Muto/Córdoba und Frei noch kein Ersatz für Malli

Christian Karn. San Pedro Alcántara.
Mit einem 1:1 gegen ADO Den Haag, den Tabellenvierzehnten der Niederlande, hat der FSV Mainz 05 im Trainingslager in Andalusien das erste Spiel des neuen Jahres und das erste Spiel nach Yunus Malli hinter sich gebracht. Dabei teilten sich in der ersten Hälfte Torvorbereiter Yoshinori Muto und Torschütze Jhon Córdoba die Position des Türken, in der zweiten Hälfte versuchte sich Fabian Frei hinter dem Mittelstürmer. Besonders gut war's noch nicht, aber das ist häufig so im ersten Spiel der Vorbereitung. Morgen haben die 05er gegen Feyenoord Rotterdam die nächste Gelegenheit, sich wieder einzuspielen.

FSV Mainz 05 - ADO Den Haag 1:1 (1:0)

Freitag, 6. Januar 2016.

FSV Mainz 05, 1. Hälfte: Lössl - Brosinski, Bungert, Hack, Bussmann - Ramalho, Rodríguez - Öztunali, Muto, Holtmann - Córdoba.
2. Hälfte: Müller - Donati, Bell, Balogun, Kölle - Gbamin, Latza - Häusl, Frei, de Blasis - Seydel.

ADO Den Haag: de Boer - David (78. Asmelash), Beugelsdijk (84. Amatkarijo), Meißner, Ebuehi - El Mahdioui, Trybull, Hevel - Becker (65. Marengo), Kastaneer (75. van der Heijden), Bakker.

Tore: 1:0 Córdoba (20., Muto), 1:1 van der Heijden (76., El Mahdioui).

Beeindruckend war's noch nicht, was der FSV Mainz 05 im ersten Fußballspiel der 2017er-Wintervorbereitung zeigte; das dürfte normal sein. Die Form ist wenige Tage nach dem Trainingsbeginn noch nicht da. Ein 1:1 (1:0) gab es in San Pedro Alcántara, ein paar Kilometer westlich von Marbella, gegen den niederländischen Tabellen-Vierzehnten ADO Den Haag, eine Niederlage hätte es in der Schlussphase werden können.

Die 05er spielten wie gewohnt in solch frühen Testspielen mit zwei komplett verschiedenen Aufstellungen. Vor der Pause war's nicht die ersten Elf, die man aus der Hinrunde gewohnt ist. Giulio Donati, Stefan Bell, Jean-Philippe Gbamin, Karim Onisiwo, auch Rückkehrer Danny Latza waren draußen. Trotzdem hatten die Mainzer im Großen und Ganzen eine Mannschaft auf dem Feld, die Martin Schmidt für ein ernsthaftes Bundesligaspiel so aufstellen könnte. Linksaußen Gerrit Holtmann und Sechser José Rodríguez waren dabei noch am ehesten die Ausnahmen. Die Position des gestern verkauften Yunus Malli übernahm auf dem Papier Yoshinori Muto, die Aufgaben des Türken übernahm Rechtsverteidiger Daniel Brosinski; in der Praxis teilten sich Muto und Jhon Córdoba die beiden zentralen Offensivpositionen, Córdoba ließ sich oft hinter Muto ins Mittelfeld zurückfallen. Das wird in der Bundesliga erst einmal nicht gehen - jedenfalls nicht, wenn Muto schon den gesperrten Córdoba vertreten soll. Da dürfte - sofern kein neuer Malli bis zum Liga-Auftakt in gut 14 Tagen geholt wird - vorerst noch eine Tür für Karim Onisiwo (der aber auch links gebraucht werden könnte) oder Aaron Seydel offen bleiben; Fabian Frei, der Zehner der zweiten Hälfte drängte sich zumindest nicht vehementer auf als Muto.

