Nicht wieder die gleichen Fehler machen

Jörg Schneider. Mainz.
Aschermittwoch ist beim FSV Mainz 05 schon einen Tag früher als für den Rest der Stadt angesagt. Die Bundesliga-Profis, vor allem diejenigen, die aktiv am Rosenmontagszug teilnahmen, haben die närrischen Tage schadlos überstanden und sich am Dienstag wieder konzentriert in den Start der Vorbereitungen auf das Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg gestürzt. „Es ist ein gutes Gefühl, auswärts mal wieder souverän zu spielen und zu punkten“, sagte Stefan Bell, einer der besten 05er beim 2:0-Sieg in Leverkusen. „Aber der Kernpunkt bleibt die Herausforderung, gegen Wolfsburg nachzulegen. Wir können uns nicht erlauben, dass wir nur jedes zweite Spiel gut spielen.“

Die närrische Abordnung des Bundesligisten im Rosenmontagszug: Physio Stefan Stuewe, Leon Balogun, Aaron Seydel, Stefan Bell, Niko Bungert (hintere Reihe von links). Davor: Daniel Brosinski, Fabian Frei, Danny Latza und ganz vorne Gaetan Bussmann. Foto: Imago Am Dienstagmorgen war für die Profis des FSV Mainz 05 bereits Aschermittwoch. Schluss mit Fassenacht und wieder volle Konzentration auf das bevorstehende Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg, der am Samstag in der Opel Arena aufschlägt. In einer Partie, in der die Mainzer Bundesliga-Spieler zeigen wollen und müssen, dass die souveräne Vorstellung beim 2:0-Erfolg am Fastnachtssamstag bei Bayer Leverkusen keine Eintagsfliege war.  Zum Trainingsauftakt präsentierte sich die Mannschaft dann auch wieder fit und motiviert auf dem Rasen im Bruchwegstadion. Der Rosenmontag hat keine Schäden oder Nachwirkungen hinterlassen. Auch nicht bei den acht Profis, die auf dem 05-Wagen mitgefahren waren durch die Mainzer Innenstadt. Stefan Bell, der zusammen mit Fabian Frei, Gaetan Bussmann, Niko Bungert, Daniel Brosinski, Aaron Seydel, Leon Balogun sowie Danny Latza, der mit seinem Prinzessinnen-Kostüm den Vogel abschoss, dabei war, sprach nachher von einem tollen Erlebnis und einer fantastischen Stimmung. „Dafür ist der Montag da. Mal etwas feiern, gehört auch dazu. Danach geht es wieder volle Kanne los“, sagte der Innenverteidiger. Für seinen Kollegen Frei war die aktive Teilnahme am Zug sowieso ein Höhepunkt des Jahres. „Das ist etwas, von dem ich schon geträumt habe, als ich in Mainz unterschrieben habe“, sagte der Schweizer, der seine närrische Premiere gab, nachdem der Zug im vergangenen Jahr ausgefallen war.

Sie hatten allen Grund, diesen Tag und dieses Erlebnis zu genießen nach dem Spiel zwei Tage zuvor, in dem die Mainzer eindrucksvoll gezeigt hatten, dass sie auch gegen einen hochgelobten Angriff zu null spielen und ein Schlüsselspiel gewinnen können. „Ich bin sehr happy mit diesem Sieg, mit der Mannschaftsleistung, dass ich selbst 90 Minuten mit den Kräften dabei war und dem Team helfen konnte“, sagte Frei nach dem Erfolg in der BayArena strahlend. „Ich bin sehr zufrieden mit der Leistung, auch mit meiner persönlichen. Das kommt selten genug vor, aber wenn’s so ist, kann man es ja auch mal sagen“, erklärte der Schweizer. „Es war schön, ich habe mich sehr darüber gefreut, wieder mal von Anfang an dabei sein zu dürfen. Ich hoffe, dass es so weiter geht.“ Der 05-Trainer hatte ihm den Vorzug vor Jean-Philippe Gbamin auf der sechs gegeben, weil Frei als technisch starker Passgeber die Umschaltaktionen einleiten sollte. Der Mittelfeldspieler überzeugte dann aber vor allem in den Leverkusener Druckphasen nach der 2:0-Führung als verbissener Zweikämpfer, Balleroberer und Defensivorganisator an der Seite Latzas und brachte sich auf dieser Position wieder nachdrücklich ins Gespräch.

