Nur nicht in die Falle tappen

Jörg Schneider. Mainz.
Der relativ souveräne 3:1-Erfolg am Sonntag beim FC Augsburg hat die Erwartungshaltung vor dem Auswärtsspiel heute Abend beim SV Werder Bremen befeuert. Der FSV Mainz 05 muss sich vorsehen, um nicht bei einem Gegner, der bisher alle Spiele in der Liga verloren und gerade seinen Trainer gewechselt hat, durch eigene Nachlässigkeiten in die Falle zu tappen. „Wir sind auf einen zu Hause mutig angreifenden Gegner eingestellt. Wo wir Schwächen erkennen, werden wir die Hand drauf halten“, sagt Martin Schmidt vor der Partie um 20 Uhr im Weserstadion.

Jhon Cordoba erzielte in Augsburg die frühe Führung für die 05er. Der Mittelstürmer präsentiert sich derzeit in guter Form. Foto: ImagoOrdentliche Spiele in der Bundesliga und im Europacup, in denen nur die letzte Konsequenz zum Erfolg fehlte. Nun der erste Sieg in der Liga mit dem 3:1 im Auswärtsspiel beim FC Augsburg. Auf der anderen Seite ein Gegner, der seine ersten drei Liga-Begegnungen verloren, dabei schon zwölf Gegentore kassiert und zuletzt beim 1:4 bei Borussia Mönchengladbach einen desolaten Eindruck hinterlassen hat. Keine Frage, da ist im Vorfeld der Auswärtspartie beim SV Werder Bremen am Mittwochabend (20 Uhr) eine Erwartungshaltung entstanden, mit der das Team des FSV Mainz 05 vernünftig umgehen muss. Natürlich ist für die Mannschaft von Martin Schmidt auch im Weserstadion etwas drin. Jedoch nur, wenn die 05-Profis mit derselben Konzentration, Lauf- und Kampfbereitschaft, mit einem klaren taktischen Rezept und einer erneut starken Defensivorganisation in diese Partie gehen. Aufgrund der Bremer Situation zu vermuten, vor einem relativ leichten Auswärtsspiel zu stehen, wäre ein Fehler.

Zumal Werder gerade Viktor Skripnik entlassen und mit den Alexander Nouri als neuen Cheftrainer installiert hat. Die Mainzer haben in der Vergangenheit ja bekanntlich einige unangenehme Erfahrungen mit Mannschaften gemacht haben, die unmittelbar vor dem Treffen mit den 05ern das Mittel des Trainerwechsels einsetzten. In der vergangenen Saison beim 0:0 gegen den VfB Stuttgart, bei dem kurz zuvor der Ex-05er Jürgen Kramny übernommen hatte. In Hoffenheim, wo die 05er beim Heimdebüt von Julian Nagelsmann mit 2:3 unterlagen. Oder im Jahr zuvor, als Hertha BSC Berlin mit Pal Dardai als neuem Trainer sofort 2:0 in Mainz gewann. Und nicht zuletzt im Oktober 2014 bei Viktor Skripniks Premiere mit dem 2:1-Sieg von Werder Bremen in der Arena. Skripnik musste nun unmittelbar nach dem 1:4 von Mönchengladbach seinen Stuhl räumen. Nouri, der bisherige Trainer des Drittligateams, gibt nun am Mittwochabend seinen Einstand. Martin Schmidt weiß selbst am besten, was ein solcher Trainerwechsel im Team auslösen kann. Der 49-Jährige feierte im Februar 2015 seine gelungene Cheftrainer-Premiere beim 3:1 zu Hause gegen Eintracht Frankfurt. Der Schweizer hat bereits auf diese Umstände hingewiesen und betont, wie wichtig es sei, in dieser Situation nun vor allem darauf zu achten, dass der eigene Ansatz wieder funktioniere, damit man sich nicht zu stark mit der unbekannten Konstellation beim Gegner beschäftigen müsse.

„Was uns dort erwartet, ist noch nicht klar“, sagte Schmidt im Vorfeld der Partie. „Alexander Nouri spielt mit seiner zweiten Mannschaft ganz anders als die Erste von Werder. Wir wissen nicht, was nimmt er mit, was übernimmt er von oben?“.  Bremer Fußball, so der Schweizer, sei jedoch immer von einer herzhaften Offensivkraft geprägt. „Im eigenen Stadion, vor 40.000 Zuschauern, werden sie wieder eine besondere Stimmung haben durch die neuen Reize. Wir sind auf einen zu Hause mutig angreifenden Gegner eingestellt. In zwei Tagen kommt auch ein neuer Trainer nicht aus diesen Mustern heraus. Wo wir Schwächen erkennen, werden wir die Hand drauf halten.“

Die Mainzer haben sich immerhin mit dem dreifachen Punktgewinn in Augsburg ein gewachsenes Selbstbewusstsein und ein anderes Selbstverständnis geholt. Eine Bestätigung, dass ihr Spiel funktioniert, wenn sie ihre Prinzipien konzentriert auf den Platz bringen, taktisch sauber arbeiten und mit einer derart guten Defensivorganisation auftreten wie beim 3:1-Erfolg. Auch die Tatsache, dass die 05-Profis immer in der Lage sind, Tore zu machen, sollte Sicherheit geben. „Der Wert dieses Sieges in Augsburg ist hoch, hat auch vom mentalen Ansatz her einen hohen Stellenwert“, sagt der 05-Trainer. „Wir haben in den Spielen davor schon vieles richtig gemacht, uns aber nicht belohnt, nicht die Ergebnisse erzielt, die möglich waren, und die wir gerne gehabt hätten. Jetzt ist die Situation plötzlich eine ganz andere.“

Die gute Leistung gebe der Mannschaft Sicherheit. Der Glaube an die einzelnen Positionen sei gewachsen und auch an die eigene Performance. „Vor allem an unsere Laufleistung. Obwohl wir den Rucksack mit mehr Spielen auf dem Rücken hatten, sind wir mehr gelaufen als der Gegner. Die Mannschaft zeigt, dass sie auch in den Englischen Wochen topfit ist. Das ist wichtig, um die nächsten Begegnungen richtig angehen zu können.“ Er habe seinen Spielern jedenfalls deutlich die Befreiung angemerkt. Da es für die Mainzer bereits am Samstag mit dem Heimspiel gegen Bayer Leverkusen weitergeht, hat der Trainer diesmal auf die Anreise einen Tag vorher verzichtet. Das Team fliegt erst am Mittwoch mit einer Chartermaschine nach Bremen, bezieht dort ein Tageshotel und fliegt nach der Partie direkt zurück.

 

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