Okazaki-Wechsel nur bei Top-Angebot

Jörg Schneider. Mainz.
Johannes Geis ist weg, jetzt übernimmt Shinji Okazaki dessen Position in der Gerüchteküche um einen möglichen Abschied. „Fakt ist, dass ein solcher Wechsel nicht perfekt ist. Stand heute ist nichts auf dem Tisch“, kommentiert Christian Heidel einen Medienbericht über einen baldigen Abgang des Japaners in Richtung Premier League. Der 05-Manager will einen Transfer des Nationalspielers in diesem Sommer nicht ausschließen. Doch wie es scheint, muss ähnlich wie im Fall Geis erst eine finanzielle Schmerzgrenze erreicht sein, damit die 05er bereit sind, den Torjäger ziehen zu lassen. Unterdessen scheint sich ein Abgang von Gonzalo Jara anzudeuten.

Ein Wechsel von Shinji Okazaki auf die Insel ist wahrscheinlich, bisher aber noch nicht spruchreif.Die eine Kuh ist in den vergangenen Wochen permanent und immer wieder aufs Neue durchs Dörfchen getrieben worden. Jetzt geht’s mit der nächsten aus der Herde weiter. Nach den andauernden Spekulationen um die Zukunft von Johannes Geis, der inzwischen für einen zweistelligen Millionenbetrag vom FSV Mainz 05 zum FC Schalke 04 gewechselt ist, geben nun folgerichtig die Gerüchte um Shinji Okazaki den Takt an.

Christian Heidel hat die jüngsten Medienberichte gelesen, in denen davon die Rede ist, dass der japanische Mittelstürmer kurz vor dem Absprung nach England stehen soll und als Indiz dafür die Räumung der Mainzer Wohnung angegeben wird. „Noch ist es so, dass wir unsere Transfers selbst bekannt geben. Und zwar dann, wenn es soweit ist“, sagt der 05-Manager. „Fakt ist, dass ein solcher Wechsel nicht perfekt ist. Stand heute ist nichts auf dem Tisch.“ Die Situation um Okazaki habe sich seit Monaten nicht geändert. Das Interesse aus der Premier League an dem Nationalspieler ist unbestritten. „Ich will heute nicht ausschließen, dass es zu einem Transfer kommt“, sagt Heidel. „Aber es ist immer das Gleiche. Wir müssen nicht. Wenn wir Okazaki verkaufen, dann nur, weil wir es wollen.“

Der Verein sei nur bereit, den Spieler, der noch einen Vertrag bis Ende der bevorstehenden Saison am Bruchweg hat, zu verkaufen, wenn das Wirtschaftliche so sei, dass der Klub nicht nein sagen könne. Wenn also wie bei Geis eine finanzielle Schmerzgrenze erreicht oder überschritten sei. Und wenn Trainer Martin Schmidt realisierbare Ideen habe, wie ein solcher Abgang für den Kader zu kompensieren sei. Sprich: Wenn ein adäquater, zu vernünftigen Preisen bezahlbarer Nachfolger zu kriegen ist.

Die Geschichte ist eigentlich relativ einfach. Für Mainz 05 kann nur ein Transfer Okazakis auf die Insel in Frage kommen. Weil die Premier-League-Klubs aufgrund ihrer TV-Einnahmen irrsinnige Summen bezahlen. Ein Spieler wie Okazaki, der fast 30 Jahre alt ist und nur noch ein Jahr unter Vertrag steht, wäre vom Marktwert her innerhalb der Bundesliga für maximal drei bis vier Millionen Euro zu vermitteln. Und dafür würden die 05er den Torjäger nicht ziehen lassen.

Bereits vor fünf Wochen die Wohnung aufgelöst

Leicester City hat für den Japaner im Winter mehr als zehn Millionen Euro geboten. Heidel entschied sich gegen diese Offerte, weil er den Stürmer im Abstiegskampf benötigte. Was sich im Nachhinein als richtige Entscheidung erwiesen hat. Ein Interessent aus England, ob Leicester City oder wer auch immer, müsste am Bruchweg schon mit ähnlich Zahlen wie im Januar anrücken. Dann würde der 05-Manager im Interesse der Vereinsfinanzierung gar nicht anders können, als den zwölffachen Bundesliga-Torschützen zu verkaufen. Offenbar ist ein solches Angebot aus England bisher noch nicht eingetroffen. Was aber nicht heißt, dass sich dies in den nächsten Tagen und Wochen nicht noch ändert.

Dass der 29-Jährige bereits sein Haus in Mainz geräumt hat, diene als Indiz für einen Wechsel jedoch nicht, sagt der Manager. „Shinji hat seine Wohnung in der Tat vor etwa fünf Wochen aufgelöst, weil er dort nicht mehr wohnen will“, erklärt der Manager. Die Familie des Stürmers, das weiß man seit längerem schon, war bereits Ende des vergangenen Jahres nach Japan zurückgekehrt.

Nicht besonders amüsiert zeigte sich der 05-Manager unterdessen von dem Auftritt seines Verteidigers Gonzalo Jara beim 1:0-Sieg der Chilenen gegen Uruguay bei der Copa America. Der 05-Profi provozierte Stürmerstar Edinson Cavani zu einer Tätlichkeit. Jara ging theatralisch zu Boden, Carvani vom Platz. „Ob das nun ein eigener Spieler ist oder ein anderer, mir gehen bei solchen Schauspielereien immer die Nackenhaare hoch“, sagt Heidel. „Wir wollen so etwas nicht. Das ist unsportlich. Alles Weitere will ich aber in diesem Fall von hier aus nicht kommentieren.“

Jara, der noch bis nächstes Jahr Vertrag in Mainz hat, wird dennoch mit großer Wahrscheinlichkeit nicht zum Bruchweg zurückkehren. Nicht wegen der Schauspiel-Einlage des Chilenen, sondern weil die 05er dem Abwehrspieler und dessen Berater bereits vor etlichen Wochen mitgeteilt haben, dass Jaras Spiel-Perspektive im künftigen 05-Kader nicht sehr groß sein werde. „Wir wissen auch, dass er selbst nicht zufrieden war bei uns“, erklärt Heidel. Noch ist nichts fix. Doch im Hintergrund scheint es Interesse an einem Transfer des Nationalspielers zu geben.