Okazaki zaubert gegen garstige Australier

Christian Karn. Mainz.
Die letzten Testspiele vor der Asienmeisterschaft, die im Januar in Australien ausgespielt wird, sind abgepfiffen. Und auf der Suche nach dem Topfavoriten kommt man an Japan wohl nicht vorbei. Die "Samurai Blue" schlugen am Dienstag in der Generalprobe die hart zutretenden Australier mit 2:1 - ein Ergebnis, das den einseitigen Spielverlauf nicht treffend abbildet. Shinji Okazaki traf mit einem feinen Hackentrick zum 2:0. Südkorea verlor derweil mit Joo-Ho Park und Ja-Cheol Koo 0:1 in Iran.

Park und Koo verlieren

Sicherlich kein Favorit in diesem Zustand ist die Mannschaft Südkoreas. Wie schon gegen Jordanien zeigten die Ostasiaten auch in Teheran gegen Iran eine Leistung auf niedrigem Niveau: Behäbig, langsam, nach altbekannten Schablonen. Die schwache Partie endete nach einer Koproduktion von zwei der wenigen iranischen Europaprofis 1:0 für die Gastgeber: Kapitän Javan Nekounam (CA Osasuna) schoss in der 81. Minute einen Freistoß an beide Pfosten und Sardar Azmoun von Rubin Kasan, der 19-jährige Hoffnungsträger des iranischen Fußballs, bugsierte den Ball hinter die Linie. Allerdings war das Tor irregulär: Der koreanische Torhüter Seung-Gyu Kim (Ulsan Hyundai) hatte den Abpraller unter Kontrolle und Azmoun traf mit dem Kopf nicht den Ball, sondern Kims Hände. Zuvor hatten beide Teams nur jeweils eine Chance: Der Kopfball des Leverkuseners Heung-Min Son wurde auf der Linie von einem Verteidiger abgewehrt (10.), Iran wiederum hatte nach Vorarbeit des ehemaligen Bundesligaspielers Ashkan Dejagah (Al-Arabi SC) in der 36. Minute eine Doppelchance. Südkoreas Trainer Uli Stielike hatte diesmal beide Mainzer aufgestellt: Joo-Ho Park als Sechser und Ja-Cheol Koo im offensiven Mittelfeld.

Nimmt man die beiden letzten Testspiele vor dem Turnier zum Maßstab, dürfte Japan bei der Asienmeisterschaft im Januar der Topfavorit sein - vorausgesetzt, die "Samurai Blue" bedenken, dass ein Spiel mehr als 90 Minuten dauert. Am Dienstagmittag waren die Japaner in Osaka wenige Tage nach dem 6:0 gegen Honduras auch gegen den unbequemen Turnier-Gastgeber die deutlich überlegene Mannschaft. Sie führten unter anderem durch ein Traumtor von Shinji Okazaki, dem Mittelstürmer des FSV Mainz 05, 2:0. Und gerieten nach dem Anschlusstor in der Nachspielzeit unter großen Druck; der Ausgleich schien nicht ausgeschlossen, fiel aber nicht.

Die Australier dürften sich in Osaka keine Freunde gemacht haben. Selbst mit der traditionelle japanische Höflichkeit dürfte es schwer fallen, den garstigen Auftritt der "Socceroos" beim Osaka einfach hinzunehmen. Sie suchten das flexible Spiel der mutmaßlich besten Offensive Asiens mit Mittelstürmer Okazaki, mit Shinji Kagawa von Borussia Dortmund zentral dahinter, mit Spielmacher Keisuke Honda vom AC Mailand auf dem rechten Flügel und mit dem jungen 22-jährigen Yoshinori Muto vom FC Tokio auf der linken Seite durch ungewöhnlich harte Fouls zu stoppen. Dabei suchten sie immer wieder die Knöchel; Kapitän Mile Jedinak vom englischen Erstligisten Crystal Palace hätte in der 45. Minute Rot statt Gelb sehen dürfen, als er von hinten Honda wegsenste, just als dieser zum öffnenden Pass auf den Flügel ansetzte.

Daher bestand der Spielaufbau der Japaner zunächst fast nur aus langen Flugbällen, an die Okazaki auch deshalb nicht rankommen konnte, weil Mathew Ryan (FC Brügge) weit vor seinem Tor spielte, viele dieser langen Schläge vor dem Strafraum abwehrte, insgesamt mit dem Kopf fast ebenso viele Ballkontakte hatte wie mit den Händen - wenn auch nicht so spektakulär und in so großer Not wie sein Kollege Eiji Kawashima, der in der 44. Minute nach einem weiten Sprint die australische Führung verhinderte.

Shinji Okazaki - hier mit seinem Vereinskollegen Julian Baumgartlinger - traf in der Generalprobe vor der Asienmeisterschaft zum 2:0. Foto: imagoDie erste große Chance hatte Okazaki, dessen Schuss in der 11. Minute geblockt wurde. Sekunden später fiel der nächste japanische Angriff einer falschen Abseitsentscheidung zum Opfer; Kagawa war kurz davor, durch die Gasse den Pass auf den freistehenden Mainzer Stürmer zu spielen. Muto traf in der 15. Minute mit dem Kopf die Latte, diesmal war die Fahne des Schiedsrichter-Assistenten zu Recht oben. Auf der anderen Seite ließ der Ingolstädter Stürmer Matthew Leckie in der 17. Minute mit einem Kopfball Kawashima fliegen.

In der 51. Minute hatte Okazaki durch Zufall die nächste gute Möglichkeit: Ein australischer Befreiungsschlag wenige Schritte außerhalb des 16ers kam nur ein paar Zentimeter weit, flog dann von einem japanischen Schienbein abgeblockt in hohem Bogen in den Strafraum zurück. Okazaki stand nicht abseits, kam an die Kugel, allerdings schon im Fallen; der Ryan hielt den harmlosen Schuss. Auf so etwas aber lauerte Okazaki ständig.

Die überfällige Führung der Japaner resultierte aus einem Eckball. Der eingewechselte Routinier Yasuyuki Konno traf am langen Pfosten freistehend mit dem Kopf knapp unter die Latte (61.). Und Australien wurde offener. Ryan hatte Mühe, in der 67. Minute Okazakis Schuss von halblinks zu halten. Nach der Ecke bestand wieder höchste Gefahr; in der zweiten Angriffswelle erhöhte Okazaki mit einem wunderbaren Tor auf 2:0. Masato Morishige (FC Tokio) brachte den Ball fast von der Grundlinie in den Strafraum, der Mainzer Stürmer schnickte ihn mit der Innenseite der rechten Hacke hinter dem Standbein durch halbhoch ins Tor - ein Klassiker.

In der 76. Minute nahm Japans Trainer Javier Aguirre den 05er vom Platz. Okazakis Gesundheit war das sicherlich nicht abträglich, denn die Australier wurden nun richtig eklig; vor allem Leverkusens Robbie Kruse suchte nur noch Streit. Tim Cahills Kopfballtor in der 92. Minute verschliefen die Japaner; manch einer schien das Spiel schon abgehakt zu haben. Die kurze australische Schlussoffensive nach dem Anschluss konnten die Gastgeber allerdings vom Tor weghalten.