Das Spiel machen wollten die 05er gegen den lange Zeit unterlegenen Gegner nicht. Wenn sie den Ball hatten, ging es flott und direkt, ohne groß Zeit zu verschwenden, ab nach vorne. Das klappte nicht oft, es gab viele Ungenauigkeiten, viele Abstimmungsprobleme. Niko Bungert hatte nach einem Eckball von Brosinski eine erste Chance (8.), Holtmann schoss nach einem feinen Dribbling von Córdoba am langen Eck vorbei (16.), dazwischen hätten die Holländer mit einem fiesen Ball von rechtsaußen über die durcheinandergeratene Abwehr in den Strafraum fast auch ihre erste Möglichkeit gehabt (13.).

Zwei Meter plus Sprungkraft reichen nicht: Aaron Seydel wird die Flanke nicht erreichen. Offensiv waren die 05er in der zweiten Hälfte völlig harmlos.In Führung gingen die Mainzer in der 20. Minute. Nach einem von Muto mit dem Kopf weitergeleiteten Einwurf zog Córdoba außerhalb des Strafraums aus der Drehung einfach mal mit rechts ab. ADO-Torwart Rody de Boer hatte damit offenbar überhaupt nicht gerechnet, stand weit draußen, hatte keine Chance, den Ball zu erreichen, der sich in hohem Bogen nahe am langen Pfosten ins Tor drehte. Den Haag antwortete direkt mit zwei Angriffen; beim ersten schoss Sheraldo Becker - ohnehin aus Abseitsposition - vorbei (22.), beim zweiten hielt Jonas Lössl einen unplatzierten Kopfball des Mittelstürmers Gervane Kastaneer ohne Mühe (23.). Davon abgesehen spielte ADO fast nur lange Bälle ins leere, das war völlig harmlos. Aber auch die 05er schafften es nicht mehr vors Tor.

Auch nicht in der komplett neuen Mannschaft der zweiten Hälfte, mit Donati, Bell, Gbamin, Latza, Frei, Pablo de Blasis, aber auch mit den unerfahrenen Drittliga- und U19-Spielern Florian Müller im Tor, Niklas Kölle links in der Abwehr und Charmaine Häusl weit weg von seiner gewohnten Defensivposition als verkappter Rechtsaußen neben Aaron Seydel. Und das funktionierte anfangs noch einigermaßen gut, später kaum noch. De Blasis' harmloser Schuss nach einem Freistoß in der 82. Minute war die einzige Mainzer Torchance der zweiten Hälfte. ADO, das die Mainzer Spielweise der ersten Hälfte übernommen hatte, hinten resolut verteidigte, mit dem Ball das Spiel vor allem mit jetzt besseren Bällen auf den bulligen, aber flinken Kastaneer schnell machte, hätte das Spiel drehen können.

Den Kopfballaufsetzer des Mittelstürmers in der 68. Minute hätte Müller wohl gehabt, wäre der Ball nicht sowieso übers Tor gesprungen. In der 76. Minute aber fiel der Ausgleich: Leon Balogun unterschätzte eine Freistoßflanke, ganz weit hinten am langen Pfosten überlistete der gerade erst eingewechselte Dennis van der Heijden den Torwart mit einem weiteren Aufsetzer aus spitzem Winkel. Und in der 86. Minute hätte der 19-Jährige gegen den gleichaltrigen 05-Torwart sogar das 2:1 schießen können. Van der Heijden traf jedoch frei vor Müller die Flanke von Ludcinio Marengo nicht richtig. Der Torhüter rettete das Unentschieden mit einem Reflex, der Nachschussversuch von Chovanie Amatkarijo kam schlecht genug, um nicht gefährlich zu werden.

Daher blieb's beim 1:1. Morgen, ebenfalls um 15 Uhr, ebenfalls in San Pedro Alcántara, treffen die 05er auf ein anderes Kaliber, den niederländischen Tabellenführer und Pokalsieger Feyenoord Rotterdam. Angeblich seien 1.500 Zuschauer zu erwarten.

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