Okazaki zu Leicester City? Mainz 05 sagt nein!

Jörg Schneider. Mainz.
Die Spekulationen über einen möglichen Wechsel von Shinji Okazaki zum englischen Premier-League-Klub Leicester City haben für Aufregung rund um den FSV Mainz 05 gesorgt. Verliert der Bundesligist seinen Torjäger? Nein. Jedenfalls nicht in diesem Winter. „Wir haben einen Wechsel abgelehnt“, sagte Christian Heidel der nullfünfMixedZone. Die 05er lassen den Japaner zum jetzigen Zeitpunkt nicht ziehen – trotz einer Offerte im zweistelligen Millionenbereich.

Kehrt nach der Asien-Meisterschaft zurück zum Bruchweg: Shinji Okazaki. Das Thema England ist im Moment nicht aktuell. Foto: Jörg Schneider Der Manager des FSV Mainz 05 hat sich klar positioniert. „Das Thema ist für uns keines mehr.“ Der Bundesligist lässt seinen vom englischen Premier-League-Klub Leicester City umworbenen Torjäger Shinji Okazaki nicht gehen. „Wir haben einen Wechsel abgelehnt“, sagt Christian Heidel. Und das trotz eines seriösen Angebotes von der Insel, das sich im zweistelligen Millionenbereich bewegt.

Der Hintergrund: Der Tabellenletzte der Premiere League, ist sowohl im vergangenen Sommer als auch jetzt zum Jahreswechsel am Bruchweg vorstellig geworden, um Shinji Okazaki auf die Insel zu locken. Der Klub offerierte dabei viel Geld. Die Summe von rund zehn Millionen Euro, die im Raum steht, ist dabei offenbar sogar noch zu niedrig angesetzt. „Trotzdem haben wir nein gesagt.“ Mainz 05 habe immer erklärt, es gebe eine Schmerzgrenze, ab wann ein Spieler verkauft werden müsse, „und ein solches Angebot abzulehnen fällt uns besonders schwer, aber man muss dann auch eine Alternativ-Lösung haben, die eine hohe Erfolgswahrscheinlichkeit verspricht. Diese Lösung, von der wir alle sagen würden, die passt, die gibt es für uns im Moment nicht.“

Der japanische Torjäger sei für die 05er derzeit nicht zu ersetzen. Auch nicht mit derart viel Geld. Denn Heidel findet keinen Stürmer, der Okazaki gleichwertig ablösen könnte. „Wir müssen uns vor Augen halten, dass wir auf Tuchfühlung nach ganz unten stehen. Ein Top-Torjäger kommt da jetzt nicht nach Mainz. Ich finde derzeit keinen Stürmer, der irgendwo in einer der starken Ligen in Europa in den Listen oben steht, der Tore schießt und der im Winter zu uns kommen würde.“

Die Alternative wäre ein oder mehrere Transfers, „die in Richtung Wundertüte gehen“, sagt der 05-Manager. Das Risiko sei einfach zu groß, am Ende einen oder mehrere teuer gekaufte Spieler im Kader zu haben, die das komplette finanzielle Gefüge extrem belasteten, die aber keine unbedingte Torgarantie mitbringen würden. Stürmer, die eine hohe Ablösesumme bewegen, haben im Allgemeinen zudem veritable Gehaltsvorstellungen. „Wir können in Mainz einfach keine Top-Torjäger einkaufen. Wir müssen sie entwickeln. Auch Okazaki kam ja nicht zu uns, weil er alles getroffen hat, sondern weil er in Stuttgart nicht getroffen hat.“

Neuzugang mit Stammplatz-Potenzial: Pierre Bengtsson. Foto: Jörg Schneider Der Vertrag des Japaners läuft noch bis Ende der Saison 2016. Heidel hält einen Wechsel des 28-Jährigen im Sommer für nicht unwahrscheinlich. „Der Wert ist ja da, auch wenn wir im Sommer diese Summen, um die es jetzt geht, nicht kriegen würden.“ Vor allen Dingen hätten der Manager Zeit, sich nach entwicklungsfähigen, vielversprechenden Stürmern umzusehen, ohne den immensen Druck, der eine solche Situation aktuell entfachen würde. „Was können wir denn jetzt tun?“, lautet seine rhetorische Frage. „Wir können doch immer nur Nicht-Stammspieler aus der Bundesliga oder Profis aus dem Ausland holen. Da sind einfach zu viele unsichere Faktoren dabei in unserer jetzigen Situation.“

Okazaki, der im Augenblick in Australien ist und mit der japanischen Nationalmannschaft Anfang nächster Woche in die Asien-Meisterschaft startet, muss bleiben, wird nach dem Asia-Cup wieder in Mainz aufschlagen und die Rückrunde beim Bundesligisten bestreiten. Was danach kommt, ist offen. „Im Moment wissen wir nicht einmal, ob das Thema bei Leicester City noch aktuell ist“, sagt Heidel. Möglicherweise ziehen die Engländer ohnehin ihr Angebot wieder zurück, denn der Klub hat inzwischen Andrej Kramaric, den 23-jährigen kroatischen Nationalspieler von HNK Riejka, verpflichtet, der im abgelaufenen Jahr 28 Treffer erzielte und für den Leicester City offenbar rund neun Millionen Euro auf den Tisch blätterte. Kramaric, der offenbar auch mit Borussia Dortmund flirtete, hat dabei überraschend dem FC Chelsea einen Korb gegeben.

Den rechten Flügel fest im Blick: Christian Clemens. Foto: Jörg SchneiderWas weitere mögliche Neuzugänge am Bruchweg anbetrifft, wird es offenbar keine großen Veränderungen mehr geben. „Wir sind eigentlich eher durch damit“, sagt Heidel nach der Verpflichtung von Linksverteidiger Pierre Bengtsson und Rechtsaußen Christian Clemens. „Mit diesen zwei Spielern haben wir noch einmal viel neue Qualität in unseren Kader gebracht.“ Bengtsson hat nach seinen ersten Trainingseindrücken bereits bestätigt, dass der Schwede das Potenzial hat, sofort Stammspieler und eine große Verstärkung zu werden. Clemens besticht mit enormem Tempo und könnte zusammen mit dem bald ins Mannschaftstraining einsteigenden Jonas Hoffmann eine echte Flügelzange bilden, die Okazaki mit Vorlagen füttert und selbst torgefährlich wird.

Allerdings macht der 05-Manager deutlich, dass er sich in dieser Rückrunde von den übrigen Angreifern mehr erwartet. Mehr Durchschlagskraft. Mehr Torgefahr. Vor allem Sami Allagui spricht Heidel dabei an. „Sami muss jetzt langsam in die Puschen kommen. Er ist ehrgeizig, aber er muss jetzt allmählich explodieren. Ich weiß auch nicht, wo es bei ihm hängt.“ Der Trainer werde weiterhin mit Ruhe an der Entwicklung von Pablo De Blasis und Jairo arbeiten. Auch Petar Sliskovic habe alle Chancen, der Torjäger der U23 müsse allerdings in dieser Rückrunde zeigen, wohin sein Weg führe.

„Wenn alle Spieler gesund zurückkehren, haben wir einen richtig guten Kader. Da müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn wir nicht eine bessere Rückrunde spielen würden“, erklärt Heidel.  

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