Okazaki trifft und lässt treffen

Christian Karn. Mainz.
In ihrem zweiten Spiel in dieser Länderspielphase überrannte die japanische Nationalmannschaft Usbekistan mit 5:1 (1:0). An den drei Toren vor seiner Auswechslung in der 82. Minute mal mehr, mal weniger, nie gar nicht beteiligt war Shinji Okazaki vom FSV Mainz 05. Noch größeren Eindruck hinterließen allerdings zwei eingewechselte 22-Jährige. Die beiden Mainzer Südkoreaner schlugen derweil Neuseeland mit einem späten Tor 1:0.

Um ihre Zukunft müssen sich die japanischen Fußballfreunde wohl keine großen Sorgen machen. Vier Tage nach dem noch etwas mühsamen 2:0 gegen Tunesien überrollte die japanische Nationalmannschaft die Usbeken, die am Freitag noch gegen den Vize-Asienmeister Südkorea 1:1 gespielt hatten, mit 5:1. Vahid Halilhodzic, der neue Trainer der "Samurai Blue", ließ auf neun Positionen bewährte Stammspieler auflaufen; richtig Fahrt nahm das Spiel aber in der letzten halben Stunde auf, als der Nachwuchs auf dem Platz war.

Shinji Okazaki (links) schoss auch im zweiten Länderspiel dieser Tage ein Tor und war an weiteren gefährlichen Szenen beteiligt. Foto: imagoDer FSV Mainz 05 darf sich darüber freuen, dass Shinji Okazaki auch in der Nationalmannschaft wieder zu großer Form findet. Der Mittelstürmer der 05er leitete in der 6. Minute den Angriff ein, der letztlich im 1:0 mündete. Über mehrere Stationen sollte der Ball eigentlich wieder zu Okazaki münden; Borussia Dortmunds Zehner Shinji Kagawa brachte den letzten Querpass vors offene Tor aber nicht am letzten Verteidiger vorbei. Den fälligen Eckball faustete der usbekische Torwart Akbar Turaev zwar weit aus dem Strafraum, aber aus zentraler Position und gut 30 Metern Distanz ließ der Sechser Toshihiro Aoyama, Routinier bei Sanfrecce Hiroshima, aber in der Nationalmannschaft noch nicht oft gesehen, einen gewaltigen Schuss los, der unhaltbar oben rechts in den Winkel flog.

Die Japaner schossen in der ersten Viertelstunde aus allen Lagen. Okazaki hatte in der 7. Minute die erste eigene Chance, Frankfurts Takashi Inui schoss, Milans Keisuke Honda schoss. Oft zwar harmlos, aber die hohen Balleroberungen waren da, die Abschlüsse waren da.

Eine Viertelstunde lang. Teilweise lag es danach an der usbekischen Abschlussschwäche, dass das 1:0 Bestand hatte. Erst in der Phase kurz vor der Halbzeit wurden die Japaner wieder gefährlicher, aber sie spielten etwas zu eindimensional. Sie wollten die Offensiven in die großen Räume zwischen der Grundlinie und der hoch stehenden Abwehr schicken, aber die Usbeken machten das gut, hatten diesen Raum im Griff.

In der 52. Minute fehlte Okazaki wohl das Vertrauen in seine Geschwindigkeit. Nach einem feinen Steilpass von Kagawa traute sich der 05er offenbar nicht zu, den von links und rechts nahenden Verteidigern zu entkommen. Okazaki schoss aus gut 20 Metern über das Tor. Aber schon der nächste Angriff saß: Inui blieb zunächst im Dribbling hängen, aber der eingewechselte Linksverteidiger Kosuke Ota, der vier Jahre nach seinem Debüt wieder Nationalspieler ist, schickte nochmal die Flanke vors Tor, die Okazaki am langen Pfosten mit einem Flugkopfball zum 2:0 verwertete.

Die nächsten beiden Möglichkeiten vergab der Mainzer knapp. Zunächst unfreiwillig: Zwar löste er sich in der 64. Minute sehr gut von den Verteidigern, an die scharfe Flanke in den Rücken der Abwehr des ebenfalls eingewechselten Takashi Usami kam er aber auch mit dem längsten Zeh nicht dran. Eine Viertelstunde später schoss Okazaki wohl absichtlich kein Tor. Die Usbeken versuchten, einen abgewehrten Standard nochmal in den japanischen Strafraum zu kommen, schossen dabei aber einen der explosiv umschaltenden Japaner an. Der Torwart musste weit aus dem Tor und kam etwas zu spät. Gaku Shibasaki von den Kashima Antlers, der drauf und dran ist, den vier Jahre älteren und im Nationalteam nicht allzu torgefährlichen Inui auf der linken Angriffsseite zu verdrängen, schoss aus über 50 Metern aufs leere Tor und traf. Okazaki lief dem Ball noch hinterher, hätte das Tor wohl schießen können, wenn er gewollt hätte, überließ es aber dem jungen Mitspieler (79.).

Kurz darauf hatte der Mainzer Feierabend; das Anschlusstor von Islom Toxtahojayev sah Okazaki gerade noch vor seiner Auswechslung. In der Schlussphase zeigte Usami, der vor ein paar Jahren mal an Bayern München und die TSG Hoffenheim ausgeliehen war, seit knapp zwei Jahren aber wieder für Gamba Osaka spielt, dass auch er Inuis Stammplatz angreifen will. Der Linksaußen schoss das 4:1, als drei Veteidiger ihm vor dem 16er den Raum eng machen wollten, aber eine Lücke offen blieb. Usami sprintete durch und schoss den Ball ins etwas zu offene lange Eck (84.). Die nächste Großchance bereitete Usami vor (85.), die übernächste vergab er selbst (90.). Mit dem 5:1 hatte er schließlich nichts mehr zu tun: Shibasaki überlupfte von der Grundlinie den Torwart, der für Okazaki eingewechselte Kengo Kawamata drückte den Ball mit der Stirn aus wenigen Zentimetern über die Linie. Für ihn, Usami und Aoyama war es das jeweils erste Länderspieltor. Die europäischen Manager, die sich für den japanischen Markt interessieren, werden es verfolgt haben.

Südkorea mühte sich derweil zu einem 1:0 gegen Neuseeland. In der ersten Halbzeit nur mit einem Mainzer, dem Linksverteidiger Joo-Ho Park, in der zweiten auch mit Ja-Cheol Koo machten die Ostasiaten lange Zeit nicht viel aus ihrer Favoritenrolle. Erst in der 86. Minute traf Jae-Sung Lee in seinem zweiten Länderspiel mit einem Abstauber zum Sieg.

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