Rivalen, aber Freunde fürs Leben

Jörg Schneider. Mainz.
Das bevorstehende Wiedersehen mit Christian Heidel hat die sportlichen Aspekte dieses Aufeinandertreffens am Sonntag (17.30 Uhr) in der Veltins Arena deutlich in den Hintergrund gerückt. Die Partie beim FC Schalke 04 ist für den FSV Mainz die erste offizielle Begegnung mit dem langjährigen Manager, seit der 53-Jährige im Mai die Seiten gewechselt hat. „Es spielt nicht irgendeine Person gegen eine andere Person", stellt Rouven Schröder fest. „Natürlich ist es was Besonderes, da müssen wir ja nicht Drumherum reden. Christian ist immer noch allgegenwärtig hier. Wir freuen uns da alle drauf, wir freuen uns auf Christian. Das ist doch ganz normal.“ Das ändert jedoch nichts daran, dass die 05er auf Schalke punkten wollen.

25 Jahre lang sprach Christian Heidel für den FSV Mainz 05. Nun gibt es das erste offizielle Aufeinandertreffen mit dem Ex-Manager, seit dieser die Seiten gewechselt hat. Foto: Jörg SchneiderMan muss sicher kein Prophet sein, um zu ahnen, dass am frühen Abend dieses Sonntags alle Kameras und Mikrofone auf eine Person gerichtet sein werden. Schon im Vorfeld der Bundesligapartie in der Veltins Arena hat sich das mediale Interesse deutlich auf eine Person gerichtet: Auf Christian Heidel und dessen erstes offizielles Wiedersehen mit seinem alten Klub, für den der 53-Jährige ein Viertel-Jahrhundert lang arbeitete und maßgeblich an dessen erfolgreichen Werdegang beteiligt war. Im Mai dieses Jahres hat der einstige 05-Manager die Seiten gewechselt und arbeitet seitdem als Vorstand Sport und Kommunikation beim FC Schalke 04. Die Partie am Sonntag um 17.30 Uhr gegen den FSV Mainz 05 schließt diesen achten Bundesliga-Spieltag ab. Und Christian Heidel steht dabei im Mittelpunkt.

Die klare Fokussierung auf den Ex-Manager und dessen große Verdienste um die Entwicklung des Bruchweg-Klubs erweckt fast den Eindruck, als gehe es in diesem Aufeinandertreffen um ein persönliches Duell des neuen Schalke-Machers mit seinen alten Weggefährten und seinem Nachfolger auf dem Manager-Sessel. „Wir spielen gegen Schalke und nicht gegen Christian Heidel“, reagierte Martin Schmidt dieser Tage fast schon etwas genervt auf den Hype um dieses Wiedersehen, das ja irgendwann zwangläufig stattfinden musste. Nein, sagt der 05-Trainer angesichts der wiederkehrenden Fragen zu diesem Thema, es sei kein komisches Gefühl dabei am Sonntag. „Ich freue mich riesig auf Christian und Axel Schuster. Sie mal wieder zu sehen, und zu hören wie es ihnen da geht. Doch unser Fokus liegt deutlich auf dieser Partie. Unser Kontrahent ist die Mannschaft. Freunde fürs Leben bleibt man trotzdem. Die Vorfreude ist deshalb sicher größer, aber nicht die Herausforderung des Spiels.“

Rouven Schröder, den der scheidende Manager dem Klub als Nachfolger vorgeschlagen hatte und der seit Mai für die Personalpolitik der Mainzer verantwortlich ist, sieht das ähnlich. „Es spielt nicht irgendeine Person gegen eine andere Person", sagt der 41-Jährige. „Natürlich ist es was Besonderes, da müssen wir ja nicht Drumherum reden. Christian ist immer noch allgegenwärtig hier. Das ist ja ganz klar. Wir freuen uns da alle drauf, wir freuen uns auf Christian. Das ist doch ganz normal. Wenn ein Mensch so lange hier war, jetzt für einen anderen Arbeitgeber unterwegs ist und man trifft das erste Mal aufeinander, dann ist das schon etwas Besonderes. Es macht auch den Reiz dieses Spiels aus.“

Die Personalpolitik von Heidel-Nachfolger Rouven Schröder hat dazu beigetragen, dass die 05er in dieser Saison bislang gut dastehen. Foto: Ekkie Veyhelmann Weder Mannschaft und Trainer, noch deren Sportdirektor fahren jedoch nach Gelsenkirchen, um sich ehrfurchtsvoll vor Heidel zu verneigen und ihm die Punkte zu übergeben, die der 04-Sport-Vorstand dringend benötigt, um aus der Start-Krise herauszukommen. Schröder selbst hat zudem bisher schon eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass er seinen Job versteht und der richtige Nachfolger auf diesem Posten ist, dessen Neu-Besetzung nach Heidels Weggang als größte Herausforderung für den Verein galt. Schröder hat sich jedoch mit seiner kompetenten, sachlichen und bodenständigen Art auf Anhieb als Glücksgriff für die 05er erwiesen und seine Position im Klub zementiert. Seine umsichtige Kaderplanung hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Mainzer in dieser Saison, in der dem Klub nicht wenige ein massives Problem-Potenzial prognostizierten, bisher so gut dasteht. Der neue Sportdirektor stellte in Zusammenarbeit mit seinem Coach einen breiten und qualitativ guten Kader auf die Beine, dessen Vielschichtigkeit sich bisher im umfangreichen Programm mit mehreren Wettbewerben bewährt hat – auch auf dem Niveau der Europaliga.

