Niko Bungert: „Es kribbelt ohne Ende“

Jörg Schneider. Mainz.
Die Bühne ist bereit für das wichtigste Spiel der noch jungen Saison: Der FSV Mainz 05 bestreitet zum ersten Mal in seiner Vereinsgeschichte ein Gruppenspiel in der Europa League. Der Bundesligist, der bisher dreimal in der Qualifikation scheiterte, empfängt zur Premiere am Donnerstagabend (19 Uhr) den französischen Traditionsklub AS Saint-Etienne. „Es kribbelt ohne Ende“, sagt Kapitän Niko Bungert. „Die Vorfreude ist riesengroß. Beim Team, ich denke aber auch im ganzen Umfeld und in der Stadt. Wir haben hart dafür gekämpft und uns lange darauf gefreut“, sagt Martin Schmidt, der zuversichtlich ist, dass sein Team einen erfolgreichen Auftritt hinlegen kann.

Europapokalzeit in Mainz. „Es ist angerichtet“, sagte Tobias Sparwasser am Mittwochnachmittag zu Beginn der internationalen Pressekonferenz in der Opel Arena, die im Moment offiziell Mainz Arena heißt. So wollen es die Regularien der Uefa, die eine eigene Vermarktung dieses Wettbewerbs betreibt und im Stadion des FSV Mainz 05 das Kommando übernommen hat. Die Sitzschalen auf der Stehtribüne sind montiert, die 05-Werbebanden sind ausgetauscht, Kapitäne und Trainer beider Mannschaften haben sich den Medien präsentiert. Die Franzosen haben bereits auf dem Arena-Rasen trainiert, die 05er im Bruchwegstadion. Es kann losgehen. Das wichtigste Spiel der noch jungen Saison kann kommen. Der Bundesligist trifft am Donnerstagabend (19 Uhr) in der Europa League auf den französischen Klub AS Saint-Etienne - im ersten Spiel der Gruppe C. Und die Vorfreude im Team von Martin Schmidt auf das erste internationale Pflichtspiel seit zwei Jahren, auf die Premiere in der Gruppenphase ist riesengroß.

Niko Bungert hat zwei gescheiterte Anläufe in der Europaliga hinter sich. Der Kapitän ist extrem heiß auf die Partie gegen AS Saint-Etienne und dürfte auch in der Mainzer Startelf stehen. Foto: Jörg Schneider„Es kribbelt ohne Ende“, sagt Niko Bungert. „Wir hatten eine solch lange Vorbereitung, dann die Länderspielpause. Und immer wieder haben wir uns auch mit dieser Partie beschäftigt. Wir haben uns auf die Auslosung gefreut, freuen uns auf die Gegner und nun auf dieses Spiel.“ Für den 05-Kapitän ist der Auftakt im Europapokal eine ganze besonders emotionale Geschichte, wie er betont. Der 29-Jährige war zweimal dabei, als seine Mannschaft in der Qualifikation zu dieser Gruppenphase gescheitert ist. „Und keiner hat geglaubt, dass wir diesen großen Schritt in absehbarer Zeit noch einmal machen würden.“ Jetzt ist es soweit. „Das ist umso schöner, heute hier zu sitzen, morgen im Stadion aufzulaufen, und das erste Spiel in der Gruppenphase für Mainz 05 bestreiten können“, sagte Bungert in der Pressekonferenz.

Der Spielführer dürfte große Chancen haben, in der Startaufstellung zu stehen. Denn Leon Balogun hat sich bekanntlich einen Jochbeinbruch zugezogen im Heimspiel am Sonntag gegen die Hoffenheimer, dazu noch eine leichte Gehirnerschütterung. Balogun müsste mit einer Maske spielen. Der 05-Trainer verwies auf das Abschlusstraining. Danach werde man weitersehen. Bungert hat die beiden ersten Bundesligaspiele auf der Bank verbracht. „Ich war sehr froh, Kapitän dieser Mannschaft zu werden“, sagt der Innenverteidiger. „Ich weiß aber auch, dass dies keine Stammplatzgarantie beinhaltet. Ich muss genauso wie alle anderen kämpfen.“ Er habe in der Vorbereitung etliche Pausen einlegen müssen wegen diverser Verletzungen. Jetzt sei er fit. „Die beiden anderen war in den ersten Spielen vor mir. Das ist völlig in Ordnung. Und das macht auch Mainz 05 aus. Es gibt bei uns keine Stellen aufgrund von Namen oder Titeln. Ich freue mich auf jeden Fall auf diese Partie und hoffe darauf, dass ich vom Trainer die Chance kriege“, sagt Bungert. Im Vorfeld habe sich die Mannschaft darauf eingeschworen, dass in dieser anstrengenden und stressigen Europapokalsaison mit mehr Begegnungen als gewohnt, jeder im Kader benötigt werde. „Das gilt auch für mich und ich nehme es als Appell an die anderen Kollegen, die bisher auch noch nicht gespielt haben. Jeder von uns hat die Pflicht weiter Gas zu geben und sich in Topform zu bringen.“

