Ohne Büßergewand ins eigene Stadion

Jörg Schneider. Mainz.
Trainer und Mannschaft des FSV Mainz 05 haben die nicht gerade berauschende Leistung im Rahmen der 0:2-Niederlage beim FC Schalke 04 selbstkritisch analysiert und die Fehler klar herausgearbeitet. Ab sofort liegt der Fokus jedoch voll und ganz auf der Pokal-Partie am Dienstag in der Opel Arena gegen Holstein Kiel. Eine sportliche Herausforderung, aber auch eine äußerst reizvolle Partie gegen den Aufsteiger, der mit erfrischendem Offensivfußball die Zweite Liga aufmischt. „Für uns ist es ein richtig gutes Los“, sagt Rouven Schröder. Der Sportvorstand erwartet eine gute Heimleistung des Favoriten und das Erreichen der dritten Runde. „Wir sind so selbstbewusst, dass wir sagen, es ist genau der richtige Gegner zum richtigen Zeitpunkt. Wir spüren da keine Ängstlichkeit.“

Es sieht stark danach aus, dass die Opel Arena in diesem Heimspiel der zweiten Runde im DFB-Pokal am Dienstagabend nur spärlich gefüllt sein wird und sich die Zuschauerzahl mit etwas Glück höchstens in dem Bereich bewegen wird wie in der vergangenen Saison in der letzten Europapokal-Partie gegen Qäbälä FK. Den abschließenden 2:0-Erfolg in der Europaliga sahen damals 12.860 Zuschauer. Um diese Zahl zu erreichen, müssen sich allerdings noch etliche Zweifler kurzfristig für einen Stadion-Besuch entscheiden. Die für Arbeitnehmer und Familien extrem ungünstige Anstoßzeit um 20.45 Uhr, dazu die unglückliche Ansetzung des Pokal-Gastspiels des FC Schalke 04 um 18.30 Uhr in Wiesbaden und sicher auch die Witterungsverhältnisse haben den Kartenvorkauf nicht eben befeuert. Bislang hat der Bundesligist gerade mal 8.500 Karten abgesetzt für diese Partie gegen Holstein Kiel. „Die Zuschauer, die da sein werden, werden für gute Stimmung sorgen. Da bin ich sicher“, sagt Rouven Schröder. „Man wünscht sich immer ein volles Stadion, aber wir nehmen die Situation so hin, wie sie ist. Es liegt auch an uns, ein gutes Spiel abzuliefern und Werbung für uns zu machen.“ Der 05-Sportvorstand ist davon überzeugt, dass dies auch gelingen wird. „Wir werden jedenfalls alles dafür tun. Für uns ist es ein richtig gutes Los, als Erstligist gegen einen Zweitligisten zu Hause zu spielen. Die Situation ist klar. Die nehmen wir auch an und sind so selbstbewusst, dass wir sagen, es ist genau der richtige Gegner zum richtigen Zeitpunkt. Wir spüren da keine Ängstlichkeit.“

Nach der unbefriedigenden Vorstellung auf Schalke wollen die 05-Profis nun  zu Hause gegeh die Kieler wieder jubeln wie in den vergangenen Heimspielen und in die dritte DFB-Pokal-Runde einziehen. Foto: Ekkie VeyhelmannSportlich gesehen hat diese Begegnung mit der Überraschungsmannschaft der Zweiten Liga durchaus ihren Reiz. Holstein Kiel spielt bislang einen erfrischenden Offensivfußball. Der Aufsteiger hat sich mit seiner Spielweise und seiner Qualität im Unterhaus auf Anhieb etabliert, hat aus elf Spielen 25 Punkte geholt und behauptet den zweiten Platz. Die Voraussetzungen für ein höchst interessantes Heimspiel sind gegeben. Nicht zuletzt deshalb, weil die Mainzer zuletzt mehrfach gute Leistungen vor eigenem Publikum abgeliefert haben und mit Sicherheit den Anspruch dokumentieren wollen, dass die Vorstellung, die das Team von Sandro Schwarz beim 0:2 auf Schalke abgeliefert hat, nicht dem normalen Leistungsstand der 05-Profis entspricht.

„Wir haben das Schalke-Spiel sehr selbstkritisch analysiert. So, wie es sich gehört“, sagt der Trainer. „Der erste Ansatz ist, dass wir selbstkritisch damit umgehen. Wenn du auf Schalke spielst, ist es keine Selbstverständlichkeit von vornherein davon auszugehen, dass du dort was holst. Unsere Leistung in der Arbeit gegen den Ball war aber in Ordnung. Was uns einfach gefehlt hat, war die Qualität im Ballbesitzt. Das, was wir zuletzt sehr gut gemacht haben, haben wir in diesem Spiel nicht gezeigt“, so Schwarz, der Gründe nennt, warum das so war. „Viele einfache Ballverluste haben uns letztendlich das Ergebnis gekostet.“ Das habe auch mit der Qualität des Gegners zu tun gehabt, der sehr aggressiv war und ein gutes Anlaufverhakten hatte. „Zum anderen hat man sich vielleicht das eine oder andere Mal beeindrucken lassen oder sich selbst runtergezogen nach Ballverlusten und nach misslungenen Sachen nicht mehr so die Überzeugung im Freilaufverhalten gehabt, immer wieder die Bälle zu fordern, immer wieder in die Räume rein zu sprinten. Wir sehen das selbstkritisch, aber wir müssen es auch immer wieder ins richtige Fach einordnen. Wir hätten durchaus  mit einer hundertprozentigen Leistung dort was holen können. Die haben wir nicht abgerufen. Es lag in erster Linie an uns selbst. Da spielt die Tagesform jedes Einzelnen eine Rolle, die nicht bei hundert Prozent lag. Das kommt vor im Leistungssport. Wir hatten einfach dann nicht das Zutrauen, dass es gebraucht hätte in einem Auswärtsspiel auf Schalke.  Wichtig war, sich das nochmal anzuschauen, weil du auf dem Platz als Spieler ein anderes Gefühl hast, als wenn du es nachher nochmal siehst. Wir waren drin im Spiel, die Offensivaktionen haben jedoch gefehlt. Wir haben aber schon gezeigt, dass wir die Dinge besser machen können“, betont der Coach.

Die Dinge seien klar angesprochen worden. Die Spieler wüssten selbst, was nicht gepasst habe, damit müsse aber die Geschichte abgeschlossen sein, um sich nun auf die Pokal-Herausforderung zu konzentrieren. „Wir können uns jetzt deshalb nicht selbst zerfleischen und werden im nächsten Spiel nicht im Büßergewand durchs Stadion marschieren“, erklärt der 39-Jährige. „Wir sind selbstkritisch. Wir wissen, was wir in Heimspielen brauchen, um Spiele zu gewinnen. Gutes Pressing, Gegenpressing, sehr gute Vorwärtsverteidigung, zielstrebig Richtung Tor spielen. Und nicht das Gefühl aufkommen lassen, sich aus eigenem Ballbesitz heraus eine blutige Nase zu spielen aus der Favoritenrolle heraus.“ Der Fokus richte sich jetzt voll und ganz auf den Pokal, „weil wir diesen Wettbewerb für Mainz 05 als sehr wichtig erachten“, sagte der Trainer. „Daran werde wir gegen Kiel ansetzen. Wir wollen ohne Wenn und Aber in die nächste pokalrunde einziehen.“

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