Mit sechs Eigengewächsen in der Bundesliga

Jörg Schneider. Mainz.
Kontroverse Diskussionen waren nicht angesagt in der Mitgliederversammlung des FSV Mainz 05. Was nicht groß verwundert, wenn der sportliche Erfolg und die Wirtschaftszahlen stimmen. Rund 316.000 Euro Gewinn vermeldet der Bundesligist, was im Vergleich zum vergangen Jahr wenig ist. Doch die Millionen-Transfers dieses Sommers fallen erst im nächsten Geschäftsjahr an. Und dafür kündigen die 05er bereits einen Rekordetat von über 100 Millionen Euro an.

05-Präsident Harald Strutz in der Mitgliederversammlung: "Wir haben etwas zu bieten hier bei Mainz 05". Fotos: Daniel Haas/Mainz 05Diskussionsbedarf verspürten die Mitglieder des FSV Mainz 05 im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Bundesligisten in der VIP-Ebene der Coface Arena nur bei einem Thema. Und zwar, als es um einen Antrag ging, beide Mainzer Stadien zur rauchfreien Zone zu erklären und ein entsprechendes Verbot einzuführen und durchzusetzen. Eine Geschichte, die an diesem Abend nicht entschieden wurde noch einiger Prüfung bedarf. Die Raucher können sich deshalb zunächst weiterhin an die Empfehlung des Klubs halten, die Kippen zu Hause zu lassen oder auch nicht. Die Nichtraucher müssen noch eine Weile länger leiden.

Ansonsten verlief die jährliche Vollversammlung ohne Kontroversen ab. Was nicht groß verwundert, wenn der Klub bei allen kleineren Aspekten, die das eine oder andere Mitglied vielleicht beklagen mag, sich insgesamt als Erfolgsmodell präsentiert. Sportlich wie wirtschaftlich. 22 Millionen Euro Gewinn hat der Verein in den vergangenen drei Jahren gemacht. Im abgelaufenen Kalenderjahr, das bei den 05ern von Sommer zu Sommer geht, durfte Christopher Blümlein zwar nur einen für diese Verhältnisse eher bescheidenen Gewinn von 316.000 Euro vor Steuern vermelden. Dennoch sprach der Geschäftsführer Finanzen und Controlling von einer „Punktlandung im Verhältnis zum Umsatz im Geschäftsjahr 2014/15“. Der Klub hat den Rekordumsatz von 76,6 Millionen Euro aus der Vorsaison knapp verfehlt. Das aber hängt mit den für 05-Verhältnisse diesmal geringen Transfereinnahmen von 8,8 Millionen im Vergleich zu 14,8 Millionen im Jahr zuvor zusammen. Daher auch der niedrigere Gewinn im Vergleich zu den 6,6 Millionen im Vorjahr. Die Mega-Transfers dieses Sommers mit Johannes Geis und Shinji Okazaki fallen erst im Ergebnis des kommenden Jahres an.

Blümlein kündigte deshalb auch schon mal einen dreistelligen 05-Etat fürs nächste Jahr an. Dann wird der Umsatz des Bundesligisten von aktuell über 75 Millionen erstmals die 100-Millionen-Grenze überschreiten. Interessant im Finanz-Geschäftsbericht auch die Eigenkapitalrate der Mainzer von 20,2 Millionen Euro. Der 1. FC Köln beispielsweise, so Blümlein, habe vergangene Woche eine Eigenkapitalsumme von zwei Millionen verkündet.

Der Abend im Arena-VIP-Bereich, an dem die 435 stimmberechtigen Mitglieder den Ältestenrat in dessen Amt bestätigten, stand ansonsten ganz im Zeichen der Rückschau auf die Bundesliga-Mannschaft, die ihre schwierige Saison 2014/15 am Ende auf Platz elf abschloss und nun, nach acht Spieltagen, einen sehr ordentlichen achten Rang in der Bundesliga behauptet. Auswärtssiege, wie der zuletzt in Darmstadt, sorgen ohnehin gewöhnlich für eine positive Grundstimmung im Saal.

Niko Bungert, Stefan Bell und Trainer Martin Schmidt waren als Abordnung der Profis gekommen. Das spürte auch Martin Schmidt, der zusammen mit Niko Bungert und Stefan Bell gekommen war. Der Trainer erhielt viel Applaus für seinen leidenschaftlichen Gruß-Vortrag, obwohl Schmidt, wie er sagte, mit etwas Nervosität vor die Mitglieder getreten war. „Ich weiß nicht, was einfacher ist. Vor dem Team zu sprechen oder vor der Mitgliederversammlung“, sagte der 48-Jährige und kam zu dem Schluss. „Eigentlich ist es dasselbe, denn wir sind alle ein Team.“

Er wolle als Trainer für alle 05er da sein. Er wolle überall hinhören und reinhorchen. Er wolle sich und das Team den Anhängern näher bringen und auch künftig in der Stadt selbst näher dran sein. Er habe eine Grundidee an der man wachsen könne, sagte Schmidt. „Wir sind hier nicht das kleine Mainz, sondern wir sind wer in der Bundesliga. Wir müssen als 05er noch mehr mit der Brust raus nach vorne gehen und dürfen uns nicht zu klein machen. Ich freue mich, hier Trainer sein zu dürfen, und habe noch viel vor“, kündigte der Schweizer an.

