Rotation nur in der Offensive

Jörg Schneider. Mainz.
Der FSV Mainz 05 absolviert am Dienstagnachmittag noch eine öffentliche Trainingseinheit am Bruchweg, ehe am Mittwochmorgen der Flieger nach Baku startet, wo dann am Donnerstag um 17 Uhr deutscher Zeit das zweite Gruppenspiel der Europaliga gegen Qäbälä FK auf dem Programm steht. Durch den Ausfall von Leon Balogun bei der 2:3-Heimniederlage gegen Bayer Leverkusen hat sich die personelle Situation des Bundesligisten weiter verschärft. Die Defensive für den zweiten internationalen Auftritt dieser Saison stellt sich quasi von selbst auf. Martin Schmidt hat nur in der Offensive Optionen für eine entlastende Rotation in dieser dritten Englischen Woche in Folge.

Vor dem Start ins Europapokal-Abenteuer Aserbaidschan steht am Dienstagnachmittag nochmal ein öffentliches Training an. Ein leichte Einheit, bevor am Mittwochmorgen der Flieger startet, der Mannschaft, Verantwortliche und Anhänger des FSV Mainz 05 nach Baku bringt, wo dann am Donnerstag um 17 Uhr deutscher Zeit das zweite Gruppenspiel der Europaliga gegen Qäbälä FK auf dem Programm steht. Es ist die letzte der drei intensiven Englischen Wochen, die am Sonntag mit dem Auswärtsspiel beim VfL Wolfsburg endet, ehe die zweiwöchige Länderspielpause einem Großteil der strapazierten 05-Profis etwas Zeit zum Durchatmen gönnt. Eine Pause, die vor allem einige der derzeit angeschlagenen und verletzten Spieler noch benötigen, um danach einsatzfähig auf den Platz zurückzukommen. „Wir müssen uns ein wenig in die Länderspielpause reinretten“, erklärte Martin Schmidt nach der 2:3-Heimniederlage gegen Bayer Leverkusen. „Wir hoffen, dass die Spieler bald wieder zurückkommen, die wir brauchen. Nach der Länderspielpause werden wir wieder Vollbestand haben, da werden wir die Punkte, die wir jetzt herschenken, wieder zurückholen. Das ist unser Anspruch.“

Doch im Heimspiel ist der Kreis der 05-Ausfälle zunächst noch einmal angewachsen. Leon Balogun hat sich einen Muskelfaserriss im Adduktorenbereich zugezogen, steht deshalb sowohl in Baku als auch in Wolfsburg nicht zur Verfügung. Niko Bungert musste wegen muskulärer Probleme auf einen Einsatz verzichten, kann es im zweiten Europapokal-Auftritt allenfalls als Backup auf die Bank schaffen. Die Rotation beim Bundesligisten läuft unter diesen Umständen derzeit nicht so wie geplant. Der 05-Trainer hat nicht genügend Optionen, um die massive Belastung der vergangenen Wochen durch Wechsel im Team auffangen zu können. Schmidt und Sportdirektor Rouven Schröder hatten in ihren Personalplanungen den Kader großzügig aufgestellt, breit und qualitativ ziemlich ausgeglichen, um in diesen intensiven Wochen die Belastung auf viele Schultern zu verteilen. Das war auch richtig so, denn sonst hätte der Bundesligist aktuell aufgrund der Verletztensituation ein Problem, überhaupt eine schlagkräftige Mannschaft zu stellen.

Gaetan Bussmann und Fabian Frei sind zwei der Konstanten im Defensivbereich der 05er für das zweite Gruppenspiel der Europaliga am Donnerstag in Baku. Foto: ImagoIm Moment müssen sich halt besonders im Defensivbereich einige 05-Profis durchbeißen. Die 05-Abwehr stellt sich gegen FK Qäbälä von selbst auf. Giulio Donati, der alle fünf Spiele der Englischen Wochen bestritten hat, könnte höchstens durch Daniel Brosinski ersetzt werden, der jedoch selbst bisher entweder als linker Verteidiger oder als Aushilfe auf der Doppelsechs gebraucht wurde. Stefan Bell und Alexander Hack bleiben angesichts der Verletzungen von Balogun und Bungert die Innenverteidiger. Gaetan Bussmann muss links hinten verteidigen. Im zentralen Mittelfeld bleibt Fabian Frei wie auch in den zurückliegenden fünf Begegnungen die Konstante mit Suat Serdar oder José Rodriguez neben sich. Dem Spanier, der nach seiner Roten Karte von Augsburg für die Bundesliga gesperrt ist, aber in der Euro League auflaufen könnte – allerdings ohne große Spielpraxis. Jean Philippe Gbamins Heilungsverlauf hat die Hoffnungen genährt, dass der Franzose eventuell am Sonntag in Wolfsburg wieder dabei sein könnte. André Ramalho soll nach der Länderspiel-Unterbrechung ins Team zurückkehren. Danny Latzas Comeback steht noch in den Sternen.

Erheblich besser ist die Situation im Offensivbereich. Da fehlt dem 05-Trainer nur der verletzte Jairo Samperio. Mit Levin Öztunali, Yunus Malli, Christian Clemens, Karim Onisiwo, Pablo De Blasis, Yoshinori Muto, Jhon Cordoba, Gerrit Holtmann und Besar Halimi hat Schmidt neun Profis für eine mögliche Rotation zur Verfügung. Nach der Leverkusen-Partie stand für alle 05-Profis erst einmal Regeneration auf dem Plan. Den Sonntag verbrachten die Spieler am Bruchweg mit leichtem Laufen, Gymnastik, Kälte- und Wärmebädern und Yoga. Am Montag gönnte der Coach seinen Spielern den ersten freien Tag seit drei Wochen. Nach dem Spiel in Baku geht’s für die 05er noch in der Nacht zurück nach Hause. „Wir hatten mal die Idee, einen Tag länger in Aserbaidschan zu bleiben und von dort direkt nach Wolfsburg beziehungsweise zum Flughafen nach Braunschweig zu fliegen“, sagt Schmidt. „Aber dadurch, dass wir den Charter mit vielen Gästen haben, geht das nicht.“ Die 05-Verantwortlichen überlegen derzeit noch, ob sie nun am Samstagabend oder erst am Sonntagmorgen zum Auswärtsspiel in Wolfsburg fliegen. „Mal sehen, wie wir uns fühlen. Wir haben beide Termine gebucht.“

Ungeachtet der Verletzungsmisere im Defensivbereich reisen die Mainzer mit einer ordentlichen Form zum zweiten Gruppenspiel der Europaliga nach dem 1:1 zu Hause gegen AS Saint-Etienne. Die Leistungen bisher waren in Ordnung, wenn auch immer wieder vermeidbare Fehler Punkte gekostet haben. Sieben Zähler nach fünf Bundesliga-Spielen sind dennoch ganz respektabel. Die Niederlage gegen Leverkusen war die zweite in saisonübergreifend zehn Spielen. Und die zweite Schlappe im eigenen Stadion seit fast einem Jahr. Seit dem vergangenen Oktober haben die Mainzer vor diesem Sonntag nur ein einziges Spiel verloren – gegen den 1. FC Köln. „Mit dieser Bilanz muss sich Mainz nicht eingraben. Die Unentschieden fallen mal auf die eine, mal auf die andere Seite. Gegen Hoffenheim ist’s beim Remis geblieben, in Augsburg und gegen Bremen ist‘s jeweils ein Sieg geworden, jetzt gab es die Niederlage. Ich denke, dass wir in einem guten Fahrwasser drin sind“, sagt Schmidt.

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