Nur wer am Limit trainiert, kann am Limit spielen

Jörg Schneider. Evian
Zwei Einheiten sah der Dienstplan am Samstag, dem zweiten Tag des Trainingslagers in Evian am Genfer See, für die Profis des FSV Mainz 05 vor. Defensiv-Schulung, viel Arbeit im Spiel gegen den Ball. Hoch intensive Zweikämpfe und die allmähliche Hinführung zum Wettkampfmodus heißt die aktuelle Aufgabenstellung vor dem Testspiel am Sonntagabend gegen AS St. Etienne. Julian Baumgartlinger allerdings musste bereits am Morgen das Training abbrechen: Verhärtung der Adduktoren.

Julian Baumgartlinger vor der prächtigen See-Kulisse. Foto: Daniel BongartzFür Julian Baumgartlinger war der zweite Tag im Trainingslager in Evian, zumindest aus sportlicher Sicht, schnell beendet. Der österreichische Nationalspieler brach bereits nach wenigen Minuten das Warmmachprogramm im Stade Camille Fournet ab und zog sich ins Teamhotel zur Behandlung zurück. Verhärtung im Adduktorenbereich lautete die erste Diagnose. Das heißt: vorsorgliche Pause für den Mittelfeldspieler des FSV Mainz 05.

„Ich habe das am Abend vorher schon leicht gemerkt“, sagte Baumgartlinger nachher. Es ist nichts Schlimmes, aber lieber nichts riskieren, damit nichts Langwieriges daraus wird.“ Ja-Cheol Koo, der mit einem leichten Muskelfaserriss in der Wade nach Frankreich gereist war, dreht inzwischen seine Laufrunden auf dem Platz und soll Anfang der neuen Woche einsteigen. Leon Balogun (Muskelprobleme) ist bereits wieder mit von der Partie. Auch Joo-Ho Park war angeschlagen, hatte eine paar Probleme am Schienbein, soll aber zügig wieder einsteigen. Martin Schmidt wollte den Südkoreaner nach der Blessur nicht durch „diese Mördereinheit“ im Vormittagstraining schicken, wie der 05-Coach betonte.

Die 05-Profis absolvierten im Trainingslager am Genfer See die extrem intensiven Spielformen, in denen sich ein Verteidiger gegen einen Stürmer im Duell über den halben Platz durchsetzen muss und derjenige, der den Ball erobert, im besten Fall noch einen Treffer erzielen soll. Das ist äußerst anstrengend und willensschulend für die Spieler. Jeweils 60 Sekunden lang dauern die Intervalle, die mehrfach wiederholt werden. Und um das Ganze noch zu steigern, schickte Schmidt dann in den nächsten Übungen zwei gegen einen los, dann zwei gegen zwei und drei gegen drei – immer mit derselben Aufgabenstellung.

Harte Zweikampfarbeit für die Profis des FSV Mainz 05 an ihrem zweiten Tag im Trainingslager in Evian. Foto: Daniel Bongartz„Bei der Konditionierung einer Bundesligamannschaft bewegt man sich immer am Limit. Das ist Hochleistungssport“, erklärt der Schweizer. „Nur wenn du am Limit trainierst, kannst du auch am Limit spielen nachher.“ Und vom Limit seien einige seiner Profis naturgemäß in dieser Phase der Vorbereitung noch ein Stück weit entfernt.

Martin Schmidt hat sich vorgenommen seinem Team die größtmögliche Fitness und konditionelle Stärke mitzugeben in die neue Saison. Die körperliche Verfassung sei Grundvoraussetzung für alles andere. „Du kannst die schönsten Taktiken und Spielsysteme ausarbeiten“, sagt der 48-Jährige. „Aber keine Taktik gibt dir eine Chance ein Bundesligaspiel zu gewinnen, wenn du physisch nicht auf dem höchsten Level bist.“

Das Problem an der Belastungssteuerung in der Vorbereitung ist im Moment, dass die 05-Profis zu unterschiedlichen Zeiten in das Training eingestiegen sind und die verschiedensten körperlichen Verfassungsstufen aufweisen. Drei Wochen lang hat der Coach nun daran gearbeitet, das alles zusammenzuführen. Im Trainingslager in Evian geht’s nun mehr spezifisch zu, auch wenn die Konditionierung, wie Schmidt sagt, noch nicht abgeschlossen ist. Doch im Stufenplan muss es weiter gehen. In Frankreich steht in diesen Tagen viel Arbeit am Defensivverhalten auf dem Plan. Pressing, Balleroberung, Gegenpressing. Was tun, wenn der Zweikampf verloren geht? Das komplette Programm in der Arbeit gegen den Ball. Das tut manchmal weh, und die medizinische Abteilung hat sowohl am Rande des Trainingsrasens als auch später bei der Behandlungs-Routine im Hotel alle Hände voll zu tun. Schmidt legt am See viel Wert darauf, dass seine Profis nach den Einheiten richtig auslaufen und die Belastung abbauen, dass sich die Spieler vernünftig ernähren und die nötigen Ruhe- und Schlafpausen einlegen. Denn der Coach möchte parallel zu allem seine Mannschaft schnell in den Wettkampfmodus bringen. Bisher haben die Mainzer nur gegen unterklassige Gegner gespielt. Das ändert sich ab Morgen. Dann geht’s zum Testspiel gegen den AS St. Etienne, den Tabellenfünften der französischen Meisterschaft der vergangenen Saison.

► Alle Artikel zum Trainingsbetrieb

► Zur Startseite