Rechtsaußen Huth ist nicht das Thema

Christian Karn. Mainz.
Nach der Testspielserie des Winters stehen nach viermal 90 Minuten gegen fünf Erstligisten unterschiedlicher Güteklasse ein Sieg, eine Niederlage und zwei Unentschieden in der Bilanz des FSV Mainz 05. Einen gewissen Handlungsbedarf auf dem Transfermarkt deuteten die Testspiele an; nach Yunus Mallis Abgang ist das in der Offensive keine große Überraschung. Auf den defensiven Positionen dagegen dürften die 05er personell stabil sein. Und auch die Problemposition vorne rechts war nur deshalb eine, weil an den vergangenen beiden Wochenenden jeweils 180 Minuten zu spielen waren, nicht 90 wie im Bundesliga-Alltag.

Nicht heute (denn heute wird sich nur regeneriert) und auch nicht morgen (denn morgen haben die Profis ihren letzten freien Tag vor dem Bundesliga-Wiederbeginn), sondern am Mittwoch beginnt für den FSV Mainz 05 die letzte Etappe der Winter-Vorbereitung. Vier Trainingstage haben die 05er dann noch, ehe der 1. FC Köln nach Mainz kommt, um mit gehöriger Verspätung endlich die Hinrunde zu beenden. Eine Woche später wird Borussia Dortmund zu Gast sein und wenn die 05er am 4. Februar bei der TSG Hoffenheim antreten, werden sie längst wieder im gewohnten Rhythmus sein. Und dann auch personell komplett - zwar wird am 4. Februar noch mindestens Emil Berggreen kein Kandidat für den Kader sein, sicherlich auch der eine oder andere weitere Spieler aus diesem oder jenem Grund ausfallen, aber wer für die letzten 16 Spiele der Saison in Frage kommt, das wird Martin Schmidt dann wissen.

Offenbar werden die 05er in den kommenden Tagen Gervane Kastaneer (Mitte) unter Vertrag nehmen. Der niederländische Juniorennationalspieler soll jedoch erst einmal kein Kandidat für den Bundesligakader sein.Heute weiß der 05-Trainer das sicherlich noch nicht. Den 05ern bleiben noch mehr als zwei Wochen für Transfers. Bisher haben sie lediglich zwei Spieler abgegeben, Christian Clemens, der im vergangenen halben Jahr kaum eine Rolle gespielt hat, und Yunus Malli, der als unverzichtbar galt. Der einzige verifizierte Neuzugang, Marin Sverko aus Karlsruhe, kommt erst im Sommer und ob der junge Linksverteidiger, der am 4. Februar 19 Jahre alt wird, direkt für sein Team in Frage kommt, weiß Schmidt wahrscheinlich auch noch nicht. Dass die 05er bis Monatsende ihren Kader noch ein bisschen verändern wollen, das ist ein offenes Geheimnis. Was sie genau vorhaben, ist nur zum Teil schon durchgesickert: Gervane Kastaneer, der Mittelstürmer von ADO Den Haag, gegen den die 05er im Trainingslager spielten, sei im Prinzip alles klar. Der 20-jährige niederländische Juniorennationalspieler sagte der Presse bereits, dass er lediglich heute oder morgen noch den Medizincheck bestehen soll. Für den Profikader ist Kastaneer offenbar zunächst nicht vorgesehen; das in allen Bewegungsabläufen etwas an Jhon Córdoba erinnernde Talent soll in der 3. Liga aufgebaut werden. Und ist damit nicht der Malli-Nachfolger.

Das (und das glaubwürdige Dementi bezüglich des belgischen Mittelfeldspielers, der den 05ern aufgedrängt werden sollte) ist alles, was bisher in der Öffentlichkeit angekommen ist. Rouven Schröder lässt sich ohnehin auf keine Andeutungen ein. Der 05-Sportchef sagte nach dem Testspiel gegen den FC Thun am Sonntag lediglich, dass man das Thema nicht jeden Tag kommentieren müsse. Im Sommer hatte Schröder großen Erfolg mit seiner Arbeitsweise - die bevorstehenden Verpflichtungen von Jean-Philippe Gbamin und José Rodríguez kamen durch Indiskretionen der anderen Seite erst spät heraus, Gerrit Holtmann, Jonas Lössl, Levin Öztunali und André Ramalho waren ohne Vorwarnung auf einmal da. Abschätzen lässt sich daher: Überhaupt nichts. Bei Christian Heidel wäre im Grunde klar, dass ein Spieler in den kommenden Tagen auftauchen würde, die Transferaktivitäten danach für beendet erklärt werden würden, und am letzten Transfertag noch ein Spieler gehen und zwei bis drei neue kommen würden. Aber Heidel ist weg. Demnach: Abwarten, was passiert.

