Schlechtreden ist kein guter Ratgeber

Jörg Schneider. Mainz.
In der Analyse der 2:3-Niederlage gegen Bayer Leverkusen in der Coface Arena hat Martin Schmidt auch positive Dinge gefunden, die der Trainer des FSV Mainz 05 in die Vorbereitungen auf die Partie am Samstag gegen den SC Freiburg einfließen lässt. Eine Begegnung mit einem direkten Konkurrenten im Abstiegskampf, die von vorentscheidender Bedeutung sein kann. Ein Duell mit einem Team, von dem Schmidt sagt: „Die haben mindestens so viel Druck wie wir.“

Intensive und fokussierte Vorbereitung auf den SC Freiburg: 05-Trainer Martin Schmidt. Foto: Jörg SchneiderViele Gedanken sind Martin Schmidt nach dieser 2:3-Niederlage gegen Bayer Leverkusen durch den Kopf geschossen. Nach einem Spiel, das die ganze Geschichte im Abstiegskampf wieder enger hat werden lassen und von dem der Trainer des FSV Mainz 05 in der ersten Enttäuschung sagte, es sei das schlechteste gewesen unter seiner Ägide.

Die Rädchen im Gehirn des Schweizers begannen jedoch schon nach dem kurzen Austausch mit Roger Schmidt neu zu rotieren. Der Bayer-Coach hatte seinem Namensvetter im Anschluss an die Pressekonferenz versichert, wie wichtig der Champions-League-Anwärter genau dieses Auswärtsspiel genommen habe, mit welchem Willen und mit welchem Leistungsanspruch seine Mannschaft in diese Partie gegangen sei, um diese schwere Hürde zu nehmen. Roger Schmidt verzichtete nach dem schweren Pokal-Spiel gegen die Bayern wenige Tage zuvor auf die übliche Rotation, schickte seine absolute Bestbesetzung, die seit Wochen mit Formstärke und Ergebnissen überzeugte, auf den Platz, um diese Partie zu gewinnen. Und die Leverkusener feierten den 3:2-Erfolg anschließend überschwänglich.

Und als der 05-Trainer einen Tag später in die genaue Analyse einstieg, stellte Schmidt fest, dass er das Ganze mit dem zweiten Auge, dem Trainerauge, im Nachhinein etwas anders beurteilte. „Live haben wir das Spiel schlimmer gesehen als es anhand der Daten dann war. Und wir haben gesehen, dass der Gegner auch nicht ganz blind war und in keiner schlechten Form hier angetreten ist.“ Natürlich habe es Mängel gegeben im Vortrag seines Teams, zu viel Respekt, eine gewisse Verunsicherung. „Viele kleine Gründe. Und das gegen einen Gegner in Bestform, der das Spiel direkt so in die Hand genommen hat, wie wir es nicht erwartet haben. Dann hatten wir diese Abstimmungsfehler, und das macht dich dann nicht besser und mutiger.“

Shinji Okazaki (links, gegen Wendell) verpasste in der Schlussphase die große Chance zur Ergebnisverbesserung.Der 05-Trainer hat sich dann bewusst auf die guten Dinge konzentriert, die seine Mannschaft ebenfalls an diesem Tage geboten habe. „Wenn du alles schlecht machst, ist das auf Dauer kein guter Ratgeber“, sagt der Schweizer. „Du suchst nach den guten Dingen, um diese in die Trainingswoche mitzunehmen.“ Als gut hat der 05-Coach die Viertelstunde vor der Pause empfunden und natürlich den Endspurt. „Da kam ein kleiner Funken in Form des Elfmeters, und das Team hat sofort wieder gebrannt. Danach sind wir öfter in den Strafraum gekommen, als in den 75 Minuten zuvor“, sagt Schmidt. „Da haben wir dann mutig und willig nach vorne gespielt. Und wenn Shinji Okazaki seine Chance reinmacht und es steht 2:3 vor dem zweiten Strafstoß, das hätte ich mir gerne angesehen.“ Die Möglichkeit für den Japaner beim Stand von 1:3 nach einer Flanke von Stefan Bell sei viel größer und gefährlicher gewesen als er das im Stadion registriert habe, sagt Schmidt.

Im Endeffekt sei für ihn wichtiger als die beiden Elfmeter gewesen, dass die Mannschaft in ihren Bemühungen wieder in den gegnerischen Strafraum, in die Box, wie Schmidt sagt, gekommen sei. Auch bedingt durch Systemumstellungen. Und gegen einen Gegner, der nie nachgelassen, noch in der Nachspielzeit mit seinem Anlauf- und Verteidigungsverhalten großen Druck ausgeübt habe. Diese Positiva werde die Mannschaft mitnehmen in die Arbeit und die Vorbereitung auf diese so wichtige Partie am Samstag in Freiburg. Arbeit, Fleiß, Einstellung. An allem will der Trainer in dieser Woche schrauben. „Weiter hart arbeiten, intensiv trainieren und den Fokus klar ausrichten auf diese nächste Aufgabe“, sagt der Coach.

Am Druck, der auf dem Team im Abstiegskampf laste, habe sich nichts geändert. Der sei immer hoch gewesen, auch wenn in der öffentlichen Wahrnehmung viele die 05er nicht in der großen, unmittelbaren Gefahr gesehen hätten. „Dass die da hinten aber alles verlieren und wir mit Unentschieden wegziehen, wäre geträumt gewesen“, sagt der 48-Jährige. „Jetzt kommt Freiburg, wie wir es erwartet haben. Und es hat entscheidenden Charakter. Eine echte Entscheidung im Abstiegskampf fällt nicht, aber es ist entscheidend dahingehend, dass wir den Gegner auf Distanz halten. Das wäre dann schon mal gut für das Wochenende. Wir sehen jedes Spiel für sich. Deshalb ist Freiburg für uns jetzt entscheidend, genauso wie danach die Spiele gegen den Hamburger SV, gegen den 1. FC Köln oder gegen den VfB Stuttgart.“

Die 05er haben die Leverkusen-Niederlage akzeptiert und ihre Schlüsse daraus gezogen. Jetzt geht es mit Volldampf, hochkonzentriert und motiviert weiter. Das sehe man in jeder Trainingseinheit, sagt der Coach. Da brauche es keine Signale von außen, um die Sinne zu schärfen. Die Mannschaft sei fokussiert und stelle sich der Drucksituation. Und eines, so Schmidt, stehe auch fest: „Der SC Freiburg hat mindestens so viel Druck wie wir.“