Nichts geht über ein positives Ergebnis

Jörg Schneider. Mainz.
Am Bruchweg ist mit dem Vormittagstraining am Dienstag der Startschuss für die erste Härtephase der Saison gefallen: Der FSV Mainz 05 muss am Samstag zunächst zum FC Bayern München und hat danach in der Englischen Woche die Heimspiele gegen die TSG Hoffenheim und Hertha BSC vor der Brust. Angesichts dieses Programms kam der 3:1-Sieg gegen Bayer Leverkusen gerade recht. „Es ist wichtig für das allgemeine Vertrauen, für die Art, wie wir jeden Tag trainieren, wie wir spielen wollen, dass du Ergebnisse ziehst. Das brauchst du einfach. Damit das Vertrauen weiter wächst“, sagt Sandro Schwarz. „Im Leistungssport geht der letzte Schritt immer nur über Ergebnisse.“

Mit dem ersten Training dieser Woche ist am Dienstagmorgen am Bruchweg der Startschuss gefallen für die erste richtige Härtephase in der Bundesliga. Der FSV Mainz 05 hat innerhalb von acht Tagen drei schwere Aufgaben vor der Brust: Am Samstag stellt sich die Mannschaft von Sandro Schwarz beim FC Bayern München in der Allianz Arena vor, kommenden Mittwoch erwarten die 05er zu Hause die TSG Hoffenheim und am nächsten Samstag folgt zum Abschluss der Englischen Woche die Partie gegen Hertha BSC Berlin, das zweite Heimspiel hintereinander.  Danach wird sich zeigen, wohin die Tendenz geht beim aktuellen 13. der Tabelle.

Angesichts dieses Programms war der 3:1-Sieg am Wochenende gegen Bayer Leverkusen extrem wichtig. Nicht nur weil damit die ersten drei Punkte im Sack sind, sondern im Hinblick darauf, dass die Mannschaft Widerstände überwinden kann, Comeback-Mentalität gezeigt hat. Und weil durch die Vorstellung in der zweiten Halbzeit das Vertrauen in den eingeschlagenen Weg, in die eigenen Fähigkeiten rapide gewachsen ist. Das war notwendig nach zwei verlorenen Begegnungen zuvor. Die Art und Weise, wie die 05-Profis dieses Ergebnis erarbeiten nach einer schwierigen ersten Hälfte, gibt Selbstvertrauen und bestärkt das Team darin, dass es möglich ist Spiele zu gewinnen, auch gegen qualitativ hochwertig besetzte Gegner wie Leverkusen.

Beispielhaft für den Wandel der 05er im Spiel gegen Bayer 04: Levin Öztunali, vor der Pause meist ohne Spielglück und hinten dran, steigerte sich, hatte Szenen, Abschlüsse und bereitete zwei Tore zum Sieg vor. Foto: Ekkie VeyhelmannDer 05-Trainer hat mit seinem Kader wie üblich die Partie in der Analyse noch einmal genauestens unter die Lupe genommen. Die Eindrücke, die er schon im Spiel gewonnen habe, seien in der Video-Analyse bestätigt worden, sagte Schwarz am Mittag in der kleinen Medienrunde am Bruchweg. „Dass auch in der ersten Halbzeit die Arbeit gegen den Ball und die Defensivorganisation vom Niveau her ordentlich bis sehr gut war. Dass wir uns das schlechte Gefühl in erster Linie durch die häufigen, einfachen Ballverluste geholt haben. Dass wir nach dem Ausgleich in der zweiten Halbzeit viel Zug und Tempo in unseren Aktionen hatten, dass wir drei Tore aus unterschiedlichen Situationen heraus erzielt haben“, so der 38-Jährige. „Da sieht man dann einfach, was Erfolgserlebnisse ausmachen bei Menschen, besonders bei Leistungssportlern.“

