Quaison: „Ich weiß, was ich zu tun habe“

Jörg Schneider. Mainz.
Die Wahrscheinlichkeit, dass Robin Quaison heute bereits in der Startelf des FSV Mainz 05 steht im Bundesliga-Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim (15.30 Uhr), ist nicht sonderlich groß. Der Neuzugang aus Palermo, über dessen künftige Position im 05-Team noch eine gewisse Unklarheit herrscht, sagt selbst, dass er zum Lernen nach Mainz gekommen ist, sich aber dennoch so schnell wie möglich zeigen will. „Ich fühle mich körperlich sehr gut, habe etliche Spiele in Italien absolviert. Wenn ich die Chance kriege, bin ich bereit“, erklärt der 23-Jährige.

Robin Quaison hat in Palermo italienisch gelernt. Mit Giulio Donati gab's in der ersten Trainingseinheit schon mal einen Plausch beim Joggen. Foto: Mainz 05 Seine Flexibilität im Angriff hat die Verantwortlichen am Bruchweg letztlich dazu bewogen, den 23-Jährigen in dieser Transferperiode zu verpflichten. Rund zwei Millionen Euro hat Rouven Schröder locker machen müssen, plus die eine oder andere Bonus-Zahlung, die im Erfolgsfall hinzu kommt, um Robin Quaison vom schon recht abgeschlagenen Vorletzten der italienischen Serie A zum FSV Mainz 05 zu holen. 17 Spiele bestritt der Angreifer in der Vorrunde für UD Palermo, erzielte vier Tore, drei davon im Dezember 2016 und Januar 2017. Die erste Interpretation, dass sich Quaison bei den 05ern als Zehner einspielen und nach dem Ende der Saison die Rolle von Bojan Krkic übernehmen solle, hat der 05-Trainer klar verneint. Martin Schmidt sieht den Schweden in erster Linie als Flügelstürmer oder als falschen Neuner in einer Doppelspitze, beschreibt Quaison vom Typ her als einen robusten, extrem schnellen Spieler wie den derzeit verletzten Karim Onisiwo.

Sowohl Krkic als auch Quaison sind in dieser Woche neu zum Bundesligisten gekommen. Belegbare Fakten, die Aufschluss geben würden über die Rollen, die beide spielen sollen im 05-Team, über die Stärken des Offensiv-Duos und dessen Optimal-Position gibt es noch nicht. Der 05-Coach hat ein paar Tage lang Trainingseindrücke sammeln können und muss nun entscheiden, ob er den Neuzugängen heute im Auswärtsspiel bei der TSG Hoffenheim (15.30 Uhr) einen ersten Einsatz zutraut. „Ich fühle mich körperlich sehr gut, habe etliche Spiele in Italien absolviert. Wenn ich die Chance kriege, bin ich bereit“, sagt Robin Quaison in seinem ersten Pressegespräch.

Der U21-Europameister mit der schwedischen Junioren-Nationalmannschaft von 2015 kann selbst nicht viel zur Aufklärung darüber beisteuern, wo sein künftiges Einsatzfeld im 05-Team liegt. „Meine Lieblingsposition ist es direkt hinter der Spitze zu spielen. Aber ich spiele auch auf dem Flügel oder selbst als Spitze. Ich kann alle Positionen vorne spielen“, sagt er. Näher darauf eingehen will er nicht, auch nicht auf seine Stärken, die der 23-Jährige ins Team einbringen kann. Das müsse die Zeit zeigen. „Ich möchte nicht so viel darüber sprechen. Ich bin ein Offensivspieler. Das ist alles.“

Vielleicht gibt die Hoffenheim-Partie bereits mehr Aufschluss. Doch auch auf den Fall, dass dem 05-Trainer ein Einsatz der zusätzlichen Angriffs-Option noch zu früh erscheint, ist Quaison vorbereitet, wie er sagt. „Ich bin gekommen, um viel zu lernen. Ich hoffe, dass ich sehr schnell lerne. Wir werden sehen, wie lange es dauert, bis ich verstanden habe, wie das Team spielt und alles Drumherum. Ich gebe mir die Zeit, will nicht zu viel Druck in meinem Kopf aufbauen, aber ich weiß, was ich zu tun habe.“ Seine ersten Eindrücke von der neuen Umgebung seien sehr positiv. „Mir gefällt die Organisation rund um den Klub, die Trainingsbedingungen. Ich habe mit dem Trainer gesprochen, mit den Mannschaftskollegen. Das war alles gut. Es hat sich alles gut angefühlt. Ich bin jetzt zwei Tage hier. Aber ich habe schon das Gefühl, dass hier alles viel schneller passiert auf dem Platz. Der Druck ist größer schon im Training.“

Die Konkurrenz gegen die sich der 05-Sportdirektor beim Transfer des Schweden hatte durchsetzen müssen, sei groß gewesen, hat Rouven Schröder diese Woche erklärt. Dem Vernehmen nach war auch der heutige Gegner an einer Verpflichtung Quaisons interessiert. Genauso wie etliche italienische Klubs, angeführt von Juventus Turin. Die Entscheidung des Spielers gegen den italienischen Dauermeister wird mit dessen Transferpolitik zusammenhängen: Nicht weniger als 77 Spieler sind seit dem 1. Juli 2016 dorthin gewechselt, 66 davon waren zurückkehrende Leihspieler, die größtenteils direkt wieder leihweise zum nächsten Klub weitergegeben wurden. Als mehr-oder-weniger-Stammspieler des italienischen Tabellenvorletzten wird genau dieses Modell, sich vorsorglich die Rechte am Spieler zu sichern, auch für Quaison vorgesehen gewesen sein.  „Ich habe gefühlt, dass Mainz eine gute Chance für mich ist, um mich als Fußballer und Person zu entwickeln. Ich habe vorher mit allen gesprochen, mit Beratern, mit dem Klub, was sie von mir erwarten und mit mir selbst. Im Moment bin ich richtig glücklich mit meiner Wahl“,  sagt der Spieler. Und auch die neue Liga habe eine wichtige Rolle in der Entscheidungsfindung gespielt. „Ich habe die Bundesliga immer gemocht. Ich mag den Spielstil, ich liebe die vollen Stadien, die Leidenschaft, mit der hier Fußball gespielt wird. Ich mag Fußball und ich denke, das passt gut zu mir.“  Der Mainzer Sportdirektor habe ihm viel über die Philosophie des Klubs erzählt. Er habe gespürt, so Quaison, dass der Verein ihn unbedingt haben wollte. „Das hat sich gut angefühlt. ich glaube, das ist der richtige Schritt für mich.“

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