Motivation mit gedrückter Heimspieltaste

Jörg Schneider. Mainz.
Mannschaft und Trainer des FSV Mainz 05 haben sich einen Tag Zeit gegeben, um das frustrierende 2:3 vom Mittwoch gegen die TSG Hoffenheim emotional zu verarbeiten. Ohne künstliche Motivationssprüche, wie Sandro Schwarz vor dem nächsten Heimspiel in der Opel Arena gegen Hertha BSC berichtete. „Am Samstag werden wir erneut die Heimspieltaste drücken. Wir wollen das zeigen, was wir am Mittwoch sehr gut gemacht haben. Es ist weiterhin extrem wichtig, diese Leistung und Mentalität aufrechtzuerhalten. Das ist unsere maximale Motivation, um das richtige Ergebnis auf die Tafel zu kriegen.“

Allzu häufig kommt es nicht vor, dass der Trainer vor dem bevorstehenden Bundesligaspiel gewissen Spielern eine Startplatz-Garantie gibt. Sandro Schwarz ist am Freitag in der Spieltags-Pressekonferenz seiner sonstigen Linie untreu geworden und hat sich frühzeitig festgelegt. Zumindest in zwei Fällen: Alexandru Maxim und Jean-Philippe Gbamin werden auf jeden Fall am Samstag in der Opel Arena gegen Hertha BSC Berlin in der Anfangs-Formation des FSV Mainz 05 stehen. Was der 05-Coach ansonsten noch ändert und ob der 38-Jährige überhaupt weitere Wechsel vornimmt, das will der Coach nach den Eindrücken  im Abschlusstraining entscheiden.

Mit maximaler Motivation ins Heimspiel gegen Hertha BSC: Danny Latza und Viktor Fischer. Foto: Ekkie Veyhelmann Wie es aussieht, wird Abdou Diallo erneut nicht dabei sein. Der Innenverteidiger, der zuletzt wegen einer Beckenprellung fehlte, hat noch nicht wieder trainiert. Dagegen kehrt Karim Onisiwo nach überstandener Rippenprellung in den Kader zurück. Wahrscheinlich wird Schwarz gegen die Berliner wieder im zuletzt praktizierten 3-4-3 auflaufen. Ob Gbamin erneut den dritten Verteidiger in der letzten Reihe gibt wie gegen die Hoffenheimer, ist genauso möglich wie ein Vorrücken des Franzosen ins zentrale Mittelfeld. Dann aber müssten entweder Danny Latza oder Suat Serdar Platz machen, die beide eine starke Vorstellung im Heimspiel unter der Woche gaben und keine logischen Wechselkandidaten sind. „Gbamin hat eine überragende Präsenz als Innenverteidiger gezeigt, hat aber auch eine große Stärke auf der Sechserposition. Es ist abhängig davon, was wir brauchen gegen diesen Gegner“, sagt Schwarz. Maxim würde in der neuen Formation nicht den klassischen Zehner geben, doch die flexible Rolle in der vorderen Dreierreihe könnte dem fleißigen Techniker ebenso gut, wenn nicht sogar besser liegen: Als flinker Halbstürmer, der in die Räume einrückt, Zug zum Tor und einen guten Abschluss hat, zudem die Pässe in die Tiefe spielen kann.

Wen auch immer der Coach ins Rennen schickt, die Aufgabe ist klar. Auf die Frage, was die Mannschaft am Samstag besser machen müsse als bei der bittreren 2:3-Niederlage gegen die Hoffenheimer, erwiderte der 05-Trainer spontan: „Das Spiel gewinnen und dafür sorgen, dass das Endergebnis zu der Leistung passt, die man abruft.“ Die Partie gegen die Berliner wird vom Verlauf her kaum vergleichbar sein mit der beiderseitigen Tempo-Veranstaltung mit Offensiv-Fußball gegen Hoffenheim. „Die Inhalte werden andere sein. Wir erwarten einen Gegner, der im 4-4-2 sehr gut organsiert ist im Mannschaftsverbund. Das heißt für uns, dass wir sehr geduldig agieren, trotz allem aber über den Ballbesitz eine hohe Intensität auf den Platz bringen müssen. Dabei aktiv verteidigen, sehr gutes Gegenpressing aufziehen.“ Dazu spiele die Mentalität eine große Rolle. „Wenn du den einen oder anderen Ballverlust mehr hast im Angriffsdrittel. Wir werden viel den Ball haben und brauchen eine Zielstrebigkeit im letzten Drittel, gute Fußballer auf dem Platz in engen  Räumen und dürfen niemals die Geduld verlieren in diese Räume reinzukommen. Zusätzlich brauchen wir eine gute Restverteidigung, um nicht in die Konter zu laufen. Der Maßstab wird die erste Halbzeit gegen Hannover sein, das dürfte ähnlich aussehen von der Aufgabe her“, beschreibt der Coach die Lösungs-Ansätze.

"Es hat in uns allen getobt"

Mannschaft und Trainer haben sich nach dem Schock der Last-Minute-Niederlage einen Tag Zeit gegeben zur Frustbewältigung. „Es war sehr emotionsgeladen nach dem Spiel mit diesem Ausgang“, betont Schwarz. „Es hat in uns allen getobt. Das geht auch nicht über Nacht weg, das man muss man ganz klar sagen. Für uns war wichtig am Donnerstag in der Kabine nicht künstlich irgendwelche Motivationssprüche reinzuhauen, sondern das Ganze kurz und knapp zu analysieren und den Mut zu haben, dass wir den gestrigen Tag zur emotionalen Verarbeitung annehmen, am Freitag wieder das Kämpferische in uns zeigen und am Samstag erneut die Heimspieltaste drücken. Wir wollen das zeigen, was wir am Mittwoch sehr gut gemacht haben.“

Es fühle sich im Moment so an, dass vieles gut sei im Spiel, dass aber Kleinigkeiten, die weniger gut seien, sofort bestraft werden. „Wir machen vieles richtig“, sagt der Trainer. „Das haben uns die Zuschauer am Mittwoch spüren lassen. Das ist ein tolles Signal gewesen, dass auch draußen auf den Rängen alle das Gefühl hatten, die Mannschaft hat sich komplett verausgabt und wollte unbedingt gewinnen. Wir haben es  uns auf die Fahnen geschrieben, dass wir die Leute mit unserer Art Fußball zu spielen begeistern und mitnehmen wollen. Ich glaube und hoffe, dass es auch am Samstag wieder ein beiderseitiger Austausch wird zwischen Mannschaft und Publikum. Ich denke, wenn man die Heimspiele bisher im Paket nimmt, dass die Entwicklungsschritte des Teams gelungen sind und man das sieht. Es ist weiterhin extrem wichtig, diese Leistung und Mentalität aufrechtzuerhalten. Das ist unsere maximale Motivation, um das richtige Ergebnis auf die Tafel zu kriegen. Wir freuen uns darauf, schon am Samstag die nächste Chance dafür zu haben.“

 

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