Schwarz bezeichnete die Rettungsaktion von Danny Latza, der ein fast sicheres 0:2 mit einer überragenden Grätsche am eigenen Strafraum verhinderte sowie das gut herausgespielte Ausgleichstor von Yoshinori Muto als Brustlöser. Als Signal dafür, dass die Spieler von einer Minute zur nächsten mehr Sicherheit fanden, Selbstbewusstsein tankten, mehr Zutrauen in die eigenen Aktionen legten. „Das hat man dann vor allem gesehen in den Phasen, in denen wir den Ball hatten. Mit dem Erfolgserlebnis spürst du dann einfach, dass es etwas auslöst, so, dass die Dinge funktionieren. Das ist für uns enorm wichtig. Dafür, dass man, wenn das Ergebnis mal nicht kommt wie in den ersten Spielen, nicht grundsätzlich werden soll.“ Nicht alles in Frage stellen soll vom System bis zu den einzelnen Protagonisten. „Aus unserer Perspektive heraus ist das, was vorher war, auch nicht mit fehlendem Willen zu erklären. Die Psyche spielt aber einfach eine entscheidende Rolle“, sagt Schwarz. „Der größte Schritt war nach dem Rückstand, dass wir nicht wie in den ersten Spielen schlecht reagiert haben, sondern es war ein Beweis, dass wir aus einer schwierigen Situation heraus zurückkommen können. Dieser Widerstandsgeist ist für uns wichtig. Wir haben uns festgebissen. Das fällt dir einfacher, wenn du ein Tor schießt und jubeln kannst, wenn die Zuschauer da sind, ein gutes Wechselspiel mit dem Publikum da ist. Das treibt dich an, und das brauchen wir für unsere Spielweise. Und um den Gegner, wenn wir ihn am Haken haben, nicht mehr loszulassen. Das haben wir gemacht.“

Vertrauen holen über einfache Dinge

In schwierigen Phasen wie nach zwei Auftakt-Niederlagen könne man sich im Spiel nicht das Vertrauen holen über komplizierte Abläufe, sondern nur über die einfachen Dinge. „Das ist die Arbeit gegen den Ball, die Zweikampfschärfe“, erklärt der Coach. „Dazu ist es wichtig für das allgemeine Vertrauen, für die Art, wie wir jeden Tag trainieren, wie wir spielen wollen, dass du Ergebnisse ziehst. Das brauchst du einfach. Damit das Vertrauen weiter wächst. Im Leistungssport geht der letzte Schritt immer nur über Ergebnisse, nicht über Mannschaftsbesprechungen, über die Trainingsform. Diesen ersten Schritt haben wir jetzt vollbracht.“

Entsprechend gut war die Stimmung beim Auftakt-Training am Vormittag. Ein Sieg macht den Alltag leichter und stärkt noch einmal das Engagement. Vor allen Dingen vor einer solchen Aufgabe, die am Samstag auf die 05er wartet. Der FC Bayern München wird unabhängig vom Ausgang des Champions-League-Matches gegen den letztjährigen Europaliga-Gegner der 05er, RSC Anderlecht, alles dafür tun, dass die Bundesliga-Niederlage in Hoffenheim ein unangenehmer Ausrutscher bleiben wird. Schwarz schreckt das nicht, zumal er weiß, dass Mainzer Mannschaften mit dieser krassen Außenseiterrolle in München schon einige Male sehr gut umgegangen sind und die Bayern dies auch wissen. Doch der 05-Trainer stellt seine Mannschaft vom ersten Training dieser Woche darauf ein, „dass wir viele Phasen in diesem Spiel haben werden, in denen wir leiden werden, in denen wir viel Druck aushalten müssen.“

Also geht’s in den Einheiten der nächsten Tage darum, die nötige Einstellung dafür und die notwendigen Mittel auf dem Platz zu mobilisieren. „Es ging heute schon gleich darum, viele Dinge zu verteidigen, weil wir das brauchen“, erklärt der Coach. In den Spielformen waren jede Menge verschiedenfarbige Stangentore in den diversen Bereichen des Platzes aufgestellt, die geschützt werden mussten. „Wir wollten viele Tore verteidigen im Feld, nicht nur ein Großtor, sondern alle möglichen Passwege, Zonen bearbeiten. Und wir beschäftigen uns die ganze Woche mit Umschaltaktionen.“ Der eigene Ballbesitz ist in München vernachlässigbar, es geht darum, Bälle zu erobern, umzuschalten, daraus Chancen zu erarbeiten und diese zu verwerten. Dafür ist gerade im Spiel gegen die Bayern eine hohe Effizienz notwendig. Bayer Leverkusen hat es zum Saisonstart im Prinzip vorgemacht, wie es geht. Die Werkself ließ bei mutiger Spielwiese jedoch eine Vielzahl von Top-Gelegenheiten ungenutzt und kassierte am Ende auch dort eine 1:3-Niederlage.

Personell sieht es unterdessen wieder besser aus im Mainzer Kader. Philipp Klement und Alexandru Maxim waren im Mannschafstraining, allerdings noch nicht wieder mit der vollen Belastung. Danny Latza drehte ein paar Runden. Der an der Wade verletzte Sechser soll am Donnerstag wieder einsteigen, wenn alles normal läuft. Emil Berggreen, Gaetan Bussmann, Alexander Hack und auch Kenan Kodro sind nach wie vor nicht im Mannschaftstraining. Hack war am Dienstag mit dem Reha-Trainer auf dem Platz.

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