Rodriguez und Halimi sind die Wochengewinner

Jörg Schneider. Saint-Vincent.
Nach einer abschließenden Einheit auf dem Rasen des Stadio Perucca geht es heute Nachmittag für den FSV Mainz 05 zurück nach Hause. Der Trainer des Bundesligisten zieht ein insgesamt positives Fazit nach der Woche im italienischen Aostatal trotz der 0:2-Testspiel-Niederlage gegen einen Zweitligisten. Und Martin Schmidt nennt zwei Gewinner dieses Trainingslagers: José Rodriguez und Besar Halimi. Beide 05-Profis werden dann am Sonntag auch im Highlight dieser Sommer-Vorbereitung zu sehen sein. Im Spiel in der Opel Arena (15.45 Uhr) gegen den FC Liverpool.

Heute Vormittag steht im Stadio Perucca die letzte Trainingseinheit auf dem Programm. Noch einmal ein intensives Abschlusstraining mit voller Belastung. Am Nachmittag fährt der Mannschaftsbus des FSV Mainz 05 nach Turin, von wo der Flieger das Bundesligateam zurück nach Deutschland bringt. Am Sonntag dann folgt um 15.45 Uhr das Highlight dieser Sommervorbereitung. Die Partie in der Opel Arena gegen den FC Liverpool aus der englischen Premier League und das Wiedersehen mit 05-Legende Jürgen Klopp, dem Trainer des Europaliga-Finalisten.

Eine Woche waren die Mainzer zu Gast im reizvollen Aostatal, unterzogen sich dem italienischen Flair. Eine gute Woche, wie Martin Schmidt sagt. Auch wenn sein Team nach dem 2:1-Sieg gegen Servette Genf das andere Testspiel gegen die Defensivkünstler von Novara Calcio mit 0:2 durch zwei direkt verwandelte Freistöße verloren hat. „Als Trainer hätte man natürlich gerne, dass es schöner aussieht. Manchmal hat man schöne Testspiele, die man hoch gewinnt. Das lässt einem in einem guten Gefühl, das oft trügen kann. Deshalb habe ich lieber solche Spiele wie hier. Letztes Jahr im Trainingslager das 1:5 gegen Monaco, das hat auch gar nicht gut ausgesehen. Was dann gekommen ist, wissen wir. Und deshalb geht es bei uns normal weiter. Die Resultate sind eigentlich ganz nach meinem Gusto“, sagt der 49-Jährige in Saint-Vincent nach der zweiten Niederlage der Vorbereitung. Vor dem Abflug nach Italien waren die Mainzer am Bruchweg dem FC Sevilla mit 0:1 unterlegen.

Der 05-Trainer zieht ein positives Fazit des Trainingslager und der bisherigen Vorbereitungszeit. „Ich bin sehr zufrieden. Ich habe verschiedene Ansatzpunkte gehabt. Einer davon war, in Ruhe arbeiten zu können mit viel Ruhe für die Spieler im Tagesablauf. Das war auch so. Die Trainingsinhalte und die Abwicklung waren optimal. Wir haben den Kader durch das Trainingslager gebracht, bis am Schluss mit dem Wermutstropfen mit Jean-Pierre Gbamin und Gianluca Curci. Das ist allerdings ein bisschen doof.“ Er habe mit dem Kader viel Inhaltliches erarbeitet. „An der Defensive arbeiten, an der Struktur arbeiten, eine Ordnung auf den Platz kriegen, eine Aggressivität und ein Zweikampfverhalten. Da muss ich sagen, da sind die Trainingsinhalte komplett angekommen. Da haben wir gesehen, dass wir gegen Genf solide standen, das Spiel gewonnen haben, aber nicht so dominant waren. Im Spiel gegen Novara haben wir defensiv fast nichts zugelassen, sind sehr aggressiv gewesen. Ich finde auch, dass wir im Spiel von der 15. Minute bis zur 80. Minute dominiert haben, halt mit den Schwächen in der letzten Zone vor dem Tor. Das ist nun der nächste Programmpunkt, den wir innerhalb von eins, zwei Wochen aufgearbeitet kriegen.“

Überraschung für den 05-Trainer: Die Entwicklung von Besar Halimi und José Rodriguez, die Martin Schmidt als die Gewinner der Woche in Italien bezeichnet. Foto: ImagoUnd das werde auch gelingen, so der Schweizer. „Der größte Joker, den wir dann haben, ist die Frische. Wenn die zurückkommt, ist auch die Genauigkeit wieder da. Wir haben jetzt die sechste Woche hinter uns. Jetzt sind alle so richtig teigig. Jetzt ist die Müdigkeit überall in den Gliedern. Alles, was man macht, braucht eine Anlaufzeit. Und trotzdem haben wir eigentlich einen aggressiven und dominanten Fußball gespielt. Der Rest wird durch Frische erheblich verbessert. Deshalb mache ich mir überhaupt keine Sorgen in dem Bereich. Das sind Themen, die wir jetzt in Angriff nehmen.“

