Nur noch ein Pünktchen bis zur EM

Christian Karn. Mainz.
Nur noch ein Pünktchen brauchen der Mainzer Mittelfeldspieler Julian Baumgartlinger und seine Kollegen aus der österreichischen Nationalmannschaft nach dem 1:0 gegen Moldawien, um sich zum ersten Mal auf sportlichem Wege für eine Europameisterschaft zu qualifizieren. Drei Spiele haben sie dafür, das sollte Formsache sein. Defensiv wurde die ÖFB-Auswahl überhaupt nicht gefordert, so dass ein neuer Teamrekord nur im vorletzten Moment in geringe Gefahr geriet. Offensiv taten sich die Österreicher schwerer als nötig, aber das Tor fiel früh genug.

Julian Baumgartlinger, der Kapitän des FSV Mainz 05, hat sich mit dem österreichischen Nationalteam noch nicht für die Europameisterschaft im kommenden Jahr in Frankreich qualifiziert. Jedenfalls noch nicht ganz. Nach dem 1:0 gegen Moldawien noch ein Pünktchen, um die Qualifikation endgültig klar zu machen, und sollte dieses Pünktchen am Dienstag im Spitzenspiel in Schweden kommen, stünde sogar der Gruppensieg vorzeitig fest. Zwei weitere Spiele folgen nach der Partie in Solna, mehr als eine Formsache sollte das nicht sein, Österreich sollte sich locker zum ersten Mal sportlich für einen Europameisterschaft qualifizieren.

Julian Baumgartlinger war einer von neun aktuellen oder ehemaligen Bundesligaprofis in der Startelf Österreichs. Foto: imagoÖsterreich spielte weitgehend mit einer Bundesliga-Auswahl. Zweiter Sechser neben Baumgartlinger war David Alaba von den Bayern, rechts spielten die Stuttgarter Florian Klein und Martin Harnik, links der Ex-05er, -Bochumer, -Schalker Christian Fuchs (Leicester City) hinter dem Ex-Bremer Marko Arnautovic (Stoke City), zentral verteidigte vor dem Ex-Düsseldorfer Torwart Robert Almer (Austria Wien) ein weiterer Ex-Bremer, Sebastian Prödl vom Watford FC. Der aktuelle Werder-Profi Zlatko Junuzovic spielte im Zentrum hinter dem Mittelstürmer Marc Janko (FC Basel), dieser und der zweiten Innenverteidiger Aleksandar Dragovic (Dynamo Kiew) waren die einzigen Spieler im ÖFB-Team ohne Bundesliga-Erfahrung.

Und Österreich spielte offensiv, von der ersten Minute an. Dominant, intensiv, laufstark. Die Verteidiger gingen mit nach vorne, die Angreifer halfen hinten, das war gut. Das zeigte, dass der Erfolg in dieser Qualifikation kein Zufall ist. Zunächst wurde das begünstigt dadurch, dass Moldawien mutig mitspielte; ohne die Qualität allerdings, um vorne gefährlich zu werden. Das offene Spiel riss jedoch Lücken in die Fünferkette der Südosteuropäer, die die Österreicher allerdings nur im Ansatz ausnutzten.

Junuzovic hatte nach einer kurzen Flanke von Janko die erste Großchance, aber der Torwart kam entgegen und schnappte sich den völlig unplatzierten Kopfball (16.). Janko selbst wollte in der 29. Minute nach einem schönen Pass aus etwas ungünstiger Position nicht selbst schießen, spielte quer, aber mehrere Verteidiger standen im Weg. Arnautovic schoss in der 42. Minute das erste Tor des Abends, bekam es aber wegen Abseits aberkannt - eine sehr schlechte Entscheidung, denn der letzte kontrollierte Pass kam von einem Moldawier, traf einen weiteren Gästespieler, fiel dem Ex-Bremer direkt vor die Füße. Den fürs Abseits nötigen Pass eines Mitspielers gab es nicht.

Dennoch schien das 1:0 nur eine Frage der Zeit zu sein. Und nachdem Harnik Sekunden nach der Halbzeit eine Chance vergeben hatte, Alaba nach Arnautovics Vorlage vorbeigeschossen hatte (49.), fiel das 1:0 in der 52. Minute. Der Torwart ließ einen gar nicht so gefährlichen Schuss von Alaba nach vorne prallen, Junuzovic staubte ab.

Weitere Chancen gab es hin und wieder. Zwingend waren wenige, genutzt wurde keine. Das Spiel hätte spannend werden können, wären die Moldawier, die den Mitspiel-Versuch schon im Laufe der ersten Hälfte nahezu eingestellt hatten, nicht nach vorne derart harmlos gewesen. So harmlos, dass die Österreicher nicht viel dafür tun mussten, nebenher einen Teamrekord aufzustellen: Bereits ab der 33. Minute bejubelte das Publikum den Torwart - etwas zu früh, denn in der 34. Minute kamen die Moldawier ihrem Treffer so nahe wie im ganzen übrigen Spiel nicht. Und erst in der 35. Minute war der Rekord, den Friedl Koncilia in den 1980ern aufgestellt hatte, eingestellt und Österreich hatte seit 458 Spielminuten kein Gegentor mehr kassiert. 

Und wie trug Baumgartlinger zum Spiel bei? Schwer zu sagen. Ein bisschen liefen der Mainzer und das Spiel aneinander vorbei. Auch Baumgartlinger war viel unterwegs, hatte auch viele Ballkontakte, aber wenige auffällige Aktionen. Auch wenig Tempo. In die Kombinationen war er nicht eingebunden, spielte fast nur die einfachsten Pässe. Denkbar natürlich, gerade angesichts seines gewohnt spektakulären, offensiv denkenden Nebenmanns David Alaba, dass Baumgartlinger die Aufgabe des Defensivsechsers zugedacht war, eine Aufgabe, die durch das Herstellen von Überzahl in Ballnähe, durch anspielbar sein, da sein in vielen Situationen schon erfüllt war gegen diesen schlechten Gegner. Vielleicht wird die Partie am Dienstag in Schweden eher Baumgartlingers Spiel sein, vielleicht brauchten die Österreicher in Ermangelung von Defensivaufgaben gar keinen Defensivsechser, vielleicht konnten die drei reinen Verteidiger gar nicht glänzen. Und vielleicht spielte auch die generelle Schwäche der rechten österreichischen Seite - die beiden Stuttgarter kamen nicht annähernd an den schwungvollen, druckvollen, engagierten Fußball der linken Seite mit Fuchs, Alaba und Arnautovic heran - eine Rolle. 

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