Neuorganisation in zwei Schritten

Christian Karn. Mainz.
Noch in diesem Jahr will sich der FSV Mainz 05 neu organisieren. Präsident Harald Strutz und sein Vorstandskollege Jürgen Doetz stellten am Dienstag den Fahrplan vor: Am 19. Juni werden die 05er Mitgliedern und Fans die aktuell drei denkbaren Strukturmodelle vor- und zur Diskussion stellen. Im weiteren Verlauf des Jahres sollen die Mitglieder zunächst die neue Struktur wählen, dann in einer weiteren Versammlung die Positionen der neuen Gremien personell besetzen.

Harald Strutz (links) informierte heute über den Fahrplan der Vereinsneustrukturierung der 05er.Schlag auf Schlag geht es in diesen Tagen beim FSV Mainz 05. Der Europapokalfeier, der Vorstellung des neuen Sportdirektors, dem Abschied des Kapitäns, der Vorstellung des neuen Stadionsponsors folgte nun, nur einen Tag nach Abschluss der Abstiegsrelegation der Bundesliga, bereits die nächste weitreichende Verlautbarung:

Für die 05-Fans und -Mitglieder, so erklärten Präsident Harald Strutz und sein Vorstandskollege Jürgen Doetz am Dienstagmorgen am Bruchweg, wird es in diesem Jahr ebenfalls noch viel zu tun geben; drei Versammlungen haben die 05er angekündigt, die alle noch in diesem Jahr stattfinden sollen. Dabei geht es um nicht weniger als die zukünftige Organisationsform des FSV Mainz 05.

Dass der Verein sich neu strukturieren will und muss, ist bekannt. Im Großen und Ganzen soll ein Aufsichtsrat installiert werden. Das wollten die 05er ursprünglich 2017, nach Ablauf der Amtszeit des aktuellen Vorstands, umsetzen; nach dem vorzeitigen Abschied von Manager Christian Heidel ziehen sie es nun vor. Zwei Stufen hat die Reform in den Planungen der bisherigen Entscheidungsträgern: Erst soll im Rahmen der turnusmäßigen Mitgliederversammlung Anfang Oktober eine neue Organisationsform gewählt werden. Anschließend, möglichst zeitnah, sollen die Mitglieder wiederum die neuen Posten in den Gremien personell besetzen. "Der Zeitplan ist nicht in Marmor gemeißelt", sagte Doetz, "aber das Zeitraster sieht vor, dass wir im Oktober oder November die neue Struktur des Vereins haben werden, mit den Personen, die notwendig sind."

Als allererstes aber laden die 05er nicht nur ihre Mitglieder, sondern auch ihre Fans ein zu einer Informationsveranstaltung am 19. Juni. "Dort wollen wir die anwendbaren Modelle zur Diskussion stellen", erklärte Strutz. Sieben Mann sind derzeit dabei, diese Modelle zu entwickeln: Aus dem Vorstand Strutz und Doetz selbst sowie Andreas Krafft, außerdem zwei 05-Beiräte, der Rechtsanwalt Johannes Zindel und der Steuer- und Unternehmensberater Gerd Krämmer. Außerdem haben sich die 05er zwei externe Fachleute ins Gremium geholt, nämlich den Stadtwerke-Vorstand Detlev Höhne und Engelbert Günster, einst Geschäftsführer von Boehringer Ingelheim, inzwischen Präsident der Industrie- und Handelskammer Rheinhessen. "Wirtschaftsfachleute", sagte Strutz, "die Einblicke in Unternehmensführung haben."

Die große Herausforderung: Eine Satzungsänderung muss her. Die gibt es nur mit Zwei-Drittel-Mehrheit der anwesenden Stimmberechtigten. "Wenn wir die nicht bekommen", sagte Doetz, "stehen wir vor einem Scherbenhaufen." Deshalb wollen die Funktionäre ihre aktuell drei denkbaren Modelle - zum Teil angelehnt an die Strukturen der anderen drei eingetragenen Vereine, die ihren hochklassigen Profifußball noch nicht ausgegliedert haben, nämlich Schalke 04, den VfB Stuttgart und den SC Freiburg - im Juni nicht nur vorstellen, sondern auch zur Diskussion stellen. "Mitglieder und Fans sollen und müssen weitere Gedanken äußern können", erklärte Strutz. "Nach dem 19. Juni werden wir so ein Stimmungsbild haben, von dem abhängt, wie es weitergeht. Ob - wie auf Schalke - der Aufsichtsrat den Vorstand bestellt, ob - wie in Stuttgart und Freiburg - nicht nur der Aufsichtsrat, sondern auch der Vorstandschef von der Basis gewählt wird, ob eine eigene Struktur zur Wahl gestellt wird.

Persönliche Details, auch persönliche Eitelkeiten wollen die 05er dabei erst einmal gar nicht thematisieren. "Bis zur Vorlage eines Satzungsentwurfs machen wir dazu keine Aussagen", sagte Doetz, auch intern spiele das keine Rolle. "Wir wollen eine Strukturdiskussion. Wir versuchen, es zu entpersonalisieren. Das Beratungsgremium" - Zindel, Krämmer, Höhne, Günster - "würde sich heftig dagegen wehren, in eine Personaldiskussion eingebunden zu werden. Ich hoffe, man nimmt es uns ab, dass es um eine offene Diskussion geht."

Die Geschäftsführerebene soll dabei erhalten bleiben, betonte Strutz. Das betrifft Michael Kammerer, zuständig für Organisation und Verwaltung, Dag Heydecker (Vertrieb, Marketing, CSR, Ticketing, Mitgliederservice, Fanbetreuung), Tobias Sparwasser (Medien, PR), Christopher Blümlein (Finanzen, Controlling). Der Vorstand habe sich schon bereit erklärt, zur gegebenen Zeit geschlossen zurückzutreten. Bis dahin wollen sich die Vorstandsmitglieder je nach Fachgebiet intensiver einbringen. "Heidel als Filter zwischen Vorstand und Geschäftsführung fällt weg", sagte Doetz, "aber für die Übergangszeit von sechs Monaten werden wir keine neuen Hierarchien einführen." Und Sportchef Rouven Schröder, per Vertrag Vorstandsmitglied, wird vom Rücktritt ausgenommen; Doetz betonte jedoch, dass "jeder Vorstand und Aufsichtsrat sowieso froh wäre, einen Fachmann wie ihn zu haben."