Mit viel Geduld zum Heimsieg

Christian Karn. Mainz.
Viel Kampf, viel Gestocher, etwas zu viel Zirkus seitens des Gegners und eine Menge Geduld der Mainzer waren notwendig, aber am Ende hat es sich gelohnt: Der FSV Mainz 05 hat seinen zweiten Heimsieg, setze sich mit einem 2:0 gegen den FC Ingolstadt 04 erst einmal im oberen Mittelfeld fest. Yunus Malli per Elfmeter und Levin Öztunali durch Zufall trafen gegen den Tabellenvorletzten, der letztlich nur zweimal aufs Tor schoss, das Spiel zu zehnt beendete und nach neun Spieltagen immer noch auf den ersten Saisonsieg wartet.

FSV Mainz 05 - FC Ingolstadt 04 2:0 (0:0)

Samstag, 29. Oktober 2016, 24.197 Zuschauer.

FSV Mainz 05: Lössl - Donati, Bell, Hack, Brosinski - Gbamin, Serdar - Jairo (83. Öztunali), Malli (90+1. Balogun), de Blasis (90+3. Rodríguez) - Córdoba.
Reserve: Huth, Onisiwo, Bussmann, Bungert. Trainer: Schmidt.

FC Ingolstadt 04: Nyland - Hadergjonaj, Matip, Tisserand, Suttner - Hartmann (72. Lex), Roger, Cohen (58. Christiansen), Groß - Hinterseer, Lezcano (62. Leckie).
Reserve: Hansen, Brégerie, Kittel, Levels. Trainer: Kauczinski.

Schiedsrichter: Gräfe (Berlin).

Tore: 1:0 Malli (51., Foulelfmeter, Hartmann an Brosinski), 2:0 Öztunali (85., Córdoba).

Gelbe Karte: Jairo.

Gelb-Rote Karte: Christiansen (87., wiederholtes Foulspiel).

Der FC Ingolstadt 04 war in Mainz zu Gast und lieferte dem FSV Mainz 05 exakt das anstrengende, nervige Spiel, das zu erwarten war - anders als bei beiden Duellen in der vergangenen Saison aber diesmal mit einem erfreulichen Ende für die 05er. 2:0 gewannen diese die Partie durch ein Elfmetertor von Yunus Malli, der nun kurz davor steht, mit dem 05-Bundesliga-Rekordtorjäger Mohamed Zidan gleichzuziehen, und ein Jokertor des 66 Sekunden zuvor eingewechselten Levin Öztunali. Den neunten Platz haben die 05er so verteidigt, der Zwölfte hat schon sechs Zähler Rückstand. Nach zwei Niederlagen und einem Unentschieden in den vergangenen drei Spielen in der Liga, dem Pokal, der Europa League ist das eine gute Zwischenbilanz in der zweiten Stressphase der Saison.

Fünf Veränderungen gab es nach dem Pokalaus in Fürth. Der nach seiner Gelb-Roten Karte im Erstrundenspiel gesperrte Giulio Donati kam zurück in die Startelf, sein Vertreter Daniel Brosinski aber blieb in der Mannschaft, wechselte von der rechten auf die linke Abwehrseite, Gaetan Bussmann blieb draußen. Stefan Bell spielte wieder anstelle von Niko Bungert, Suat Serdar für José Rodríguez, der in der Nachspielzeit erstmals nach seiner langen Sperre wieder eingewechselt wurde, im zentralen Mittelfeld. Und wie immer besetzte Martin Schmidt die Flügel neu, diesmal mit Jairo Samperio rechts und Pablo de Blasis links. Der Argentinier hatte in Fürth noch als Mittelstürmer begonnen, Jhon Córdoba kam so ebenfalls wieder in die Anfangself.

