Premierenfieber oder die Suche nach der Bestform

Jörg Schneider. Mainz.
Der Saisonauftakt in der Coface Arena ist für Kasper Hjulmand das erste Bundesligaspiel vor heimischem Publikum. Der 42-jährige Cheftrainer des FSV Mainz 05 freut sich schon sehr auf diese Premiere vor den 05-Fans in einem vollen Stadion. Doch den Dänen beschäftigen in diesen Tagen eher die taktischen und personellen Anforderungen, die das Match mit Hannover 96 an den Trainer und dessen Profis stellt. Da gibt es noch einige Form-Defizite.

Das Unentschieden zum Saisonstart in der Bundesliga beim Aufsteiger SC Paderborn hat dem Trainer genügend Arbeit hinterlassen, genügend Themen, die in dieser Woche beackert werden müssen. Großartig Gedanken an seine Bundesliga-Premiere in der Coface Arena, am Sonntag gegen Hannover 96, kann sich Kasper Hjulmand da nicht machen. „Klar, das erste Heimspiel ist etwas Besonderes. Mein ganzer Fokus ist aber natürlich auf das Spiel selbst gerichtet. Wir haben eine Aufgabe. Uns fehlen zwei Spieler aus der Startelf. Ich muss mich mit der Mannschaft und der Taktik beschäftigen.“ Hjulmand hat einiges vor. Die Unruhe der vergangenen Wochen habe sich zumindest intern dank dieses 2:2 in Paderborn etwas gelegt. Dass eine Drucksituation trotzdem gegeben ist, will der Coach gar nicht abstreiten. Hjulmand jedoch in die Offensive. „Den Druck bekommt am Sonntag Hannover.“

Moral und Kampfgeist als Mitbringsel

Die Moral, die Einstellung, der Kampfgeist der Mannschaft, die in Paderborn kurz vor Schluss erneut einen herben Nackenschlag einstecken musste, sich dann aber noch einmal aufschwang und den Punkt rettete. Das sind Dinge, die Hjulmand und dessen Profis mitgenommen haben. Dinge, die helfen sollen, mehr Stabilität zu kriegen. „In Paderborn waren die ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit sehr schlecht von uns. Die letzten 20 Minute aber waren unsere besten. Da hatte ich ein sehr gutes Gefühl“, sagt Hjulmand. „Wir hatten acht Abschlüsse, die einen. Und in dieser besten Periode von uns kriegen wir das 1:2. Ich dachte zuerst, das ist doch nicht wahr. Nicht noch einmal. Das kann nicht passieren.“
NGonzalo Jara ringt um seine Bestform. Der Chilene steckt etwas im Leistungs- und Konzentrationsloch. Foto: Jörg Schneideriko Bungert sei der Signalgeber gewesen, der sein Team aufgerichtet, nach vorne getrieben habe, um alles zu versuchen. „Danach haben wir aber alles richtig gemacht. Das ist hervorragende Arbeit und Moral der Mannschaft. Wenn etwas passiert, muss man aufstehen und kämpfen.“ Nun aber fehlen dem Trainer gegen Hannover 96 Nikolce Noveski und Joo-Ho Park. Zwei Stammspieler und Leistungsträger. Bungert und Stefan Bell können die Lücke innen schließen, aber die Außenverteidiger haben noch Schwierigkeiten. Junior Diaz kämpft um Fitness, Form und alte Stärke. Gonzalo Jara ist nach seinem anfänglichen Top-Start in Mainz in ein Leistungs- und Konzentrationsloch gefallen.

Viel erlebt im letzten Monat

„Ich denke, das ist ganz natürlich“, sagt Hjulmand. „Ich habe mit anderen Trainern von WM-Spielern gesprochen. Die bemerken Ähnliches. Ein Spieler wie Gonzalo, was er erlebt hat im letzten Monat. Es ist normal, dass ihm ein wenig Konzentration und Mentalität abgeht mit zwei verschossenen  Elfmetern in zwei enorm wichtigen Spielen.“ Der Chilene hat im WM-Achtelfinalspiel seiner Nationalelf den letzten und entscheidenden Elfmeter gegen Brasilien verschossen. Und beim Pokal-Aus der 05er in Chemnitz war Jara ebenfalls gescheitert mit einem Strafstoß. Das muss erst abgeschüttelt werden. „Seine Familie ist noch nicht hier. Und er ist in einem neuen Land. Es gibt viele Sachen in seinem Leben, die im Moment neu und schwierig sind“, erklärt der 05-Trainer verständnisvoll. „Gonzalo kommt sehr, sehr stark zurück. Davon bin ich überzeugt. Wir sehen auch die Unruhe bei anderen Spielern, die noch nicht ganz da sind. Er ist im Moment etwas im Loch. Gonzalo muss ein bisschen mehr Ruhe finden, aber er ist eine starke Persönlichkeit und hat große Qualität“
Das gilt auch für Filip Djuricic, der in Paderborn seine Bundesliga-Premiere hatte. „Man sieht deutlich, dass er etwas kreieren kann. Er war derjenige in der ersten Halbzeit auf dem Platz, der am meisten  gelaufen ist. Filip ist klar im Kopf, hat ein gutes Auge für den letzten Pass. Er müsste noch öfter auf die Außenbahn spielen.“ Der Serbe fiel damit auf, dass er ständig den Ball forderte und die Kugel bisweilen weit hinten abholte. Der Weg für den Zehner in den Angriff war oft zu weit und zu beschwerlich, weil Djuricic meist von mehreren Paderbornern im Zentrum gestellt wurde, der 05er dadurch ins Dribbling gehen musste. „Er kriegt den Ball zwischen den Linien, kommt aber zu weit zurück. Er braucht mehr Training und Spiele. Und wir brauchen ihn stärker zwischen  den Linien weiter vorne. Der Abstand zu Shinji Okazaki muss geringer sein, um ganz schnell miteinander  kombinieren zu können. Dann passiert etwas.“

Konkurrenzkamf im Tor

Hjulmand betonte diese Woche, dass die Entscheidung für Loris Karius als Nummer eins keine Entscheidung für die ganze Saison sei. Auf der Torhüterposition herrsche ein reger Konkurrenzkampf, wie auf allen anderen Positionen auch. „Man wechselt sicher nicht jedes Spiel den Torhüter.  Wir sehen aber auch, dass Stefanos Kapino besser und besser wird, viel Druck macht. Ich muss auch sagen, dass unser junger Robin Zentner einen sehr positiven Eindruck hinterlässt. Ich finde ihn sehr gut, er übt ebenfalls großen Druck aus.“

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