Reaktion oder Hangover

Jörg Schneider. Mainz.
Das Thema Meenzer Fassenacht ist für die Profis des FSV Mainz 05 tabu. Zumindest bis nach dem Auswärtsspiel am Samstag beim TSV Bayer 04 Leverkusen. Dort muss der Bundesligist eine Reaktion auf den schwachen Auftritt bei der Heimniederlage gegen Werder Bremen zeigen und dafür sorgen, dass am Bruchweg nicht schon vor den höchsten Feiertagen der Stadt Katerstimmung einzieht. „Wenn der Druck steigt und wir in der Bringschuld sind, hat die Mannschaft meist geliefert. Darauf vertraue ich auch jetzt. Die Mannschaft weiß, was zählt, auf was es ankommt“, sagt der Trainer.

Die karnevalistische Note an Weiberfastnacht brachte ein amerikanischer Journalist in die Pressekonferenz des FSV Mainz 05 vor dem Auswärtsspiel bei Bayer 04 Leverkusen (Samstag 15.30 Uhr). Der Kollege, stilsicher gehüllt in einen roten Frack mit 05-Emblemen und eine Narrenkappe auf dem Kopf ,wollte für das internationale Publikum der „Deutschen Welle“ bei den 05ern ergründen, wie das denn so sei mit der Fassenacht, legte dabei selbst einen bühnenreifen Auftritt hin und erntete dafür etliche Lacher. Besonders für die Frage nach den Alkohol-Exzessen, von denen er gehört habe, dass es an den närrischen Tagen dazu kommen könne und wie denn der Trainer seinen Spielern dabei helfe, den drohenden Hangover wegzustecken. Pressesprecher Tobias Sparwasser sprang für seinen Coach in die Bresche und merkte humorvoll an, das mit dem Alkohol solle der amerikanische Kollege doch lieber mit den anwesenden Journalisten besprechen, die hätten damit einen größeren Erfahrungs-Hintergrund. Martin Schmidt, der ohnehin nicht im Verdacht steht, ein großer Fassenachter zu sein, fühlte sich eher unbehaglich in der Thematik. Was nicht verwundert, denn eine weitere Niederlage in Leverkusen würde unweigerlich dazu führen, dass die 05er auch ohne hochprozentige Getränke reichlich verkatert die höchsten Feiertage der Stadt bewältigen müssten.

Das Thema Fastnacht ist für Martin Schmidt und dessen Profis bis nach dem Auswärtsspiel in Leverkusen tabu. Foto: Jörg SchneiderUm das Thema Alkohol müsse er sich als Trainer nicht kümmern, sagte Schmidt nüchtern. Seine Spieler seien top seriös und hätten damit nichts zu tun. Der Verein hatte angekündigt, dass rund acht Spieler des Bundesligateams auf dem eigenen 05-Wagen am Rosenmontagszug teilnehmen werden. Doch auch für den Scherz, dass die Leistung in Leverkusen ja als ein Kriterium für einen Startplatz für die Fahrt durch die Innenstadt herhalten könne, hatte der Schweizer im Vorfeld der anstehenden Partie keinen Kopf. „Rosenmontag ist noch weit weg. Der ist noch nicht drin in unseren Köpfen“, sagte der 49-Jährige.

Schmidt ist die Anspannung vor dieser Begegnung in Leverkusen anzumerken. Die Heimniederlage vergangene Woche gegen Werder Bremen hat die Situation für das 05-Team wieder verkompliziert. Die Gefahr, dass sich der Abstand zur Gefahrenzone weiter ausdünnt, ist groß. Zumal die Auswärtsschwäche nicht wegzudiskutieren ist. Seit dem 2:1-Auswärtssieg im September vergangenen Jahres in Bremen haben die 05er kein Spiel mehr gewonnen in fremden Stadien. Seit Bremen hat das Team in sieben Auswärtsduellen lediglich ein 0:0 in Wolfsburg als Erfolg verbuchen können. Zuletzt gab es ein klares 0:4 in Hoffenheim, davor ein deutliches 0:3 im Derby in Frankfurt. „Wir wissen, dass wir in dieser Saison auswärts nicht gut sind, ganz klar. Das muss ein Motivationsansatz sein, um zu sagen, das wollen wir drehen“, sagte Schmidt. „Wir wollen über Einstellung und Mentalität die Auswärtsspiele angehen, weil wir die Punkte brauchen. Es gibt dazu Herangehensweisen im taktischen Bereich, die wir anpassen und ändern müssen. Ich bin positiv gestimmt, dass wir da Ansätze finden werden.“

Der 05-Trainer redet nicht explizit von Abstiegskampf, sondern spricht vom Klassenverbleib. „Wo beginnt der Abstiegskampf und wo beginnt der Glaube, dass man da nicht mit reingezogen wird?“, philosophierte er. „Das ist etwas schwammig. Diejenigen, die im Moment 30 Punkte und mehr haben, die können langsam sagen, sie sind durch. Diejenigen, die diese Punkte nicht haben, müssen um jeden Punkt kämpfen. In diesem Bereich stecken wir. Unsere ganze Saison steht unter der Überschrift Klassenverblieb. Dieses Thema ist für einen Klub wie wir einer sind, nie weg. Nur im vergangenen Jahr, als wir gegen Bayern gewonnen und 39 Punkte hatten, war es weg. In diesem Jahr sind wir in dem Thema drin: Klassenerhalt, Kontinuität, Mittelfeld zwischen acht und zwölf. Da stehen wir, da wollen wir bleiben.“ Ob das gelingt, werden die nächsten fünf Spiele zeigen: Leverkusen, Wolfsburg, Darmstadt, Schalke, Ingolstadt. Allesamt Klubs, die in dieser Runde ihre Probleme haben. „Unsere nächsten Spiele dürfen nicht nur wichtig sein, sie müssen hochwichtig sein“, betont der Coach. „Was wir brauchen ist unser Herz, unseren Glauben an unsere Mentalität, an unsere Qualität. Ich bin überzeugt, dass das im Team angekommen ist und wir so fighten werden, die Spiele so bestreiten werden, damit das Thema Klassenverbleib erreicht wird.“

Dass die Aufgabe am Samstag in Leverkusen schwer und normalerweise um einiges schwieriger sein wird als die bei der vertanen Chance zu Hause gegen Werder, ist allen Beteiligten klar. Das Team habe sich mit der vergangenen Partie auseinandergesetzt, sich schon in dieser Woche im Training sehr kämpferisch gegeben und den Willen zur Rehabilitation gezeigt. Nun sollen die Profis ihr zweites, ihr wahres Gesicht zeigen und mit Macht um ein Erfolgserlebnis kämpfen. Ein Punktgewinn beim Tabellenachten wäre schon ein solches. „Was mich optimistisch stimmt, ist, dass bei uns nach nicht so guten Auftritten immer eine Reaktion kam. Wenn der Druck steigt und wir in der Bringschuld sind, hat die Mannschaft meist geliefert. Darauf vertraue ich auch jetzt. Die Mannschaft weiß, was zählt, auf was ankommt“, sagte der Trainer.

 

► Alle Artikel zum Spiel bei Bayer Leverkusen

► Zur Startseite