Nach dem Fehlgriff den Sieg gerettet

Jörg Schneider. Mainz.
Viel fehlte nicht und Jonas Lössl hätte selbst eine neue Torhüter-Diskussion entfacht. Der Däne im Kasten des FSV Mainz 05 lieferte beim 4:2-Erfolg des Bundesligisten gegen den SC Freiburg insgesamt eine prächtige Vorstellung ab, verschuldete aber in der Schlussphase den Gegentreffer zum 2:3. Weil der 27-Jährige danach jedoch mit einer weiteren Großtat den Vorsprung festhielt und Karim Onisiwo mit seinem ersten Saisontreffer schließlich den Deckel draufmachte, blieb der Lapsus ohne schwerwiegende Folgen. „Das darf mir nicht passieren“, sagte der Keeper nachher selbstkritisch. „Es schmerzt mich einfach, einen solchen Fehler zu machen. Ich bin sehr glücklich, dass wir trotzdem noch gewonnen haben.“

Der Torhüter war einfach nur glücklich und strahlte über das ganze Gesicht. „Ein fantastischer Teamerfolg. Danke an die Jungs, dass sie vorne noch einen gemacht haben. Ein solcher Sieg ist super“, sagte Jonas Lössl nach dem 4:2-Erfolg des FSV Mainz 05 im Heimspiel in der Opel Arena gegen den SC Freiburg. Ein Sieg, der gerade in der Schlussphase heftig am Wackeln war. Und der Däne im Mainzer Kasten war es, der zunächst den Hauptanteil daran trug, dass dieses Spiel beim Stand von 3:1 noch zur Zitterpartie wurde. Lössl war es dann aber auch, der mit der letzten von an diesem Tag zahlreichen  herausragenden Rettungsaktionen die drei Punkte festhielt.

Die letztlich spielentscheidende Situation im Heimspiel: Jonas Lössl drückt den Ball neben den Pfosten, verhindert in dieser Szene den Ausgleich gegen Marc Torrejón in der Nachspielzeit und sichert damit den 05-Erfolg. Foto: ImagoIn der 85. Minute hätte sich der 27-Jährige seine prächtige Gesamtvorstellung fast zunichte gemacht, als er die harte Flanke von Pascal Stenzel nicht festhielt, Nils Petersen vor die Füße warf, der den 2:3-Anschlusstreffer erzielte für die in dieser Phase vehement anstürmenden Freiburger. Ein schlimmer Patzer, der am Ende glücklicherweise ohne Folgen blieb, weil Lössl acht Minuten später selbst den drohenden Ausgleich verhinderte. „Ich habe einfach den Ball verloren und nicht richtig zugegriffen. Das war ein böser Fehler, ganz schlecht. Das darf mir nicht passieren“, sagte der Keeper nachher selbstkritisch. „Es schmerzt mich einfach, einen solchen Fehler zu machen.“ Die Anzahl der Fehler seiner Vorderleute war sicherlich in dieser Partie erheblich größer, doch ein Torwart-Aussetzer hat nun mal in der Regel gravierendere Auswirkungen. „Ich bin sehr glücklich, dass wir trotzdem noch gewonnen haben. Ich habe versucht, danach weiter absolut positiv zu bleiben und war froh, dass ich diese Aktion noch hatte. Das hat mir viel bedeutet und das ist auch kein Geheimnis.“ Am kurzen Pfosten stellte sich Lössl dem einschussbereiten Marc Torrejón in den Weg und verhinderte das 3:3. „Ich habe versucht, mich groß zu machen und es hat funktioniert“, sagte der 05-Keeper. „Wenn das zweite Tor nicht wäre, würden wir von einer super Torwartleistung reden, trotzdem bleibt es eine gute Leistung von ihm“, bestätigte Martin Schmidt später. „Jonas hat nach dem Gegentor den Kopf oben behalten, hat dann noch einmal einen Big Save kurz vor Schluss am ersten Pfosten. Er hat gezeigt, dass er sich mit uns weiterentwickelt. Auch mal nach einem Gegentor drin zu bleiben, nicht einzuknicken. Es war für alle wichtig, dieses Bewusstsein aus dem Spiel mitzunehmen.“

