Polter: Nicht für drei Euro nach Berlin

Jörg Schneider. Mainz.
Sebastian Polter, vom FSV Mainz 05 zum Zweitligisten Union Berlin ausgeliehener Stürmer, hat in einem Interview im „Kicker“ Kritik geübt am Bundesligisten, bei dem der Angreifer noch bis 2017 unter Vertrag steht. Der 24-Jährige beklagt, dass er aus Mainz keine klare Ansage bekomme, nicht wisse, wo er nächste Saison spiele und wenig Lust habe, an den Bruchweg zurückzukehren. Die Faktenlage sei klar, sagt Christian Heidel. Es sei alles geregelt und es gebe nichts zu erklären. Der Spieler habe nach dem Ende seiner Ausleihe in Mainz anzutreten.

Ob er will oder nicht, Sebastian Polter muss nach dem Jahr bei Union Berlin erst mal wieder am Bruchweg vorspielen. Foto: Jörg Schneider Die ganz große Lust, im Sommer wieder am Bruchweg auf der Matte zu stehen, scheint Sebastian Polter nicht zu haben. Das lassen die Aussagen vermuten, die der Stürmer, den der FSV Mainz 05 für ein Jahr an den Zweitligisten Union Berlin ausgeliehen hat, in einem Interview mit dem „Kicker“ zum Besten gab. „Ich esse nicht gerne aufgewärmte Sachen. Und für mich wäre das sozusagen ein aufgewärmtes Essen. Als ich 2013 kam, war ich nach Aussagen von Trainer und Manager Wunschstürmer Nummer eins. Am Anfang habe ich die gewünschten Tore nicht geschossen, aber ich habe bald auch das Vertrauen verloren. In den Verein und in meine Spielweise. Da ist es schwer, das in der kommenden Saison wieder aufzubauen. Warum soll ich zurückgehen, wenn ich das Vertrauen nicht spüre? Da tue ich mich ein bisschen schwer mit“, antworte der 24-Jährige auf die Frage, ob er nicht nach Mainz zurückwolle.

Er sei kein Spieler, der jemals irgendwo Stunk gemacht habe  und der Verträge nicht einhalten möchte. Aber er wolle vom Verein volle Rückendeckung haben. „Und da gehört Kommunikation dazu. Und die habe ich derzeit nicht. Wenn man einen Spieler unbedingt haben möchte, dann trete ich viel früher an ihn heran. Zumal ich noch Vertrag habe und Mainz ja schon länger Planungssicherheit hat“, so Polter im „Kicker“.

Polter der 2013 vom VfL Wolfsburg kam und es auf insgesamt zwölf Bundesligaeinsätze bei den 05ern brachte, sieht seine Zukunft offenbar in Berlin. „Ich kann mir durchaus vorstellen, in Berlin zu bleiben. Zu Union zu gehen, war das Beste, was ich machen konnte. Hier bekomme ich die Wertschätzung, die ich mir immer erhofft habe.“ Er sei auch in den Verhandlungen mit dem Zweitligisten schon sehr weit, aber alles hänge davon ab, dass sich Union und die 05er einigten. Doch aus Mainz höre er nichts. „Mainz sagt nicht an, was Sache ist. Jetzt stehen wir ein paar Tage vor Saisonende, ich gehe demnächst in den Urlaub und weiß nicht, bei welchem Verein ich nächste Saison spiele“, betont der Stürmer. Er habe Kontakt gesucht, habe aber kein Feedback erhalten. „Ich würde gerne wissen, ob Mainz mit mir plant, oder ob ich dort nicht mehr gebraucht werde.“

Christian Heidel: Da ist alles geregelt

Christian Heidel gesteht ein, dass er in der vergangenen Woche eine SMS von Polter bekommen habe mit dem Wunsch über die Zukunft zu reden. „Ich muss gestehen, dass ich viel Hektik hatte und bisher verschwitzt habe zu antworten“, sagt der 05-Manager. „Ich muss aber dazu sagen, dass ich immer im Gespräch war mit Polters Berater. Der weiß alles. Wir haben Polter für ein Jahr ausgeliehen an Union, und es ist vereinbart, dass er danach in Mainz antritt. Da ist alles geregelt“.

Wenn der Spieler nun andere Ideen und Wünsche habe, dann müsse er oder sein Berater kommen und sich erklären. Die Faktenlage sei klar, es gebe derzeit keinen Grund Gespräche zu führen. „Auf allen unseren Zetteln steht Polter drauf. Wir sind nicht in der Situation, dass wir einem Spieler, der bei uns Vertrag hat, etwas erklären müssen“, sagt Heidel. Wenn Polter sage, er wissen nicht wo er in der neuen Saison spiele, dann sei das falsch. Denn laut Vertrag habe er nur die Möglichkeit in Mainz zu spielen. „Er weiß ja auch, woher er dann sein Gehalt kriegt“, sagt der Manager.

Wenn Polter andere Vorstellungen habe, müsse er mit ihm reden, sagt Heidel noch einmal. „Aber es ist ja auch so, dass er einiges gekostet hat, als wir ihn  geholt haben. Ich lasse ihn  sicher nicht für drei Euro zu Union Berlin wechseln.“ Eine Dreiviertel-Million hat Heidel bezahlt für Polter, dessen Vertrag bis 2017 läuft und der sich sowohl unter Trainer Thomas Tuchel als auch unter Kasper Hjulmand im 05-Kader nicht durchsetzen hatte können. Beim Zweitligisten erzielte der 24-Jährige in dieser Saison 13 Treffer und bereitete sechs Tore vor. Klar, dass sich 05-Coach Martin Schmidt den Stürmer in der Vorbereitung auf die neue Spielzeit noch einmal genau anschauen möchte.

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