Nur ein paar Lichtblicke im Auftaktspiel

Jörg Schneider. Marbella.
Der FSV Mainz 05 hat sein schwerstes Testspiel im Trainingslager gleich an den Anfang des einwöchigen Trips an die Costa del Sol gestellt. Der Vorteil daran: Kasper Hjulmand hat von seiner Mannschaft ziemlich deutlich gezeigt bekommen, woran der Trainer in den nächsten Tagen und Wochen arbeiten muss. Der Nachteil: Die Mainzer kassierten im Flutlicht-Duell der Bundesligisten eine 0:1 (0:1)-Niederlage vor rund 200 Zuschauern im Marbella Football Center gegen den SC Freiburg. Überzeugend waren dabei die Neuzugänge Pierre Bengtsson und Christian Clemens sowie Torhüter Stefanos Kapino.

FSV Mainz 05 - SC Freiburg 0:1 (0:1)

FSV Mainz 05, 1. Hälfte: Kapino - Moos, Bell, Jara, Bengtsson - Serdar, Soto - Jairo, Djuricic, de Blasis - Allagui.

FSV Mainz 05, 2. Hälfte: Zentner - Brosinski, Noveski, Diaz, Roßbach - Geis, Malli - Clemens, Pflücke, Parker - Sliskovic.

SC Freiburg: Bürki - Riether, Krmas (67. Jullien), Kempf, Sorg - Schmid, Schuster, Frantz, Möller Daehli (67. Kath) - Schahin, Mehmedi (72. Höhn).

Tor: 0:1 Mehmedi (30.).

Kasper Hjulmand hatte so etwas schon  befürchtet. „Es war das typische erste Spiel einer Mannschaft“, kommentierte der Trainer des FSV Mainz 05 die 0:1-Niederlage im ersten Testspiel in Marbella gegen den Bundesliga-Konkurrenten SC Freiburg. „Wir haben zwei Mannschaften mit schweren Beinen gesehen.“ Die eine davon, die der Mainzer, hatte am Vormittag noch eine relativ kurze, aber kräftezehrende Einheit mit intensiven Sprints und Schnellkrafttraining absolviert. Der 05-Trainer schickte zwar in jede Halbzeit ein komplettes Team, die Müdigkeit war dennoch unübersehbar und führte zu Mängeln. Offensichtlich auch die altbekannten Probleme: Im Angriff und in der vorderen Offensivreihe passiert trotz aller Bemühungen zu wenig. Spieler wie Jairo,  Sami Allagui oder Filip Djuricic haben ihre schwache Form auch ins neue Jahr transportiert.

Die Mainzer begannen allerdings recht stark gegen die Südbadener, die bereits am Vormittag ein anderes Testspiel mit einer anderen Aufstellung absolviert hatten. Christian Streich stellte jedoch im Duell gegen die 05er eine veritable Formation auf den Platz. Das sah zunächst gut aus, was die Mainzer da spielten. Sie bestimmten eindeutig das Geschehen, hatten ganz gute Ansätze vor dem Tor. Im  Mittelfeld gab Elkin Soto den Takt vor, neben dem Routinier spielte der A-Jugendliche Suat Serdar so, als ob er immer da spielen würde. Gute Angriffe, vernünftiges Anlaufen, Pressing, Umschaltspiel mit ansprechenden Kombinationen. Doch mit zunehmender Spieldauer blieb davon wenig übrig.

Vorne fehlte wie seit längerem die Durchschlagskraft. Irgendwann beteiligte sich die Offensive kaum noch an der Defensivarbeit, hielt die Positionen nicht mehr. Die Freiburger, die insgesamt geordneter wirkten, das bessere Anlaufverhalten präsentierten und gewohnt fußballerisch gut von hinten heraus aufbauten, übernahmen komplett das Kommando.

Christian Clemens gab ein sehr starkes Debüt im 05-Trikot beim 0:1 gegen den SC Freiburg. Der aus Schalke gekommene Angreifer ist schon jetzt eine absolute Verstärkung. Foto: René Vigneron. Vor allem die rechte Abwehrseite wurde zum Problem. Malte Moos, der junge Rechtsverteidiger, sah sich permanent alleine gegen mindestens zwei Freiburger ausgesetzt und war ohne die nötige Unterstützung überfordert. Obwohl der A-Jugendliche bis dahin gut gespielt hatte. Doch der SCF kam ständig mit Neuzugang Mats Möller Daehli über seine linke Angriffsseite, unterstützt vom starken Admir Mehmedi oder dem gut spielenden Ex-05er Dani Schahin. Die Folge waren Chancen und der Führungstreffer von Mehmedi nach einer halben Stunde. Etliche Chancen machte der starke 05-Torhüter Stefanos Kapino zunichte, der eine starke Leistung zeigte.

„Wir hatten erst ganz gute Momente, aber dann wurden wir unruhig, hatten  keine Abstände mehr zwischen den Mannschaftsteilen, das ganze Anlaufen war nicht gut“, kritisierte der 05-Trainer. Natürlich muss berücksichtigt werden, dass die Mannschaft in dieser Formation selten zusammen spielt, dass Spieler auf ungewohnten Positionen agierten, aber dass die komplette Offensivreihe ihre Defensivarbeit einstellte, war bedenklich.

„Ich erwarte da wesentlich mehr Arbeit gegen den Ball, mehr Sprints gegen den Ball“, sagte Hjulmand. Nach dem Wechsel gelang es dem zweiten Mainzer Team zumindest die Freiburger nahezu komplett vom Tor wegzuhalten. Die Defensivarbeit stimmte in der eigenen Hälfte, das Anlaufverhalten der Offensiven allerdings zu selten. Da gibt es viel Arbeit für den Trainer bis zum Rückrundenstart.

„Das war ein sehr gutes Testspiel am Anfang unseres Trainingslagers“, sagte der Däne nachher zufrieden damit, dass sein Team mit einer knappen Niederlage gegen einen starken Gegner davon gekommen war und dass die Aufgabenstellung für die Zeit bis zum ersten Heimspiel ziemlich deutlich wurde. „Die Leistung muss im nächsten Spiel am Sonntag gegen die Braunschweiger besser werden“, erklärte Hjulmand. „Ich habe heute aber auch gute Momente bei uns gesehen, gute Leistungen und viel Potenzial.“

Sicherlich bezog der Coach dies auf die Vorstellung seiner vier Youngsters, die gegenüber den gestandenen Profis in keinster Weise abfielen. Vor allem aber sah der Däne zwei Neuzugänge, die jetzt schon eindeutige Verstärkungen sind. Pierre Bengtsson zeigte als Linksverteidiger, dass der Schwede klare Stammplatzambitionen hat. Bengtsson hatte auch gegen die Freiburger die linke Seite im Griff. Am auffallendsten an diesem Abend im weißen 05-Trikot war allerdings Christian Clemens.

Der aus Schalke gekommene Zugang ist ein Profi, den die Mainzer dringend benötigen. Die Schnelligkeit des Rechtsaußen imponierte, sein Zug zum Tor, seine Versuche zum Abschluss zu kommen ohne große Schnörkel. Und das sowohl rechts wie auch links – das war beeindruckend. Clemens setzte immer wieder erfolgreich zum Dribbling an, sprintete in die Tiefe forderte Bälle, verteilte sie und hatte Abschlüsse. Das hebt den Angreifer im Moment von etlichen seiner Kollegen ab. Ein vielversprechendes Debüt des 23-Jährigen.

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