne die Doppelbelastung und nach einem eher schwachen Herbst mit ebenfalls 17 Punkten sogar nur auf Platz elf. Bis zum Vorrunden-Abschluss kletterte die Mannschaft noch auf Platz acht mit 24 Punkten und schaffte mit einer stärkeren 26-Zähler-Rückrunde dann den Sprung ins internationale Geschäft.

Fabian Frei und Stefan Bell beim Auswärtssieg vergangene Saison in Gladbach. Beide 05-Profis dürften auch nach dem Ende der Rotation am Sonntag im 05-Kader stehen. Foto: ImagoSolche Ziele zu erreichen, liegt nach wie vor im Bereich des Möglichen. „Wir wollen in jedem Fall die 20-Punkte-Marke knacken“, sagt Martin Schmidt vor dem Auswärtsspiel am Sonntag (15.30 Uhr) bei Borussia Mönchengladbach. 21 Vorrundenpunkte seien die Kalkulation und die Zielvorgabe gewesen, die man sich in diesem Jahr gegeben habe, berichtet der 05-Trainer. Die erscheint nicht unrealistisch trotz des schweren Rest-Programms mit den Begegnungen in Gladbach, zu Hause gegen den Hamburger SV, dem Derby in Frankfurt sowie dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln, das die Runde im neuen Jahr abschließt.

„Volles Rohr“, sagt Schmidt, werde man diese nächste Herausforderung angehen. Die Zuversicht des Trainers ist ungebrochen und resultiert in erster Linie aus der guten Kader-Situation. Der 49-Jährige hat nun erstmals seit vielen Wochen einen nahezu komplett gesunden Profi-Stamm zur Verfügung, dazu Rückkehrer aus Verletzungspausen wie Yoshinori Muto und Christian Clemens, von denen er sich Verstärkung in den kommenden Wochen und Monaten verspricht. Vor allen Dingen ändern sich jedoch nach der Doppelbelastung der zurückliegenden Euro-Phase nun die Prioritäten. Da die vielen Reisen und Spiele unter der Woche wegfallen, liegt der Schwerpunkt künftig verstärkt auf der Arbeit an den fußballerischen Inhalten. Mehr Training, mehr Konzentration auf die spielerischen und taktischen Abläufe und Grundlagen, auf das Verinnerlichen und Einschleifen von Automatismen und wichtigen Prinzipien, auf eingespielte Formationen. Der 05-Trainer hat nach dem Ende der Europaliga-Teilnahme gleich auch das Ende der Rotation verkündet. Ab sofort reduziert sich am Bruchweg die Anzahl der Stammplätze. Das neue Thema für die 05-Profis heißt Startelf-Qualifikation.

„Ab jetzt betreiben wir unser Kerngeschäft wieder viel intensiver“, sagt der Schweizer. Das bedeute viel Training, viel Arbeit. „Da ist es passend, dass wir einen breiten Kader haben. Wir haben 25 Spieler, das ist gar nicht mal zu groß für die Bundesliga. Aber jetzt geht es um die Plätze. Da wird es wesentlich enger. Der Konkurrenzkampf wird größer. Das dauernde Gewechsel hat nicht zu unserer Stabilität beigetragen“, erklärt Schmidt. „Wir werden nun von der Rotation weg gehen und arbeiten künftig verstärkt mit einer Startelf. Es wird viel schwieriger als zuletzt werden, in die Startelf reinzukommen. Als Trainer kann man jetzt wieder anders arbeiten. Ein Spieler hat nun immer eine Woche Zeit, sich über Leistung und Mentalität für diese Startelf zu qualifizieren. Und die, die drin sind, haben immer einen gewissen Vertrauensvorsprung.“ In den Europapokalwochen sei es so gewesen, dass er immer wieder Spieler, die in Form gewesen seien, aus Gründen der Herangehensweise, vor allen Dingen aber aufgrund der Belastungssteuerung habe wechseln müssen. Ab jetzt greift am Bruchweg wieder das Prinzip, dass eine eingespielte Mannschaft nur punktuell aus taktischen Gründen verändert wird. Wobei Schmidt weiß, dass er auch künftig nicht alle Spieler dauerhaft gesund zur Verfügung haben wird.

Cordoba muss ersetzt werden

Die Zeiten, dass Profis jedoch nach zwei guten Vorstellungen draußen bleiben müssen, um der Gefahr einer Überbelastung vorzubeugen, seien zu Ende. Gerade im Bereich der Defensivorganisation soll dies zu mehr Stabilität führen, zu mehr Sicherheit und Gewohnheiten, zu weniger Gegentoren als zuletzt. Im Borussia-Park von Mönchengladbach beginnt für die 05er am Sonntag die neue Zeitrechnung. Dort, wo die Mainzer in der vergangenen Saison mit 2:1 gewannen. „Da werden wir wieder on Fire sein“, betont Schmidt, der auf den gelbgesperrten Jhon Cordoba verzichten muss. „In der Verfassung, in der er momentan ist, werden ihn ersetzen können“, sagt der Trainer. Der Mittelstürmer tat sich zuletzt schwer in seinem Spiel. Das war besonders beim 2:0 gegen Qäbälä auffällig. „Man sieht bei ihm, dass er die Pause braucht, dass er sich schleppt auf den langen Wegen. Das war sein 19. Spiel, und bis auf zweimal stand Jhon immer in der Startelf. Der hat ein schweres Gewicht getragen.“

Gegen die Borussia liegt der Schwerpunkt jedoch zunächst darin, die variable und technisch hochwertige Gladbacher Offensive in Schach zu halten. Das zu Null gegen Qäbälä, die defensiv hochkonzentrierte Leistung dabei, soll das Selbstvertrauen stärken, diesmal ähnlich und erneut weitgehend ohne individuelle Fehler in der Bundesliga aufzutreten. „Die Gladbacher sind heimstark, auch wenn es derzeit nicht so gut läuft bei ihnen. Wir müssen uns da auf einen spielerisch hochinteressanten Gegner einstellen. Und gerade in dem Bereich, in dem wir uns zuletzt nicht so einfach getan haben, wird es schwer gegen dieses Tempo auf der Bahn bei ihnen vorne. Das wird eine hohe Hürde.“ Auch der Spielansatz ist ein anderer als im Heimspiel. „Gegen Qäbälä hatten wir dauerhaften Ballbesitz, jetzt brauchen wir einen komplett anderen Ansatz. Du kannst nicht nach Gladbach fahren und das Spiel dominieren wollen. Das wird auch für den Kopf einen Wechsel geben. Allerdings auch für den Gegner. Und ich glaube, wenn wir die Bälle erobern, wissen wir auch, wo das Tor steht“, sagt Schmidt, der mit einem hochspannendes Spiel rechnet, das aufgrund der Tabellensituation beider Mannschaften viel Zündstoff birgt. Denn im Grund wäre für beide Teams jetzt der Sieg wichtig. Für die Gladbacher sicher noch mehr, die Mainzer könnten nach den Niederlagen in Leipzig und gegen die Bayern auswärts sicher auch mit einem Punkt gut leben..    

 

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