Schröder hat Spieler mit großem Entwicklungspotenzial verpflichtet. Wie beispielsweise Jean-Philippe Gbamin, der mehr und mehr in eine zentrale Rolle hineinwächst und in die Position des abgewanderten Julian Baumgartlinger schlüpft. „Man muss wirklich sagen, er überrascht uns, was sehr positiv ist“, betont Schröder. „Jean-Philippe hat unheimlich schnell eine gewisse Akzeptanz in der Mannschaft erlangt. Und das ohne Sprache. Das muss man deutlich sehen. Integration geht meist einmal über die Sprache und einmal durch Leistung. Er hat es unheimlich schnell hinbekommen, dass die Mannschaft geschlossen hinter ihm steht. Und das als sehr junger Spieler mit 20 Jahren auf einer zentralen Position. Das ist eigentlich die größte Wertschätzung, die die Mannschaft einem Spieler geben kann. Und wenn ein Fabi Frei, der ja schon 27 Lenze alt ist und schon viele Champions-League-Spiel gemacht hat, sagt, dass er sich sehr wohl neben Gbamin fühlt, dann ist das ein gutes Zeichen. Wir sehen in jedem Spiel das Riesenpotenzial von Gbamin, trotzdem aber auch, dass es immer noch Dinge gibt, die wir ansprechen können in seinem Spiel. Das beruhigt uns auch. Wenn jetzt die Sprache noch dazu kommt, macht er den nächsten Entwicklungsschritt. Wir sind froh, dass wir ihn haben.“

Gbamin und Frei dürften am Sonntag wohl wieder gemeinsam das zentrale Mittelfeld der 05er bilden. In einer Partie, in der eigentlich die Favoritenrolle ganz klar vergeben ist. Doch in der Bundesliga traten auf Heidels neuer Baustelle bislang erhebliche Mängel auf. Schalke 04 steht vor diesem Spieltag auf dem Relegationsplatz. Als Außenstehender könne man nur ganz schwer beurteilen, was da nicht funktioniert habe, sagt Schröder. Auch dort seien viele neue Leute dazugekommen, die sich erst finden müssten. Dass sich das Ganze nicht unter dem Getöse früherer Jahre abspiele, sei allerdings ein Verdienst von Heidel. „Trotz des holprigen Startes hat eine ganz klare Veränderung im Umfeld stattgefunden. Das ist eine Riesenqualität, die Christian in der kurzen Zeit da reingebracht hat. Dass man nach fünf Niederlagen für Schalker Verhältnisse eine absolute Ruhe hatte. Da ist eine ganz klare Linie drin, wer spricht, wer sich zu welchen Themen äußert. Das haben sie wunderbar hinbekommen. Ruhe zu bewahren, sachlich zu bleiben, die Dinge trotzdem klar zu formulieren und anzusprechen, alles im Sinne des Vereins. Neuer Trainer, neue Spieler, viele Veränderungen. Das muss sich alles erst einspielen“, erklärt der 41-Jährige. „Und trotzdem wissen wir alle, welch enorme Qualität in diesem Kader steckt. Wenn du siehst, dass du beim 1:0 in Krasnodar sieben Spieler, die zuletzt dabei waren, schonen kannst, das Team komplett umstrukturierst und damit schon die Wichtigkeit der Begegnung mit Mainz 05 rausstellst, dann wird dir bewusst, was da im Kader drinsteckt. Ich glaube, sie haben die Situation dieser Schwächephase am Anfang genutzt, um die Sinne zu schärfen, zu sagen, sie stehen zusammen, sie stehen auch die schlechteren Phasen durch. Das hat der Christian wunderbar hinbekommen, dass da Ruhe bewahrt wird.“

Die 05er sind sich im Klaren darüber, was ihnen morgen in der Arena. bevorsteht. „Schalke hat eine gute Offensivqualität, das Publikum im Rücken und jetzt eine gewisse leichte Euphorie, weil die letzten Spiele positiv waren“, sagt der 05-Sportdirektor. „Da rechnen wir schon damit, dass die klar auf Sieg spielen. Sie haben vier Punkte, wir elf. Es ist sicher ihr Ziel, zu Hause gegen uns gewinnen zu wollen. Das ist ihr Anspruch. Sie sind klarer Favorit. Wir erwarten sie offensiv und selbstbewusst, aber wir werden darauf vorbereitet sein.“ Und Martin Schmidt hat bereits formuliert, dass sein Team alles dafür tun wolle, dem Ex-Manager die Wiedersehensfreude zumindest für 90 Minuten zu verderben. „Unser Ziel ist ganz klar dort zu punkten“, so der 05-Trainer.   

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