Saisonstart für Gbamin in weiter Ferne

Jörg Schneider. Mainz.
Jean-Philippe Gbamin reist heute nicht mit dem Kader des FSV Mainz 05 nach Grassau, wo der Bundesligist für eine Woche sein Trainingslager absolviert. Die Oberschenkelprobleme des Franzosen sind offenbar doch massiver als bisher geschildert. Das bedeutet, dass der Sechser einen Großteil der Saisonvorbereitung verpasst und den Saisonstart wohl abhaken kann. Das gilt auch für Gaetan Bussmann, der nach seiner Leisten-Operation ebenso zu Hause bleiben muss wie Alexander Hack (Bänderriss im Sprunggelenk) sowie Emil Berggreen. Das Quartett soll am Bruchweg sein Reha- und Aufbautraining vorantreiben.

14 Tage nach dem Auftakt der Sommer-Vorbereitung starten die Profis des FSV Mainz 05 heute in ihr einwöchiges Trainingslager im bayerischen Grassau. Koffer, Trainingsmaterial, Trikots – die komplette Ausrüstung ist verpackt und bereits mit dem Mannschaftsbus unterwegs, um den Kader des Bundesligisten heute Mittag am Flughafen in Salzburg abzuholen und ins Hotel am Chiemsee zu bringen. Die Tour ins bayerische Voralpenland ist eine spezielle Reise für die Mainzer, die sich in diesen Tagen intensiver Arbeit auf dem Sportgelände des SV Grassau den Schliff holen müssen für eine etwas veränderte Spielweise gegenüber der vergangenen Saison unter Martin Schmidt. Für Sandro Schwarz, den Nachfolger auf dem Posten des Cheftrainers ist es das erste Trainingslager an der Spitze eines Bundesligaklubs.

Jean-Philippe Gbamin fährt nicht mit der Mannschaft ins Triningslager. Für den Franzosen, der einen Großteil der Vorbereitung verpasst, rückt der Saisonstart in weite Ferne. Foto: ImagoZwei Woche lang stand das Thema Grundlagenausdauer ganz oben auf dem Stundenplan der Mannschaft. Die Profis sind jetzt voll drin in der Hochbelastungsphase, haben die erste große körperliche Anstrengung hinter sich, jetzt geht es verstärkt in die Inhalte. In die Prinzipien und Automatismen, die unter Schwarz künftig ausschlaggebend sind. In den bisherigen Trainingseinheiten war der Ansatz des 05-Trainers schon erkennbar. Das 05-Spiel, das der 38-Jährige seinem Team verschreibt, ist stärker vom eigenen Ballbesitz geprägt. Stärker auch von einer aggressiven Vorwärtsverteidigung. Die 05er wollen früher und intensiver anlaufen als vorher, wollen ihre Zweikämpfe weiter vorne führen, Balleroberungen im Mittelfeld erzwingen, flexibler werden und variabler vors Tor kommen. In den bisherigen Testspielen war das zwar nur ansatzweise erkennbar, beim 0:2 am Samstag in Wiesbaden zeichneten sich jedoch trotz der Niederlage einige Dinge bereits ab. Beispielsweise, dass die Außenstürmer verstärkt nach innen ziehen, um auf der Bahn Räume zu schaffen für von den Außenverteidigern eingeleitete Aktionen. Oder das direktere Passspiel in die Tiefe nach Balleroberung und Aufbau. Noch haben die Mainzer Probleme damit, gegen gut organisierte und dichte Defensivreihen den Weg in den Strafraum zu finden, doch Schwarz ist optimistisch, in dieser Grassau-Woche entsprechende Lösungsansätze und Mechanismen zu erarbeiten und zu verfestigen. Etliche Bereiche wie die Vorwärtsverteidigung im Defensiv-Verbund hatten die 05er zudem bisher noch gar nicht im Programm.

Da wartet eine Menge Arbeit auf Mannschaft und Trainer. Vielleicht ist es da ja ein gutes Omen, dass sich die deutsche U21-Nationalmannschaft auf diesem Trainingsgelände in Grassau auf die EM vorbereitet hat und mit dem Titel nach Hause kam. Levin Öztunali, der nach dem EM-Sieg und einem verkürzten Urlaub, heute zum Kader stößt, wird sich dort jedenfalls auskennen und den Kollegen Motivationshilfe leisten können.

Ansonsten jedoch gibt es Überraschungen im Aufgebot, das der Trainer mitnimmt. Jean-Philippe Gbamin ist nicht mit an Bord. Der Sechser, so hieß es zuletzt, habe Oberschenkelprobleme, die der Nationalspieler von den Länderspielen mitgebracht habe. Offenbar ist die Verletzung jedoch schlimmer als nach außen hin kommuniziert. Zumindest so schlimm, dass der Franzose in Grassau nichts machen könnte. Genaue Informationen gibt es derzeit nicht vom Klub. Das Fehlen Gbamins bedeutet jedoch, dass der Mittelfeldmann den Großteil der Vorbereitung verpasst und für den Saisonstart kein Thema sein dürfte.

A-Jugendlicher komplettiert Trainingskader

Das gilt ebenso für Alexander Hack, der zu Hause bleibt. Der Innenverteidiger hatte sich in der Schlussphase der vergangenen Saison einen Bänderriss im Sprunggelenk zugezogen. Hack war vergangene Woche noch sehr optimistisch, im Trainingslager wieder einsteigen zu können. Beim Test in Wiesbaden humpelte der 23-Jährige aber noch mit Krücke und geschientem Fuß auf die Tribüne. Rouven Schröder hat inzwischen bekanntlich den 21-jährigen Abdou Diallo verpflichtet, der heute eins Training einsteigt. Leon Balogun, in Wiesbaden noch geschont, wird ebenso ab heute wieder dabei sein. Zusätzlich nimmt Schwarz den A-Jugendlichen Vitus Scheithauer als vierten Zentrumsverteidiger mit, der in den Testspielen zuletzt solide und reife Vorstellungen geboten hat. Als dritten Torhüter nimmt der Trainer Robin Zentner mit.

Auch Gaetan Bussmann muss nach seiner Leistenoperation die Fahrt an den Chiemsee streichen. Für den Linksverteidiger minimieren sich dadurch ebenfalls die Chancen auf den Saisonstart. Schließlich muss auch Emil Berggreen zu Hause bleiben, der immer noch nur eingeschränkt trainieren kann.  Alle Daheimgebliebenen sollen am Bruchweg ihr individuelles Reha- und Aufbauprogramm intensiv vorantreiben, heißt es, da in Mainz die Rahmenbedingungen dafür am besten seien.

Giulio Donati reist im Übrigen einen Tag später an. Der Verteidiger unterziehe sich vorher noch einer Kontrolluntersuchung bei einem Facharzt seines Vertrauens in seiner italienischen Heimat. Donati sei nicht verletzt, müsse aber diese Kontrolle vornehmen lassen, heißt es am Bruchweg.

Zwei weitere Testspiele stehen in dieser Woche auf dem Spielplan: Am Mittwoch um 18 Uhr empfangen die 05er auf dem Platz in Grassau den FC Tokio, den Heimatklub von Yoshinori Muto in Japan. Einen Tag später geht es in Heimstetten bei München um 18 Uhr gegen den Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth.

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