Neuer Anlauf mit bekanntem Ansatz

Jörg Schneider. Mainz.
Der kommende Gegner des FSV Mainz 05 in der Bundesliga hat seine Champions-League-Partie beim PSV Eindhoven mit 0:2 verloren. Co-Trainer Peter Perchtold hat den VfL Wolfsburg vor Ort unter die Lupe genommen und nach Ansätzen gesucht, wie die 05er dem Tabellendritten am Samstag in der Coface Arena Paroli bieten können. Die Mainzer selbst fühlen sich nach ihrem 3:3 in Augsburg gestärkt in der Überzeugung, diesmal einen erfolgreichen Anlauf gegen einen der Großen der Liga nehmen zu können.

Martin Schmidt, Peter Perchthold und Stephan Kuhnert: Die 05-Trainercrew sucht nach dem richtigen Matchplan fürs Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg. Peter Perchtold saß am Mittwochabend in Eindhoven auf der Tribüne. Der Co-Trainer des FSV Mainz 05 war mit dem Auftrag nach Holland gereist, um Ansätze zu finden, wie der VfL Wolfsburg auswärts zu knacken sein könnte. Die 0:2-Niederlage des Bundesliga-Dritten im Champions-League-Auftritt beim holländischen Meister dürfte Perchthold einige Aufschlüsse darüber geliefert haben, was gegen das Team von Dieter Hecking zu tun sein wird am Samstag in der Coface Arena. Der PSV Eindhoven löste seine Aufgabe mit großem Aufwand in Sachen Laufleistung und Einsatzbereitschaft, harter Pressingarbeit, verwickelte den Gegner in intensiv geführte Zweikämpfe in allen Zonen und schaltete nach Balleroberung etliche Male effektiv um.

Das wird auch der Mainzer Ansatz sein im Heimspiel. Ähnlich wie in den Begegnungen mit Bayern München und Borussia Dortmund. Auch gegen diese Top-Klubs sahen die 05er lange Zeit gut aus mit ihrer von klarer Defensiv-Organisation, von Lauf- und Zweikampfstärke geprägter Balljagd und schnellem Umschaltspiel. Auch wenn sich die Mannschaft von Martin Schmidt am Ende der individuellen Qualität bei gleichzeitig fehlendem Matchglück beugen musste. Nun nehmen die Mainzer einen neuen Anlauf, sich gegen einen der Großen der Liga zu behaupten. Dass dies möglich ist, zeigen die Wolfsburger Ergebnisse auf fremden Plätzen. Von seinen bisher fünf Bundesliga-Auswärtsspielen hat der kommende 05-Gegner nur eines gewonnen – 1:0 in Darmstadt.

Das 3:3 in Augsburg hat den Mainzern nach den vorangegangenen Niederlagen einiges an Selbstbewusstsein zurückgegeben. Dazu den Glauben daran gestärkt, dass es mit dieser Spielweise möglich ist, in die Spur zurückzufinden, wenn es gelingt, mit der nötigen Effizienz aufzutreten und die Eigenfehler zu minimieren. Schmidts Team hat in einer schwierigen Saisonphase Mentalität und Identität gezeigt. „Klar, wir waren nachher erst einmal enttäuscht. Wenn du 2:0 führst, ist es nicht verboten auch zu gewinnen. Aber wenn du zurückliegst, noch ein Tor machst und den Punkt holst, ist das enorm wichtig für die Mentalität und das Gefühl. Deshalb bleibt es ein guter Punkt, aber es sind trotzdem zwei verlorene. Gegen Mannschaften, die hinter uns stehen, ist unser Anspruch, diese Spiele zu gewinnen“, sagt der 05-Trainer.

„Dieses Erlebnis war gut für uns"

Immerhin ein Punktgewinn. Der 13. der laufenden Saison. „Die Sonntagsresultate haben dann nochmal die Wichtigkeit gezeigt, wie es gewesen wäre, ohne einen Punkt dazustehen. Ich habe bei den einzelnen Spielern gesehen, wie ihnen förmlich ein Stein vom Herzen gefallen ist. Wir haben nicht alles richtig gemacht, aber noch einen Punkt mitgenommen. Aufs Team wirkt das. Das haben wir schon bei der Rückfahrt und am Sonntag beim Auslaufen gemerkt. Da ist dann wieder ein anderes Gefühl drin“, sagt Schmidt. „Dieses Erlebnis war gut für uns. Das war eine Befreiung, so etwas nimmt man mit in die Trainingswoche. Wenn es auch nur ein Zähler war, die Gesamtleistung war okay.“

An Schmidt selbst sind die Niederlagenserie und die zuletzt massive Verletzungslage auch nicht spurlos vorbei gegangen. Das Hineinrutschen in eine Situation, in der im Umfeld plötzlich vieles in Frage gestellt wurde. „Nach dem Sieg zu Hause gegen Hoffenheim musste ich Fragen zum Thema Europaliga beantworten, und ein paar Wochen später bin ich der falsche Trainer“, sagt der 48-Jährige. „Ich bin der, der draufguckt und ruhig bleiben muss. Man kann sich als Trainer nicht von äußeren Dingen beeinflussen lassen, weil man ja in  den Inhalten und Prinzipien bleiben muss. Man weiß ja, was nicht gut ist. Es geht darum, fokussiert zu bleiben, um die Dinge zu verbessern.“

Das 3:3 in Augsburg sei für ihn und die Mannschaft ein wichtiges Resultat gewesen, weil es den Glauben gestärkt habe, was das Team stark mache, welcher Fußball das Team stark mache. „Aus einer guter Ordnung und guten Positionen heraus den Ball jagen. Pressing. Gegenpressing. Mit Tempo umschalten, mit der nötigen Effizienz in des Gegners Hälfte“, betont der 05-Coach. „Die Tore haben wieder ausgesehen wie das, was uns ausmacht. Nach Nackenschlägen zurückkommen, dranbleiben. Mutiger sein. Sich nicht damit zufriedengegeben.“ In Augsburg habe man schon gesehen, was im 05-Team stecke. „Dass die Mannschaft lebt. Dass unser Spiel nach vorne in die Tiefe klappt. Willig sein und immer dran glauben, was holen zu können. Das ist auch im Hinblick auf Samstag wichtig.“

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