Die Kritik an der Spielweise gegen den tief stehenden italienischen Zweitligisten vornehmlich in der ersten Hälfte, als die Mainzer kein richtiges Konzept hatten, um diesen Gegner zu bespielen, hat den 05-Trainer allerdings etwas gefuchst. „So, wie Novara gespielt und verteidigt hat, da braucht es Lösungen, Kreativität. Ganz klar. Doch bisher haben wir noch keine einzige Einheit absolviert zum Thema: Wie spielen wir gegen einen tiefstehenden Gegner. Deshalb ist mir das egal, dass wir dort ein paar Schwierigkeiten hatten. Mir war nur wichtig, aggressiv zu sein, einen Block zu bilden, keine Torchancen zuzulassen, dominanter zu sein als am Vortag. Und das waren wir über das ganze Spiel. Die Frische wird unseren Antritt verbessern. Über die Kreativität und die Spielgestaltung mache ich mir noch keinen Kopf.“

Auch gegen den FC Liverpool werde sein Team noch nicht wieder so frisch sein. Deshalb werde sich das Trainerteam gar nicht groß mit der Klopp-Elf beschäftigen, den Gegner nicht analysieren. „Sondern wir werden uns in dem Bereich stärken, der für uns wichtig ist: Blockbildung, Balleroberung, Umschaltspiel. Wir werden jetzt nicht plötzlich wegen eines Novaras, das sich zurückzieht, unsere Trainingsinhalte umstellen und auf Ballbesitz-Fußball gehen“, sagt Schmidt etwas verbissen. „Wir werden in unserem Fußball drin bleiben. Das hat mir auch im letzten Jahr Recht gegeben. Wenn du am Schluss Sechster wirst und dich für die Europaliga-Gruppenphase qualifizierst, ist es piepegal, welchen Fußball du gespielt hast. Wir bilden uns nicht ein, dass wir nun etwas ganz anderes machen können. Wir bereiten uns auf das vor, was für uns elementar sein wird. Dass das wahrscheinlich auch im Pokal gegen Unterhaching noch nicht so gut aussieht, ist mir auch bewusst. Weil dies ebenfalls ein Gegner ist, der zu bespielen sein wird. Aber nochmal: Ich werde nicht wegen eines DFB-Pokalspiels die ganze Vorbereitung darauf ausrichten. Unser Spiel ist das Defensivspiel und das Umschalten. In unseren Inhalten und Prinzipien bleiben: Defensivblock. Arbeit gegen den Ball. Nach Balleroberung schnelles Umschalten.“ Dazu komme, dass noch einige Spieler im Kader nicht ganz so weit seien. „Yunus Malli beispielsweise ist erst in seiner zweiten Trainingswoche. Das kommt jetzt alles. Ich kann nur sagen, etwas Geduld aufbringen und das Team sich entwickeln lassen. Die Vorbereitung ist nach neun Wochen rum und nicht nach sechs“, erklärt der Coach.

Die erkennbaren Mängel begründet der Schweizer mit fehlender Frische im derzeitigen Vorbereitungsstatus. „Die Spritzigkeit fehlt halt noch komplett noch. Deshalb sieht manches noch nicht so agil und dynamisch aus, aber das bereitet mir keine Kopfschmerzen.“ Genauso sei es mit der Abschussqualität der Stürmer, die bisher nicht sonderlich konkret vor dem Tor zu Werke gingen. „Da mache ich mir ebenfalls keine Sorgen. Die Frische und das Training werden in dieser Beziehung frappierend helfen.“

Martin Schmidt hat zwei Gewinner ausgemacht in der Woche von Saint-Vincent. José Rodriguez und Besar Halimi. Beide hätten einen Riesenschritt nach vorne gemacht. Der Spanier mit seiner Spielübersicht, der sich taktisch immer besser einfügt und mit guter Organisation, Zweikampfstärke vor allem aber mit seinem Passspiel in die Tiefe überzeugt und im Moment die besten Karten für den Startplatz auf der Doppelsechs hat. Halimis Vielseitigkeit auf mehreren Positionen hat den Coach ebenfalls beeindruckt. Dem im vergangenen Jahr an den FSV Frankfurt ausgeliehenen Mittelfeldspieler haftete etwas der Makel eines nicht sonderlich aggressiven Schönspielers an. Das hat sich in den ersten Wochen beim Bundesligisten komplett gedreht. Halimi entwickelt sich als Fighter, der einen guten Ball spielen kann. „Bei ihm hat man jetzt gesehen, dass er auch als Achter, als Zwischenspieler geeignet ist. Da denke ich, wenn wir in den Spielaufbau reingehen, ins Spielerische, in die Kreativität, dass wir auch in diesem Bereich bald sehen, wer sich da hervortut. Rodriguez und Halimi haben uns überrascht, was wir so nicht erwartet hätten.“

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