Was sind die Baustellen?

Im Tor sind die Nummern 1 und 2 öffentlich angezählt, der Stammtorwart etwas mehr als sein Ersatzmann. Fast wirkt es so, als würde Schmidt am liebsten den U23-Stammtorwart Florian Müller auf die Überholspur ziehen. "Er hat die Perspektive, in den nächsten eineinhalb Jahren hier zum Bundesligaspieler zu reifen", sagte der Trainer in Spanien. "Ob er jetzt schon so weit ist, das müssen wir sehen. Ich glaube aber, dass er noch nicht ausdefiniert ist. Er hat ein Riesenpotenzial in allen Belangen, aber er braucht schon noch dieses Jahr zur Feinabstimmung." Sollte keiner kommen, ist die Frage, ob der in allen Dingen vielleicht etwas zu höfliche Lössl sich durch die Infragestellung eher anspornen oder eher verunsichern lässt. Die Testspiele geben darüber kaum Aufschluss: In 45 Minuten gegen Den Haag hatte der Däne nicht viel zu tun, in Düsseldorf war er nicht dabei, gegen Thun war er bei wenigen schwierigen Bällen sicher. Huth kassierte gegen Feyenoord Rotterdam und Bayern München jeweils zwei Tore, sah gegen den niederländischen Tabellenführer mindestens beim zweiten Treffer gar nicht gut aus, erholte sich davon aber, hatte gegen die Bayern zweimal keine Chance und verhinderte in der Schlussphase zweimal mit schnellen Reaktionen ein weiteres Gegentor. Der Kurzauftritt als Rechtsaußen gegen Thun war wirklich nicht das Thema des Spiels, Huth wird nicht umgeschult, sondern musste aushelfen, weil der Kader wegen des kurzfristigen Ausfalls von Pablo de Blasis nicht genug gesunde Profis für 180 Minuten binnen zweier Tage hergab und die Profis der U23, die am Sonntag selbst ein Testspiel hatte und den 1. FC Saarbrücken 4:1 schlug, nicht noch mehr Spieler abnehmen wollten.

Gerrit Holtmann (links) dürfte ein halbes Jahr nach seinem Wechsel nach Mainz dem Spieltagskader ein großes Stück nähergekommen sein. Foto: imagoRechtsaußen war schon im Trainingslager eine problematische Position; die Defensivallrounder Daniel Brosinski und Charmaine Häusl mussten dort jeweils eine Halbzeit spielen. Das ist trotz Clemens' Abgang jedoch eher keine große Lücke im Kader; an beiden Vorbereitungswochenenden waren mit Öztunali, mit Holtmann, der in den Testspielen andeutete, dem möglicherweise ein großes Stück näher gekommen zu sein, und de Blasis (im Trainingslager), nun in Düsseldorf zusätzlich mit Jairo, genug Flügelspieler für ein 90-Minuten-Spiel da; das zusätzliche zweite Spiel, das Schmidt zur Improvisation zwang, gibt es am Bundesliga-Spieltag ja nicht.

In der Innenverteidigung schien Alexander Hack - vor der Winterpause noch wochenlang Stammspieler - zwischenzeitlich in Ungnade gefallen, aber schon wieder rehabilitiert zu sein; da wurde womöglich zu viel hineininterpretiert. Bei Niko Bungert stellt sich nach einem schwierigen Jahr 2016 immer etwas die Frage nach der Fitness, bei Stefan Bell in dieser Vorbereitung etwas die Frage nach der Form; der Kapitän war zuletzt wieder stabil und sein Vize wird das sicherlich wieder werden. Auch Leon Balogun ist noch da, Ramalho spielte im Trainingslager mal hinten mit - man kann durchaus schlechter aufgestellt sein. Außen gibt es mit dem Hitzkopf Giulio Donati immer mal die Gefahr einer Sperre, links war Gaetan Bussmann kein hundertprozentiger Stammspieler mehr, für beide Positionen steht Brosinski bereit, der offenbar Mallis Nachfolger als Elfmeterschütze ist - sofern er aufgestellt wird. Notfalls gibt es auch noch Balogun und Gbamin - größter Luxus ist das nicht, aber es sollte genügen.

Die Sechser sind schon wieder schwer dezimiert. Suat Serdar fehlt, Ramalho und Danny Latza fehlten zuletzt wegen Kleinigkeiten, das wird sich bis zum Bundesligastart entspannen. Und mit Gbamin, Fabian Frei, José Rodríguez gibt es genug weitere. Daher bleibt die große Baustelle: Was passiert vorne? Hier und jetzt wird diese Frage noch nicht beantwortet. Die Fortsetzung folgt.

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