In der 28. Minute musste sich der Mainzer Torhüter zum ersten Mal richtig strecken, um Petersens Aktion im Strafraum zu parieren. In der 36. Minute klärte Lössl gegen Vincenzo Grifo, kurz vor der Pause verhinderte der Däne am ersten Pfosten den Treffer gegen Florian Niederlechner. Den Distanzschuss von Petersen Anfang der zweiten Halbzeit hatten viele schon drin gesehen, doch der Däne machte sich lang, fuhr den Arm aus und klärte zur Ecke. Der Torhüter zeigte sich zudem sicher bei den hohen Bällen vors Tor. „Jonas macht ein Riesenspiel, dann lässt er so einen Ball fallen“, sagte Rouven Schröder später mitfühlend. „Dann aber hat er nochmal diesen Riesen Save. Das wäre das 3:3 gewesen. Dass er da trotzdem klar bleibt nach dem Lapsus und uns im Spiel hält, hat uns am Ende den Sieg erst ermöglicht“, erklärte der 05-Sportdirektor, bei dem sich nach der Partie die Anspannung in Begeisterung verwandelte. Der 40-Jährige erdrückte Spieler und Trainer fast vor lauter Glück.

Onisiwo macht den Deckel drauf

„Das ganze Spiel war reine Emotion. Es war ein schwerer Gang und bis zum Schluss heiß. Du hattest nie das Gefühl, dass du trotz der Führung den Sieg sicher hattest. Ich bin unheimlich froh, dass wir diese drei Punkte haben“, sagte Schröder später erleichtert. „Wir haben jetzt einen sehr guten Zwischenstand. Wir wissen ja auch, was in den nächsten Spielen auf uns zukommt an Gegnern. Da war es enorm wichtig für die Stabilität in der Liga, heute einen Sieg nachzulegen.“

Mit der letzten Aktion des Spiels machte schließlich Karim Onisiwo den Deckel drauf mit seinem spektakulären Kontertor zum 4:2. Der Österreicher legte nach dem langen Schlag von Daniel Brosinski und Jairos Weiterleitung in die Spitze den Ball am herausstürmenden Freiburg-Keeper Alexander Schwolow vorbei und spitzelte die Kugel ins Netz. Der erste Saisontreffer für den Stürmer, der sich bei seinen Einsätzen stets aufreibt, schuftet und ackert, aber dem auch in dieser Partie lange Zeit bei allem Engagement nichts so richtig gelingen wollte. Oft fehlte den Aktionen das letzte Quäntchen Glück. So, wie bei diesem Tor. „Manchmal hat er etwas untypische Ballannahmen und -mitnahmen“, sagte sein Trainer später. „Dieses erste Tor in dieser Runde kann ein Dosenöffner für ihn sein. Karim hat zuletzt etwas gehadert mit sich selbst, weil er doch immer wieder Großchancen nicht reinmacht“, berichtete Schmidt. „Er hätte das Pokalspiel in Fürth entscheiden können, das 1:0 in Anderlecht machen können, hatte in einem anderen Spiel noch ein Pfostenschuss.“ Der 05-Trainer glaubt, dass der 24-Jährige jedoch befreiter spiele, seit er Vater geworden ist. „Jetzt war er noch bei der Nationalmannschaft und hat ein gutes Feedback vom Nationaltrainer bekommen. Deshalb habe ich gesagt, wenn einer mit einem gewissen Flow kommt, Selbstbewusstsein hat, dann muss spielen, auch wenn er etwas Müdigkeit mitbringt. Zum Schluss hat er dann seine Nominierung eindrucksvoll bestätigt.“ Und Rouven Schröder fügte hinzu: „Für Karim freut es mich besonders. Er arbeitet immer unheimlich viel und hat sich jetzt endlich mal belohnt.“

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