Ohne Schutzhelm auf Wagen 111

Jörg Schneider. Mainz.
Erstmals seit 2005 nehmen die Bundesliga-Fußballer des FSV Mainz 05 wieder mit einem eigenen Wagen am Rosenmontagszug teil. Der Trainer betrachtet die Narren-Fahrt durch die Innenstadt als ein Team-Event und als Motivation fürs Auswärtsspiel am Samstag bei Hannover 96. „Nicht, dass wir uns auf dem Wagen Helme aufsetzen müssen“, sagt Martin Schmidt. „Wir müssen eine Top-Leistung bringen und dort punkten. Dann können wir uns auf dem Zug zeigen.“

Der MCV hat extra einen Motivwagen mit übergroßem Fußball-Symbol gebaut, damit der FSV Mainz 05 anlässlich seines Vereinsjubiläums dabei sein kann: Erstmals seit 2005 nehmen die Fußballer des Bundesligisten wieder am Rosenmontagszug teil. Dem Anlass entsprechend geht die Mannschaft mit Zugnummer 111 auf die etwa sieben Kilometer lange Zugstrecke durch die Innenstadt. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit unserer Mannschaft beim Rosenmontagszug mitfahren können. Das passt zu unserem Vereinsjubiläum und ist eine tolle Gelegenheit, uns bei den vielen Fans für ihre überragende Unterstützung in den vergangenen Jahren zu bedanken“, sagt  Martin Schmidt. „Wir bezeichnen uns nicht nur ironisch als Karnevalsverein, wir leben diese Tradition als Mainzer gemeinsam mit unseren Fans“, sagt der 05-Trainer. „Wir singen, dass wir ein Karnevalsverein sind. Bei uns läuft der Narhallamarsch nach einem Tor im Stadion und wir bleiben dann dem Zug fern? Das geht nicht. Wir sind total gespannt, den Zug diesmal nicht vom Straßenrand aus, sondern auf einem Wagen zu erleben. Für die Mannschaft wird das eine Riesengeschichte.“

Schmidt betrachtet die Teilnahme als ein Team-Event, bei dem die gewohnte Ernsthaftigkeit außen vor bleibt. Doch der Rosenmontag müsse eine Einheit bilden mit dem vorangehenden Bundesliga-Auftritt beim Tabellenletzten Hannover 96 am Samstag. „Nicht, dass wir uns auf dem Wagen noch Helme aufsetzen müssen“, so der 48-Jährige. Das Ereignis müsse als Motivation für das Spiel dienen. „Ich hoffe, dass es etwas bewirkt. Wir müssen eine Top-Leistung bringen und dort punkten. Dann können wir uns auf dem Zug zeigen.“

Neuzugang Giulio Donati (hier im Testspiel gegen den TSV Schott) befeuert den Konkurrenzkampf in der 05-Abwehr und meldet Startelf-Ansprüche für Hannover an. Foto: Martin HofmannNach dem 1:0-Erfolg im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach ist die Motivation innerhalb der Mannschaft ohnehin groß. Julian Baumgartlinger, der Kapitän, sprach anschließend davon, dass nun bereits die Gelegenheit da sei, das erste selbstgesteckte Ziel der Rückrunde zu erreichen – die 30-Punkte-Marke zu knacken. Das wäre ein wichtiger Zwischenschritt, denn die Aufgaben werden in den kommenden Wochen nicht leichter: Heimspiel gegen Schalke 04, dann auswärts bei den abstiegsbedrohten Hoffenheimern, ehe Bayer Leverkusen kommt und es zu den Bayern nach München geht.

Intern hat sich der Konkurrenzkampf um die Startplätze weiter verschärft. Vier Profis, die bisher kaum oder gar keine Einsatzzeiten im Team hatten, sind zu anderen Klubs ausgeliehen worden, dazu hat sich Gonzalo Jara in seine chilenische Heimat verändert. Drei Neuzugänge sind gekommen, von denen einer, Giulio Donati, sofort Ansprüche auf einen Einsatz in Hannover anmeldet. Im Testspiel der Reservisten gegen den Oberligisten TSV Schott zeigten Donati und etliche andere Profis, allen voran Pablo De Blasis mit drei Treffern, dass sie bereit sind, die einzelnen Positionen zu attackieren. Auch Niko Bungert arbeitet daran, sich seinen Platz in der Innenverteidigung zurückzuerobern.

„Bei Niko ist der Fall klar“, sagt Schmidt. „Er hat Trainingsrückstand. Er war ja, als wir in Ingolstadt gespielt haben, wieder raus wegen einer Verletzung, hat drei Tage lang rehamäßig gearbeitet und wieder keine komplette Woche gehabt. Gegen Schott hatte er jetzt seine ersten richtigen 75 Minuten in einem Spiel. Er ist am Aufarbeiten und im Moment aus diesem Grund noch etwas hinten dran.“ Bei den anderen, Stefan Bell, Leon Balogun und Alexander Hack, sei es so, dass sie sich einen Kampf liefern sollten. Henrique Sereno mische da auch kräftig mit. Der Portugiese sei jetzt über längere Zeit fit und auf dem Sprung. „Da ist der Kampf ganz schön angepiekst.“. Bell und Balogun haben beim Trainer derzeit einen kleinen Vertrauens-Vorsprung, weil sie zweimal zu Null gespielt hätten in den beiden ersten Spielen. Das Tor in Ingolstadt rechne er nicht, betont der Coach, weil es ein Elfmeter gewesen sei. „Ich werde auf das Training achten. Und bei einer schwachen Trainingswoche kann das sehr schnell wieder kippen.“

Auch Yoshinori Muto muss sich derzeit strecken. Der Japaner hat seit geraumer Zeit kein Tor mehr erzielt und tut sich auch im Training schwer, sich gegen die Verteidiger durchzusetzen. „Er kriegt jetzt so langsam zu spüren, dass er ernst und hart ran genommen wird. Dass der Neuankömmling-Schutz vorbei ist. Sein nächster Entwicklungsschritt muss jetzt sein, dass er sich ähnlich wie Jairo befreit in seiner Spielweise“, fordert der 05-Trainer.  Im Moment freue sich jeder Innenverteidiger auf Muto. „Die wissen jetzt, wie sie ihn angehen, haben Lösungen gegen sein Spiel gefunden, wie er zu eliminieren ist. Jetzt muss er sich den nächsten Schachzug überlegen, was er macht, um sich daraus zu lösen.“

Am Bruchweg wird in dieser Woche ansonsten wieder viel am eigenen Spielvortrag nach vorne gefeilt. Das ist nach Schmidts Meinung beim Sieg gegen die Gladbacher schon deutlich besser gewesen als in der Partie zuvor, aber noch lange nicht gut. „Wir sind in der Passquote besser geworden, auch im Aufbauspiel. In des Gegners Hälfte haben wir ebenfalls eine Reaktion auf Ingolstadt gezeigt. Doch in Sachen Präzision ist noch vieles möglich. Wir sind in der ersten Halbzeit zu oft auf dem rechten Flügel am Gegner hängen geblieben.“ Die Gladbacher hätten eigentlich noch mehr Räume geboten, die ungenutzt blieben. „Das sind unsere Trainingsinhalte in dieser Woche. Da müssen wir in Hannover dran bleiben. Die Überzeugung hat mir etwas besser gefallen, aber da ist noch vieles möglich, vor allem im letzten Drittel. Da gibt es noch sehr viel Arbeit.“

► Alle Artikel zum Matchplan

► Zur Startseite