Mund abputzen und volle Kraft voraus

Jörg Schneider. Mainz.
Der letzte Sieg zum Auftakt einer Bundesligasaison liegt vier Jahre zurück. Von daher war dieser Heimspiel-Start mit dem 0:1 in der Opel Arena gegen Hannover 96 nicht außergewöhnlich, wenn auch absolut unnötig. „Die Art und Weise, wie wir einen so tief stehenden und nur aufs Verteidigen beschränkten Gegner bespielt haben, war gut von uns. Das einzige, was gefehlt hat, war das Tor aus den vorhandenen Chancen. Nicht mehr, nicht weniger“, erklärte René Adler. Man dürfe deshalb aber jetzt nicht alles in Frage stellen. „Wir müssen ruhig bleiben. Wir haben gut gespielt und uns nicht belohnt. Das ist ärgerlich.“

Die Auftaktpleite gegen Hannover 96 hat natürlich die Stimmung beim FSV Mainz 05 getrübt. Die 0:1-Niederlage in der Opel Arena gegen den Aufsteiger war vermeidbar, aber dadurch auch lehrreich für die Entwicklung der Mannschaft von Sandro Schwarz und deren in dieser Runde veränderten Spielweise. Aus diesem Auftritt, aus diesem enttäuschenden Resultat, nun jedoch direkt ableiten zu wollen, dem Klub und dessen neuem Cheftrainer drohe nun eine komplizierte Saison, wäre allerdings falsch und vor allem verfrüht. Zum einen, weil eine Bundesliga-Spielzeit für die 05er nie ein Selbstläufer ist.  Zum anderen, weil die Mainzer seit ihrem Wiederaufstieg im Jahr 2009 insgesamt nur dreimal am ersten Spieltag erfolgreich waren. Der letzte Auftaktsieg liegt vier Jahre zurück und war ein 3:2-Erfolg gegen den VfB Stuttgart, dem 05-Gegner am Samstag im ersten Auswärtsspiel. Danach folgten ein Unentschieden in Paderborn, ein 0:1 gegen den FC Ingolstadt, und vor zwölf Monaten starteten die Mainzer mit einem 1:2 in Dortmund. Auf einem Abstiegsplatz stand das Team in all der Zeit dennoch nie, auch wenn sich der Saisonverlauf später noch so kompliziert gestaltete.

„Wir haben die Partie genauestens analysiert und bleiben dabei, dass wir natürlich mit dem Ergebnis sehr unzufrieden sind“, sagt Rouven Schröder. „Aber auch dabei, dass sehr viele Dinge positiv waren.“ Der Sportvorstand ist überzeugt davon, sportlich auf dem richtigen Weg zu sein. „Mund abputzen. An den Schwierigkeiten arbeiten. Intensive Vorbereitung und dann volle Kraft voraus nach Stuttgart“, so der 41-Jährige.

„WFabian Frei: "Die Niederlage schönzureden, wäre der falsche Ansatz", sagt der Schweizer, "aber es ist auch nicht so, dass wir über 90 Minuten grottenschlecht waren.“ Foto: Ekkie Veyhelmannir haben uns den Wolf gespielt, das kann man wirklich so sagen“, meinte Fabian Frei nach der Partie. „Ich hatte nie das Gefühl, dass wir das Spiel verlieren. So kann man sich täuschen. Wir haben außer den zwei Kontern nichts zugelassen, hatten die Sache im Griff, aber das bringt uns jetzt wenig. Es ist bitter, aber es macht es uns vielleicht einfacher bei der Fehlersuche. Wir wissen, was wir zu tun haben in dieser Woche, woran wir arbeiten müssen, was besser werden muss“, so der Schweizer Mittelfeldspieler. „13 Ecken hatten wir auch schon länger nicht mehr im Spiel. Das zeigt doch, dass wir Druck gemacht und unsere Ideen nach vorne gehabt haben. Es muss halt mehr dabei herumkommen, das ist klar. Eine solche Niederlage schönzureden, wäre der falsche Ansatz, aber es ist auch nicht so, dass wir über 90 Minuten grottenschlecht waren.“

René Adler kassierte in der 73. Minute seinen ersten Bundesliga-Gegentreffer im Trikot von Mainz 05. Martin Harnik schleppte den Konter der 96er über den halben Platz, passte auf Matthias Ostrzolek und bugsierte dessen Rückpass vor dem Tor aus kurzer Distanz zum entscheidenden Treffer ins Netz. „Wir haben es verpasst, den Harnik aufzunehmen, der lange durchs Mittelfeld läuft. Da standen ein paar Spieler von uns. Ich gehe mehr oder weniger Richtung Ball, der dann durch die Beine von Abdou Diallo geht. Der steht einen Meter vor mir, da kommst du nicht mehr hin“, sagte der Routinier. „Mit etwas Glück schießt er Abdou oder mich an.“ Das Glück fehlte den Mainzern in dieser Situation ebenso wie letztlich in der Nachspielzeit, als Robin Quaison bei freier Schussbahn im Sechzehner Waldemar Anton anschoss, der alleine im ansonsten leeren Tor stand. Das hätte der Ausgleich und der Punktgewinn sein müssen, dann hätte man über diese Partie wieder anders diskutiert.

„Ich finde, unterm Strich haben wir ein ordentliches bis gutes Spiel gemacht“, betonte Adler. „Gerade in der ersten Halbzeit. Wir sind nicht nur gut ins Spiel reingekommen, ich finde, wir haben eine komplett richtig gute Halbzeit gespielt und es einfach nur verpasst, die Tore zu machen. Ich würde es blind unterschreiben, dass wir, wenn wir ein Tor machen in dieser Phase, ein ganz anderes Spiel erleben. Dann muss Hannover aufmachen und kann sich nicht nur aufs Verteidigen beschränken. Es ist immer etwas schwierig, sich nach einem Spiel, aus dem man keine Punkte mitnimmt, hinzustellen und zu sagen, man hat gut gespielt. Aber ich glaube einfach, die Art und Weise, wie wir einen so tief stehenden und nur aufs Verteidigen beschränkten Gegner bespielt haben, war gut von uns. Das Positionsspiel war gut. Das einzige, was gefehlt hat, war das Tor aus den vorhandenen Chancen. Nicht mehr, nicht weniger.“ Auf der anderen Seite müsse man sich diese Chancen ja auch erst herausarbeiten. „Das haben wir gemacht, und das ist schon schwer genug gegen einen so defensiven Gegner. Dann hat es auch etwas mit Glück zu tun. Der Torwart hat auch gut gehalten. Wir hatten das Quäntchen Glück nicht. Da hat am Ende die glücklichere, nicht die bessere Mannschaft gewonnen.“ Man dürfe jetzt nicht die Nerven verlieren und wegen einer solchen Niederlage alles in Frage stellen. „Wir müssen ruhig bleiben. Wir haben gut gespielt und uns nicht belohnt. Das ist ärgerlich. Aber es ist am ersten Spieltag genauso ärgerlich wie am zehnten oder am 34. Wenn man so viel Aufwand betreibt und sich dann nicht belohnt“, betonte der 32-Jährige.

 

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