Nachhilfe in einigen Fächern

Jörg Schneider. Mainz.
Nach dem Heimspiel am Samstag in der Coface Arena gegen Hannover 96 geht die Bundesliga in die zweiwöchige Länderspielpause. Danach hält der Spielplan für den FSV Mainz 05 ein hammerhartes Programm bereit. Schalke, Hoffenheim, Leverkusen, Bayern heißen die Gegner. Da wird eine Spielweise gefragt sein wie beim 2:1-Sieg von Mönchengladbach. Darauf will Martin Schmidt aufbauen. Im Borussia-Park stimmten Taktik, Einsatz, Kampf und Laufleistung. Nun geht es darum, das eigene Pressing, vor allem das Gegenpressing voranzubringen und auch fußballerisch besser zu werden.

Die Leistungsdaten seiner Spieler immer auf Abruf bereit: 05-Trainer Martin Schmidt braucht auch im Training häufig den Computer. Foto: Jörg SchneiderDie Trainingseinheit am Mittwochmorgen absolvierten die Profis des FSV Mainz 05 unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Martin Schmidt hat mit dem Team taktische Spielformen und bestimmte Anforderungen erarbeitet, die das Spiel am Samstag in der Coface Arena gegen Hannover 96 von den Mainzern verlangt. Nach der Heimpleite zum Auftakt gegen den FC Ingolstadt hat der für viele überraschende 2:1-Auswärtssieg bei Borussia Mönchengladbach die allgemeine Stimmung aufgehellt. Die 05er haben sich angemeldet in der Liga. Doch wo stehen die Mainzer nach zwei Spieltagen? Wie ist die Befindlichkeit innerhalb des Kaders?

„Wir wissen jetzt, was geht, in welchen Fächern wir gut sind.  Und in welchen Fächern wir noch Nachhilfe brauchen“, sagt der Trainer. „Inhaltlich waren wir bei aller Enttäuschung immer im Klaren. Dass wir gegen einen tiefstehenden Gegner noch nicht die allerbesten Lösungen haben, das ist ja kein Geheimnis. Wo wir aber Herausforderer sind, wo wir konzentriert verteidigen können, da sind wir stark. Unser Umschaltspiel ist mittlerweile so ausgereift, dass es sogar gegen ein Team wie Gladbach klappt, mit wenigen Kontakten und mit hohem Tempo in des Gegners Hälfte. Das üben wir immer wieder. Da sind wir gut. Das wissen auch die Gegner.

Natürlich müsse nun das Ziel heißen, den Plan B und C zu verbessern für andere Aufgabenstellungen. In den kommenden Wochen sei zunächst aber doch eher die Gladbach-Spielweise gefragt. „Aber wenn ich den September sehe nach der Hannover-Partie und der Länderspielpause, mit Schalke, Hoffenheim Leverkusen und Bayern, denke ich, dass wir mit unserer jetzigen Art des Spiels gut aufgestellt sind.“ Der Sieg im Borussia-Park, das ist in diesen Tagen herauszuhören und auch im Training zu beobachten, hat der Mannschaft viel von der gegen die Ingolstädter verlorenen Sicherheit zurückgegeben. Darauf muss der Schweizer aufbauen. „Wir arbeiten intensiv am Pressing und am Gegenpressing. Wenn man das perfektioniert, kommt man auch gegen einen tiefstehenden Gegner auf Umschalt- und Konterchancen. Wenn man in der gegnerischen Hälfte ist und den Ball verliert, muss man ihn direkt zurückerobern. Wenn  man dann schnell in die Tiefe umschaltet, hat man diesen Effekt. Daran arbeiten wir“, erklärt der 48-Jährige.

Die zweiten Bälle gewinnen. Pressing, Gegenpressing. Das sind die inhaltlichen Arbeitsbeschreibungen in der nächsten Zeit. Das alles fehlte im ersten Heimspiel nahezu komplett. „Wenn der Gegner in seiner Hälfte den Ball abgewehrt hat, fiel die Kugel immer denen vor die Füße. Da konnten wir nix mit anfangen. Das muss besser werden. Und das war in Gladbach schon besser.“

So wie der 05-Kader zusammengestellt sei, werde es nicht möglich sein, aus den 05ern ein reines Ballbesitzteam zu machen. „Wir müssen mit unseren schnellen und schnellkräftigen Leuten das Spiel in die Tiefe perfektionieren“, sagt Schmidt. Bei Mainz 05 muss die Laufleistung, die Vorwärtsverteidigung und die Leidenschaft immer die größte Rolle spielen, um Spiele gewinnen zu können. Zu Hause ebenso wie auswärts. Außerdem ließ auch der Gladbach-Auftritt noch viel Luft nach oben, um sich rein fußballerisch zu verbessern. „Durch den Erfolg glauben die Spieler jetzt mehr an die eigene Arbeit. Wir haben in Mönchengladbach fast 126 Kilometer gebolzt. Damit sind wir fast zehn Kilometer über allen Anderen und weit über dem Schnitt. Das zeigt auch, wo unser Leistungsniveau ist. Wir brauchen diese Laufleistung und diese Sprints, um unseren Fußball spielen zu können.“

Julian Baumgartlinger mit über 13 Kilometern, Yoshinori Muto mit 12,5, Fabian Frei mit zwölf, Yunus Malli, auf 90 Minuten hochgerechnet, mit mehr als 13 Kilometren. Das waren die Bestmarken. Und das sind für Schmidt relevante Werte. „Der Danny Latza läuft in den letzten 28 Minuten fast fünf Kilometer. Wenn man das aufrechnet, gibt das über 14 Kilometer. Damit wissen wir nun, dass wir es in den Füßen haben. Das müssen wir in die Waagschale werfen.“

Und das müsse auch das Rezept am Samstag gegen die 96er sein. Das wird wieder ein komplett anderes Spiel. Das Team von Michael Frontzeck wird ähnlich wie die 05er in Gladbach, aus einer starken Defensivordnung heraus seine Chancen suchen. Unabhängig wie tief der Gegner steht, wie stark die 96er die Räume verdichten, die Mainzer brauchen in jedem Fall eine hohe Laufleistung, Zweikampfstärke, den Gewinn der zweiten Bälle und engagiertes Gegenpressing, um anders auszusehen als bei ihrer Auftakt-Veranstaltung.  Eine solche Gesamt-Performance wie im Borussia-Park, sagt Schmidt, „müssen wir jede Woche bringen.“