Tatsächlich - und das war nicht unbedingt zu erwarten gewesen - waren die Gäste zunächst die aktivere Mannschaft; in den ersten Minuten kamen die 05er kaum aus der eigenen Hälfte heraus. Córdoba verstolperte in der sechsten Minute den ersten Ansatz eines Konters; vielleicht hätte der Kolumbianer ein paar Schritte zuvor dort, wo die Mittel- die Seitenlinie trifft, einfach das Foul akzeptieren sollen, das der FCI ihm aufzudrängen versuchte. Dieser zog wieder alle bekannten Register, all die kleinen Grenzüberschreitungen, die er im Repertoire hat: die gespielte Empörung, wenn die Mainzer einwerfen durften, die leidenden Gesichter nach verlorenen Zweikämpfen und Fouls, die Reklamationen auf Handspiel. Und ab und zu auch die größeren Unsportlichkeiten: Für Rogers Foul an Suat Serdar (8.) hätte mancher Schiedsrichter sogar über Rot nachgedacht, Gelb hätte der insgesamt gute, aufmerksame, beiderseits großzügige Manuel Gräfe geben müssen. Darío Lezcano, der trotz seiner leichten Verletzung in der Startelf stand, aber offensichtlich nicht richtig fit war, versuchte, Jairo eine Tätlichkeit (23.) und Alex Hack ein Elfmeterfoul (26.) unterzujubeln, worauf Gräfe natürlich nicht reinfiel. Auch den Paraguayer hätte man vielleicht irgendwann einmal mit einer Gelben Karte ausbremsen sollen.

Die Mainzer hatten inzwischen die Kontrolle über das Spiel, aber fanden noch keinen Weg durch die massive Abwehr der Gäste. Momente, in denen es hätte gelingen können, gab es: Jairo setzte sich ein paar Meter vor dem Strafraum auf engstem Raum gegen drei Mann durch - und spielte den Fehlpass (16.). De Blasis verzog nach einem Freistoß von Yunus Malli freistehend am langen Fünfer-Eck entweder einen Schuss völlig oder spielte eine Vorlage zu nah an den Torwart; es ist Interpretationssache, was der Argentinier in dieser 17. Minute geplant hatte. Córdoba konnte im Konterversuch durch zu viele im Wege stehende Verteidiger keinen Anlauf nehmen, musste aus dem Stand schießen, unplatziert, harmlos (18.). Letztlich schafften es die Ingolstädter, die Mainzer zu blockieren.

Und in der 20. Minute die erste richtig große Chance zu haben: Nach einer Kopfballabwehr von Hack zog Lukas Hinterseer aus knapp 20 Metern ab, wurde dabei möglicherweise vom Mitspieler Almog Cohen noch behindert, sein Schuss rutschte über die Latte. Jairo weigerte sich im Gegenangriff, gefoult zu werden, schoss auch gerade nicht gut genug; der Torwart hielt. Es gab eine Ecke, noch eine Ecke, von links harmlos, von rechts harmlos, am Ende noch einen letzten Einwurf, nach dem Jairo über den Ball trat. Wieder: Nichts Gefährliches.

Das gilt auch für Serdars Schuss in der 32. Minute; eine brauchbare Schussbahn hatte der Juniorennationalspieler ohnehin nicht. Das gilt auch für Mallis Szene in der 33. Minute; der Zehner stand frei, wurde aber wegen Abseits zurückgepfiffen - eine Zentimeterentscheidung, aber egal, denn Mallis Schuss ging sowieso am Tor vorbei.

In der 35. Minute aber hätte es die größtmögliche Chance für die Mainzer geben müssen. Moritz Hartmann, der Elfmeter-Experte, der Torjäger des FCI, rempelte Jairo knapp innerhalb des Strafraums ein bisschen zu offensichtlich weg, er war ein bisschen zu aktiv. Es ging Hartmann ein bisschen zu offensichtlich nicht um den Ball (denn dazu hätte er in die andere Richtung nachsetzen müssen), ein bisschen zu offensichtlich nur darum, den Gegenspieler zu stoppen. Gräfe pfiff nicht, da hatte der FCI das Glück, das ihm später fehlte.

Denn nachdem Córdoba (37.), Brosinski (38.), Jairo und Malli (weiterhin 38.) weitere kleine Möglichkeiten vergeben hatten, nachdem die 05er zwar viele aktive Ballgewinne in ihrer Hälfte hatten, das machten sie gut, aber der FCI auch hinten immer schnell wieder alles abriegelte, gab es in der 51. Minute doch den Elfmeter. Wieder war's Hartmann, der oben Brosinski hielt, unten stocherte, eine Szene, die weit weniger klar war als die gegen Jairo, aber diesmal pfiff Gräfe. Torwart Örjan Nyland deutete Malli früh mit einem kleinen Schrittchen an, in welcher Ecke er gern den Ball abwehren würde, Malli merkte es und schoss locker in die andere Ecke. 1:0.

