Onisiwo und der Geist von Blatten

Jörg Schneider. Marbella.
Der FSV Mainz 05 hat am Mittwochabend seine erste Trainingseinheit im Marbella Football Center bestritten und hat die Umstellung von den eisigen Höhen-Unternehmungen in den Schweizer Bergen auf frühlingshaftes Klima am Mittelmeer gut verkraftet. Martin Schmidt, der ausführlich über die Tage im Wallis berichtete, war mit dem Auftakt zufrieden. Christian Heidel hat unterdessen noch einmal die Rechtslage im Blitztransfer von Neuzugang Karim Onisiwo erklärt, der in Marbella erstmals mit seiner neuen Mannschaft trainierte.

Erste Trainingseinheit für den Neuzugang: Karim Onisiwo hat am Mittwochabend in Marbella erstmals mit den 05-Kollegen auf dem Platz gestanden. Foto: Jörg Schneider Der Einstieg ist vollzogen: Der FSV Mainz 05 ist im Trainingslager in Marbella angekommen und hat am Mittwochabend bereits eine erste Einheit auf dem Rasen des Marbella Football Centers hingelegt. Eine sehr gute, wie Martin Schmidt nachher befand. „Die erste Einheit war eigentlich dafür gedacht, richtig reinzukommen in die veränderte Umgebung“, sagte der 05-Trainer, „aber es war sofort richtig viel Feuer drin. Fürs Aufwärmen war das schon mal sehr gut.“ Mit der Ankunft von Neuzugang Karim Onisiwo hat der Coach einen 27-köpfigen Kader zur Verfügung, um in den nächsten Tagen an der Costa del Sol gezielt am Schliff für die Rückrunde zu arbeiten. „Unser Thema hier heißt: Wer will in zweieinhalb Wochen im Bus sitzen, der nach Ingolstadt fährt“, betonte der Schweizer.

Doch das Hauptthema des Ankunftstages waren die Impulstage in der Heimat von Schmidt und die außergewöhnliche und aufsehenerregende Teambuilding-Maßnahme, denen sich die Profis in hochalpiner Umgebung stellen mussten. „In Sachen Taktik und Technik arbeiten wir das ganze Jahr über intensiv. Die Aufgabe war, einen Ansatz im Bereich der Mentalität zu finden“, erzählte der 48-Jährige am Abend im Team-Hotel. „Der Gedanke, der hinter dieser Tour gesteckt hat, war der, mal die Grenzen zu verschieben, eine absolute Grenzerfahrung zu machen und große Wiederstände zu überwinden.“

Seit Oktober, sagt Schmidt, habe er sich darüber Gedanken gemacht, ein Winter-Abenteuer ohne Risiko auf die Beine zu stellen. Hilfreich dabei, dass der 05-Coach in seiner Heimat Wallis, in Blatten und auf der Belalp, genügend Leute kennt, die eine solche extreme Geschichte organisieren können. Der Kader ist dann mit dem Zug und anschließend mit dem normalen Postbus nach Blatten  gefahren, ist dann eingekleidet worden mit winterfester Kleidung. Im Gepäck gab’s nur Zahnpasta und eine Ankündigung mit auf den Weg, dass die Dusche für zwei Tage nicht laufen wird.

1000 Höhenmeter waren mit Schneeschuhen zu überwinden. Eine ungewohnte Disziplin für die Fußballer. Als diese Strapaze geschaffte war, eröffnete der Leiter der Bergrettung, der die Profis mit seinem Team begleitete, wie die Übernachtung aussehen werde. „Da unten sind die Zelte hat er uns gesagt, „da haben schon einige ganz merkwürdig geguckt.“ Übernachtung auf dem Schönbiehl auf 2700 Metern Höhe im Zelt und im Schlafsack. Eine völlig neue Erfahrung für höchsten Komfort und Erleichterung gewöhnte Profis. „Gut war, dass wirklich niemand gemeckert hat oder so etwas. Alle haben diese Herausforderung angenommen“, sagt Schmidt.

Im Camp gab’s dann die Teamarbeit. Im Gespräch untereinander sind in der Gemeinschaft die Ziele erörtert und festgelegt worden, die sich das Team in der zweiten Hälfte der Saison steckt. Nicht nur sportliche Ziele, auch solche im Miteinander. Eines der ersten Ziele dürfte gewesen sein, die Nacht vernünftig hinter sich zu bringen. Während die Profis in ihren Schlafsäcken eingewickelt waren, fiel draußen ein halber Meter Neuschnee. „Warm war es allen in dieser Nacht, aber lange geschlafen haben die nicht“, sagt der Schweizer. Am nächsten Morgen nach einer Katzenwäsche und kargem Frühstuck ging es noch einmal 600 Höhenmeter hinauf. „Das Ganze hatte auch einen hohen Trainingswert. Das hat im Kraft-Ausdauerbereich alles abgedeckt“, so der 05-Trainer, der die ganze Angelegenheit als vollen Erfolg wertet. „Ich wollte ein Holzscheit mehr ins Feuer legen“, sagte der 48-Jährige. „Der gestärkte Teamgeist muss die Waffe der Kleinen sein in der Bundesliga. Warum behaupten wir uns vor etlichen Klubs, die größere und bessere Möglichkeiten haben? Vielleicht, weil wir auch in Sachen Mentalität an der Schraube drehen. Unser Team muss in der Rückrunde in jedem Spiel Feuer haben.“

In den Tagen von Marbella soll nun der Geist von Blatten die Mannschaft stärken und zu Höchstleistungen antreiben. Karim Onisiwo war nicht dabei im Zeltlager der Kollegen. Der Neuzugang aus Österreich hat in Marbella aber seine erste Trainingseinheit mit dem 05-Kader absolviert.

Heidel: Nichts zu rütteln am Transfer

Am Rande des Trainings hat sich unterdessen der 05-Manager zum Transfer des 23-Jährigen geäußert und auch zu der Rechtslage mit der Vertragsauflösung beim SV Mattersburg.  „Nach den dem österreichischen Gesetz ist dieses Gerichtsurteil sofort vollstreckbar“, erklärte Christian Heidel. „Das bedeutet, daran gibt’s nichts zu rütteln. Wir verpflichten definitiv einen Spieler ohne einen gültigen Arbeitsvertrag. Daran gibt es überhaupt nichts zu rütteln. Würde der SV Mattersburg in die Berufung gehen, kann uns gar nichts passieren.“ Auch der Stürmer selbst habe im Nachhinein keine Sperre oder Strafe zu befürchten. „Weil dem Spieler keiner sagen kann, er habe etwas Falsches gemacht, denn das Gericht hat ja entschieden, dass er keinen Vertrag mehr hat.“

Einen ausführlichen Bericht über die Hintergründe des Blitztransfers und was Karim Onisiwo dazu sagt, lesen Sie natürlich noch im Rahmen der Berichterstattung übers 05-Trainingslager in der nullfünfMixedZone.

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