„Wir hatten da eine gute Abstimmung“, erklärte der 28-Järhige. „Es ist von Vorteil, wenn man sich gut versteht. Wer Danny und mich kennt, weiß, wie gut wir uns auch neben dem Platz verstehen. Mit Bello und Andrej funktioniert das auch wunderbar hinten drin. Ich will nicht sagen, dass dies auf Französisch oder Spanisch nicht so gut klappen kann, aber es ist natürlich einfacher, wenn man alle Kommandos auf Deutsch weiterleiten kann.“ Bell und Ramalho harmonierten erneut prächtig auf der Innenverteidigerposition, hielten die Bayer-Angreifer in Schach. Abgerundet wurde das Mainzer Defensiv-Geflecht von den sehr engagierten und kämpferischen Giulio Donati und Bussmann auf den Außenverteidiger-Positionen. „Ich hatte nie das Gefühl in der zweiten Hälfte, das wir noch in Bredouille kommen. Das ist ein schönes Gefühl und kommt nicht jedes Wochenende vor. Das war eine gute Mannschaftsleistung von uns defensiv wie offensiv. Und wenn man ein Spiel mit Standrads entscheidet, ist es auch mal schön“, sagte Frei. „Leverkusen hat diesmal dasselbe Gefühl gehabt wie wir vergangene Woche gegen Bremen. Da hätten wir auch noch stundenlang weiter spielen können und hätten  kein Tor geschossen.“

Intern kritische Worte gefunden

Stefan Bell, dem Sportdirektor Rouven Schröder eine überragende Leistung attestierte, weil der Innenverteidiger ein perfektes Stellungsspiel, großes Organisationstalent und die beste Zweikampfqoute auf dem Boden sowie in der Luft auf den Platz brachte, dazu noch mit dem Kopfball zum 1:0 die Partie in die gewünschte Richtung lenkte, stimmte dem Kollegen in allen Belangen zu. „Ein Sieg auswärts in Leverkusen ist nichts Alltägliches für Mainz 05. Das kann man schon als hervorragendes Ergebnis einstufen“, sagte der 05-Kapitän. „Es scheint so, dass immer, wenn man meint, jetzt sind wir unten drin oder haben eine negative Phase, dann kommt immer wieder so ein Sieg. Wir haben aber viel aus dem Bremen-Spiel gelernt“, betonte Bell, der den Blick allerdings gleich nach vorne richtete. „Jetzt gilt es zu Hause gegen Wolfsburg nicht wieder die gleichen Fehler zu machen. Wir haben diesmal wirklich über 94 Minuten super stark gespielt, super konzentriert. Wir haben es auch geschafft, die Druckphasen gut und ohne Großchance zu überstehen. Es gab insgesamt nur eine Chance nach einer Ecke, die Jonas Lössl abgewehrt hat, ansonsten kann ich mich an keine gefährliche Aktion aus dem Spiel heraus erinnern. Das ist gegen eine Mannschaft, die in der Offensive so stark aufgestellt ist, schon gut.“

Die Frage, die man sich stellen müsse, sei die, warum es manchmal so laufe, wie in der Woche zuvor gegen Bremen. „Intern haben wir durchaus kritische Worte dafür gefunden und uns gegenseitig gefragt, was los war und woran es gelegen hat. Dass acht, neun Leute komplett unter Form gespielt haben, darf uns nicht zu oft passieren. Vielleicht ist es aber ganz gut, wenn man ab und zu einen solchen Denkzettel bekommt, um zu merken, okay, wir sind Mainz 05, und wir müssen jedes Spiel 100 Prozent Einsatz bringen. Es geht nicht mit weniger“, erklärte Bell. „In den letzten Jahren war es eine wichtige Eigenschaft von uns, dass wir, wenn es enger wird, konzentriert die Leistung abrufen und gewinnen können. Jetzt haben wir uns mit diesem Sieg wieder in eine Situation gebracht, in der wir im nächsten Spiel extrem gefordert sind. Der nächste Schritt für unsere Truppe muss sein in dieser Saison, eine solche Leistung wie gegen Leverkusen zu bestätigen.“

Die Mannschaft habe sich etwas ausgerechnet vor dieser Partie und sei mit dem Willen, dies umzusetzen, nach Leverkusen gefahren. „ Wir haben dort zuletzt oft gut ausgesehen. Es war uns schon bewusst, dass dies ein Gegner ist, der gut zu uns passt in der Situation, auch von der Spielweise her.“ Mit dem Kopfball zum 1:0 in der dritten Minute nach dem präzisen Eckball von Levin Öztunali bereitete der Innenverteidiger den Weg. Für Bell war es der achte Bundesligatreffer. Der vierte in dieser Saison. „Der Ball war perfekt gespielt“, berichtete der 26-Jährige nachher. „Oft ist es so, dass man als defensive Mannschaft einen Spieler an den ersten Pfosten stellt, der die Eckbälle, die zu tief kommen, abfängt. Der Königsweg ist über den drüber zu spielen, weil das dann schwerer zu verteidigen ist. Genauso war der Ball gespielt. Über den Mann drüber, ich hatte ein gutes Timing und bin sehr frei zum Einlaufen gekommen. Es ist ein gutes Gefühl, auswärts mal wieder souverän zu spielen und zu punkten“, sagte Bell, „aber der Kernpunkt bleibt die Herausforderung, gegen Wolfsburg nachzulegen. Das ist extrem wichtig, weil das eine Mannschaft ist, die hinter uns steht. Wir können uns nicht erlauben, dass wir nur jedes zweite Spiel gut spielen.“

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