Qualitätssteigerung aus der Spardose?

Jörg Schneider. Mainz.
Mit dem Wechsel von Petar Sliskovic zum FC Aarau in die Schweiz sind die Kaderumstellungen für diesen Winter abgeschlossen. Es hat sich einiges getan beim FSV Mainz 05 in dieser Transferperiode, die Anfang der Woche zu Ende ging. Und der Manager kann ein positives Fazit ziehen. Der Verein habe kein neues Geld investieren müssen, sagt Christian Heidel. Man habe bei den Aktivitäten sogar ein leichtes Plus gemacht. „Jetzt muss sich zeigen, ob es uns gelungen ist, die Qualität im Kader zu verbessern.“

Ablösefrei aus Kopenhagen gekommen und auf Anhieb zweimal in die Startelf: 05-Linksverteidiger Pierre Bengtsson (rechts). Foto: ImagoDen Bundesligakader qualitativ zu verbessern, ohne dabei mehr Geld auszugeben. Das war die Aufgabe für Christian Heidel in dieser gerade zu Ende gegangenen Transferperiode. Vier Profis hat der FSV Mainz 05 abgegeben. Drei neue sind dazu gekommen. „Von der Anzahl der Wechsel her kann man sagen, dass wir nicht faul waren“, sagt der 05-Manager. Finanziell sei das Vorhaben aufgegangen, der Klub sei sogar leicht im Positiven. Rechnet man die etwas überraschend hinzu gekommene, fette Ausbildungsentschädigung von einer guten Dreiviertelmillion Euro oben drauf, die der Verein mit dem Wechsel von Ex-05er André Schürrle vom FC Chelsea zum VfL Wolfsburg erhält, kann Heidel ein durchaus zufriedenes Fazit ziehen.

Philipp Wollscheid und Filip Djuricic haben nach einem sportlich bescheidenen halben Jahr am Bruchweg den Verein wieder verlassen. Beide in Richtung Premiere League. In beiden Fällen sparen die 05er eine stattliche Leihgebühr, die sich halbiert. Ein Gesamtbetrag, der die Ausgaben für die eigenen Neuverpflichtungen laut Heidel mehr als ausgleicht. Zudem der Manager einen Gehaltsplatz eingespart hat.

Pierre Bengtsson kam ablösefrei aus Kopenhagen. Nicolás Castillo ist mit Kaufoption bis zum Sommer vom FC Brügge ausgeliehen und Christian Clemens ist vom FC Schalke 04 bis Sommer 2016 ausgeliehen - plus Kaufoption. Julian Koch sucht beim FC St. Pauli mehr Spielpraxis, als der Profi in Mainz erhielt. Im Falle von Petar Sliskovic schließlich ist das Transferkonstrukt, das der 05-Manager mit den Schweizern aushandelte, nicht so ganz eindeutig.

Ob der Stürmer bis 2016 ausgeliehen an den FC Aarau ist oder ob die 05er eine Rückkaufoption haben, hat sich bisher aus den Verlautbarungen beider Parteien nicht erschlossen. Heidel bleibt da vage. „Dieser Wechsel stand unter der Überschrift, dass wir dem Spieler helfen wollten. Er ist so lange bei uns und trat nun mit dem Wechselwunsch an uns heran. Wir wollten nicht, dass die Sache an der Ablöse scheitert“, sagt Heidel. „Ich sage es mal so: Es gibt Menschen außerhalb von Aarau, die sich freuen würden, wenn er dort riesig Fußball spielt. Dann sind wir wieder dabei.“

Die Bilanzen der Verliehenen

Sechs Profis hat der FSV Mainz 05 derzeit an andere Vereine verliehen. Zwei von ihnen, Julian Koch und Filip Djuricic, haben gerade erst den Verein verlassen und konnten bei ihren neuen Klubs noch überhaupt nicht spielen. Die Bilanzen der übrigen vier:

Chinedu Ede ist kein Stammspieler beim zyprischen Tabellenfünften Anorthosis Famagusta. Der Offensivmann war bei elf von möglichen 18 Spielen dabei, schoss dabei ein Tor und bereitete eines vor.

Sebastian Polter ist der wichtigste Angreifer bei Union Berlin. Nach seinem Wechsel zum fünften Spieltag war der Stürmer immer in der Startelf, mit sieben Toren ist er der mit Abstand beste Schütze des Zweitliga-Zehnten und neuntbester Torjäger der Liga.

Dani Schahin sitzt beim SC Freiburg meist auf der Bank. Sechs seiner sieben Saisonspiele waren Einwechslungen, ein Tor hat der Stürmer noch nicht geschossen.

Niki Zimling steht fast immer im Kader bei Ajax Amsterdam. In der Eredivisie wurde er in 16 Spielen achtmal eingesetzt, an den sechs Champions-League-Spieltagen dreimal.

Nun müsse sich in den nächsten Bundesliga-Begegnungen zeigen, ob es in Mainz gelungen sei, dem Kader mehr Qualität zuzufügen. „Wir haben vier Spieler abgegeben, die hier nur wenig Spielpraxis hatten. Wir hoffen, dass die Profis, die wir geholt haben, jetzt mehr Spielpraxis bei uns haben. Dann müssten wir auch eine höhere Qualität erreicht haben.“

Die Anfänge sind vielversprechend. Bengtsson hat sich auf Anhieb den Platz als linker Verteidiger gesichert. Christian Clemens hat in beiden Rückrundenspielen seine Stärken gezeigt. Und Castillo gab beim 1:1 in Hannover ein ordentliches Debüt. „Er ist 21. Wir wissen, dass er seine Zeit brauchen wird“, sagt Heidel. Diese Zeit soll der Chilene bekommen.

Das alles bedeutet, dass es im aktuellen 05-Kader nur noch einen Leihspieler gibt, für den Heidel keine Kaufoption besitzt: Jonas Hofmann. Der wird aller Voraussicht nach zur neuen Saison nach Dortmund zurückgehen. „Einen solchen Spieler von Dortmund kaufen, das könne  wir nicht“, sagt der 05-Manager. Sami Allagui muss in dieser Rückrunde mit entsprechender Leistung den Klub dazu animieren, die mit Hertha BSC ausgehandelte Kaufoption tatsächlich wahrzunehmen.

Daneben gibt es noch eine Reihe von Profis, die Mainz 05 vor oder während dieser Saison an andere Klubs ausgeliehen hat: Neben Koch und Djuricic sind das Chinedu Ede zu Anorthosis Famagusta nach Zypern, Sebastian Polter zu Union Berlin, Dani Schahin zum SC Freiburg sowie Niki Zimling zu Ajax Amsterdam. Im Falle von Zimling und Schahin haben die aktuellen Vereine Kaufoptionen. „Die Spieler werden natürlich alle prüfen und sich überlegen, welche Chancen sie in der neuen Saison in Mainz haben. Vieles wird aber auch davon abhängen, wie sie in ihren jetzigen Vereinen dann am Ende klargekommen sind“, sagt der 05-Manager. „Doch das sind im Moment keine Themen für uns. Die stellen sich erst nach dieser Saison.“

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