Bungert ist heiß auf das internationale Geschäft. Das man merkt man deutlich. Doch auch der Trainer ist schon tief drin im Europapokalmodus. Für den Schweizer ist dies ebenfalls der nächste Schritt in seiner Entwicklung. Vor etwas mehr als anderthalb Jahren vom U23-Coach zum Cheftrainer am Bruchweg befördert, hat der 49-Jährige die 05er zunächst in der Liga gehalten, dann diesen überragenden sechsten Platz geschafft, der die Qualifikation für die nun beginnende Gruppenphase bedeutete. „Das ist immer die Frage, wo man herkommt. Irgendwo muss man ja herkommen. Man kommt immer von unten und arbeitet sich nach oben. Auch für mich ist dies nun ein neuer Schritt, eine neue Herausforderung. Ich hoffe, dass wir die so bewerkstelligen, wie die bisherigen auch. Fußball ist Fußball“, sagt Schmidt. „So werden wir dieses Spiel annehmen. Wir sind seit Tagen darauf fokussiert, da war viel Arbeit angesagt. Wir werden alles reinlegen und glauben, daran, dass wir auf einem guten Weg sind.“

Die Uefa hat das Kommando in der Arena übernommen und auch alles neu beschildert. Foto: Jörg SchneiderDas enttäuschende 4:4 nach 4:1-Führung gegen die Hoffenheimer am Sonntag sei ausgiebig analysiert worden. Die Fehler, aber auch das, was die Mannschaft eine Stunde lang sehr gut gemacht habe. Die eingefangenen Gegentore in Unterzahl seien ein Extra-Thema, mit dem man sich noch beschäftigen werde. „Für uns ging es in dieser Woche schon sehr stark um die Partie gegen Saint-Etienne. Wir sind bereit für diese Herausforderung. Wenn wir das auf den Platz bringen, was wir können und was wir uns vorgenommen haben, dann kann es ein erfolgreicher Auftritt von uns werden morgen Abend.“

Die Vorbereitung auf diesen Gegner aus der französischen Liga sei nicht ganz so einfach gewesen wie im Liga-Alltag. „In der Bundesliga kennst du jedes Team in- und auswendig. Da geht’s vor dem Spiel fast nur noch um die Systematik und welche Spieler auf dem Platz stehen“, erklärt der 49-Jährige. „Wir haben den Gegner vor einem Jahr im Testspiel in Albertville schon mal kennengelernt, haben sie gesehen in Paris und in Toulouse. Es ist so, dass man mehr lernen muss in kürzerer Zeit.“

Wie das personelle Konzept aussehen wird in dieser Auftaktbegegnung, darüber ließ sich Schmidt nicht explizit aus. „Wir haben den Kader in der Breite stabiler und qualitativ gut aufgestellt“, sagt der Schweizer. „Im zweiten Spiel dieser Woche hat das jedoch noch nicht so die ganz große Wirksamkeit wie in der dritten oder vierten Woche. Fakt ist aber, dass wir am Sonntag 35 Minuten lang in Unterzahl gespielt haben. Der Belastungsreiz war größer als erwünscht. Wir werden etwas rotieren, weil der eine oder andere Spieler besser auf Saint-Etienne passt als am Sonntag auf Augsburg. Aber Spielern, die im Moment gut in Form sind, werden wir diese Form nicht brechen, indem wir sie aus dem Team rotieren. Wir wollen sie körperlich nicht auspressen, aber hochbelasten können wir sie schon.“

Schmidt und seine Profis wollen diese Gruppenphase als eigenen, herausfordernden Wettbewerb angehen und sich hochkonzentriert präsentieren in dieser Premieren-Begegnung. „Die Vorfreude ist riesengroß. Beim Team, ich denke aber auch im ganzen Umfeld und in der Stadt. Wir haben hart dafür gekämpft und uns lange darauf gefreut. Jetzt wird es Zeit, dass es losgeht.“

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