Der FC Ingolstadt war der erwartet unangenehme, aber auch der erwartet ungefährliche Gegner für den FSV Mainz 05; beispielsweise versuchte Darío Lezcano (rechts) den 05ern zwar Tätlichkeiten und Elfmeterfouls unterzujubeln; Torschüsse gab der Mittelstürmer nicht ab. Foto: Veyhelmann.In der Folge ließen die 05er etwas nach. Ingolstadt kam besser ins Spiel. Hatte aber auch keine großen Chancen. Da war der Freistoß von Linksverteidiger Markus Suttner, ein einfacher Ball für Jonas Lössl (55.). Da war diese komplizierte Szene in der 62. Minute, die aber gefährlicher aussah, als sie war: Nach einem langen Freistoß aus der Ingolstädter Hälfte heraus misslang Hack die Kopfballabwehr; der Verteidiger verlängerte den Ball vor Hartmanns Füße. Aber der Stürmer stand ein bisschen zu ungünstig, ließ sich, ehe er sich zum Tor drehen konnte, vom sofort herausrückenden Lössl zu weit nach außen drängen. Der Torwart bot Hartmann keine Ecke an und gab Hack so die Zeit, ihn wiederum auf der Torlinie abzusichern und schließlich Hartmanns Schuss mühelos zu stoppen. Kurz zuvor hatte Jairo die für lange Zeit einzige 05-Chance; de Blasis' Flanke war nicht so schlecht, dem Spanier aber misslang der Kopfball.

So blieb dem FCI nicht viel mehr übrig, als ab der 65. Minute bei jeder Gelegenheit Handelfmeter zu wollen. In der 65. Minute gab es tatsächlich mal einen Kontakt, aber Hacks angelegter Arm wurde nur angeschossen, das reichte nicht. De Blasis zeigte aber als erster, vom Zirkus genervt zu sein, auch Donati ließ sich ein bisschen zu sehr von der Hektik anstecken, leistete sich ein kleines Scharmützel mit dem FCI-Trainer Markus Kauczinski - Gräfe beruhigte beide.

Und in der Schlussphase kamen die geduldigen 05er wieder etwas öfter vors Tor. Ingolstadt hatte schon dreimal gewechselt, musste offensiv werden, und während ihre Angriffe weiterhin ungefährlich waren, hatten die Mainzer nun etwas mehr Platz für Konter. Malli schoss zweimal (78., 79.), Jairo kam trotz vieler Übersteiger nicht am letzten Verteidiger vorbei (79.), die Flanke auf Córdoba fing der Torwart knapp vor dem Stürmer ab (80.), die Abfolge war schnell, bald wurde es auch konstruktiv: Der von Serdar gut angespielte Córdoba hatte einen weiten Weg zum Tor, wurde auf den letzten Metern von links und rechts hart bedrängt, donnerte zwar durch, aber spitzelte den Ball ein kleines Stückchen am kurzen Pfosten vorbei (83.); der Torwart hatte das Tor auch gut abgedeckt. Sekunden später fing aber Martin Schmidt mit seinen Einwechslungen an, brachte zunächst Levin Öztunali für Jairo, der noch nicht in der alten Form ist, aber sich gegenüber des Spiels in Fürth schon ganz wesentlich verbessert hatte, und es dauerte nur eine gute Minute, bis der U21-Nationalspieler aus Versehen das 2:0 schoss.

Es war der zweite gute Angriff der 05er in der zweiten Hälfte, ausgehend von einem Abschlag von Lössl. Córdoba setzte sich gegen zwei Mann durch, wurde von Roger ein bisschen ins Stolpern gebracht, fing sich aber wieder auf und lief durch in den Doppelpass mit Malli, spielte quer vors Tor. Dort misslang Öztunalis Versuch, den Ball zu stoppen, total, der Eingewechselte wollte noch nachsetzen, merkte aber: Musste er überhaupt nicht. Der Torwart hatte auf die andere Seite spekuliert, der letzte Verteidiger Suttner hatte mit etwas völlig anderem gerechnet, der Ball kullerte ohne weitere Berührung ins lange Eck (85.).

Schon in der nächsten Minute waren die 05er auch noch in Überzahl, weil Max Christiansen, der schon nach einem Foul an Córdoba in der 72. Minute froh sein musste, mit Gelb davongekommen zu sein, Donati, der viel einstecken musste in der Schlussphase, heftig abräumte - Gelb-Rot. Noch ein paar Zeitspiel-Wechsel - und Schluss.

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