Ehrungen des Jahres 2015

25 Jahre (Silberne Treuenadel): Werner Boller, Herbert Braun, Günter Burkert, Peter Drouet, Norbert Ebinger, Uwe Ehlert, Inge Hafner, Dieter Herrmann, Lutz Hofmann, Martin Kerner, Norbert Liebeck, Willi Löhr, Hans-Günter Mann, Werner Nierlich, Klaus-Jürgen Nowak, Hartmut Raak, Nicole Steinbrech, Walter Strutz, Annette Wagner-Dautermann, Torsten Weber, Klaus Wegele, Joachim Wolf, Johannes Zindel.

40 Jahre (Goldene Treuenadel): Peter Cordes, Heinz-Georg Diehl, Wolfgang Göttel, Hans-Christian Haferkamp, Ernesto Ruiz Rodríguez.

50 Jahre (Große Goldene Treuenadel): Günter Bott, Werner Döbbelin, Günter Jung, Wolfgang Jung, Auto Kraft GmbH.

55 Jahre: Günter Haas, Werner Salzbrunn, Gerhart Schmöller.

60 Jahre: Sigurd Spielmann.

65 Jahre: Horst Hipler, Horst Schönborn.

70 Jahre: Walter Schütter.

Harald Strutz dankte dem Coach für dessen Arbeit und sagte: „Du hast das Vertrauen mehr als erfüllt.“ Der 05-Präsident betonte, nach der respektvollen Trennung von Kasper Hjulmand habe sich der Verein entschlossen, den 05-Weg mit Martin Schmidt zu gehen. Dessen Empathie und Leidenschaft, dessen Art Fußball zu leben, habe in Mainz viel Anklang gefunden. „Da  hat man das gewisse Etwas verspürt. Das ist gut gelungen.“ Sein Fazit des bewegten und durchaus schwierigen 05-Jahres: „Das Ganze gemeinsam zu schaffen, ist keine Platitüde.“ Der 05-Chef betonte, dass es in Zukunft darum gehe, das Erreichte zu bewahren und sich weiterzuentwickeln. „Wir haben etwas zu bieten hier bei Mainz 05.“

Christian Heidel wies unterdessen auf die Abhängigkeit des Klubs von Transfererlösen und Fernsehgeldern hin, die zwei Drittel des Gesamtumsatzes ausmachten. „Ich kann leider nicht garantieren, dass wir immer dieselbe gute Tabellenposition erreichen, um die TV-Gelder in dieser Höhe zu erhalten. Ich kann auch nicht jedes Jahr Transfers von 30 Millionen Euro machen“, betonte der 05-Manager. Es könnten auch mal wieder dünnere Jahre kommen.

Auch Heidel ging noch einmal näher und durchaus selbstkritisch auf die Trainersituation des vergangenen Jahres ein. Nach dem unglücklichen Abgang von Thomas Tuchel habe man sich für Hjulmand entschieden, den man nach wie vor für einen großen Fußball-Fachmann halte. „Wir haben dann trotzdem die Reset-Taste gedrückt“, sagte Heidel. Da sei die Frage absolut berechtigt, warum sich der Klub nicht bereits im Sommer für Martin Schmidt entschieden habe. „Wenn Sie das fragen, kann ich nur sagen: Recht haben Sie“, erklärte der Manager. „Im Nachhinein muss ich sagen, es hat nicht gepasst mit Hjulmand. Wenn ich das geahnt oder gewusst hätte, wäre Schmidt schon im Sommer unser Trainer geworden.“

Der Verein habe nach Tuchels Abgang unter Druck entscheiden müssen und habe dies nach bestem Glauben und Wissen getan. „Aber es war die falsche Entscheidung. Dieser Kritik stelle ich mich“, sagte Heidel und fügte hinzu, glücklicherweise sei es Martin Schmidt gelungen, das Ruder herumzureißen. Der 52-Jährige forderte die Mitglieder zudem dazu auf, geduldig zu sein, denn der 05-Kader sei im Umbruch. Man habe eine Gruppe zusammengestellt, die Qualität habe und sich entwickeln könne. Außerdem sei der aktuelle 05-Kader ein sehr junger. In den aufgrund der optimalen Arbeit im Nachwuchs-Leistungszentrum und in der von Sandro Schwarz trainierten zweiten Mannschaft, die in der Dritten Liga für Furore sorgt, junge, höchst talentierte Leute nachfolgten.

„Ich bin felsenfest davon überzeugt“, sagte der Manager, „dass wir im Moment so viel säen, um irgendwann viel ernten zu können. Ich bin überzeugt davon, dass wir in absehbarer Zeit mit fünf, sechs Spielern aus den eigenen Reihen in der Bundesliga spielen werden“ - jeweils drei in der U23 und bei den Junioren ausgebildete Spieler wurden in dieser Saison schon eingesetzt, bereits Stammspieler sind aber nur Stefan Bell, Loris Karius und Yunus Malli. Heidel weiter: „In dieser Hinsicht ist der Verein prima aufgestellt.“

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