Mit Pauken und Trompeten

Jörg Schneider. Mainz.
Die gemeinsame Geschichte des FSV Mainz 05 mit der SpVgg Greuther Fürth spielt für die handelnden Personen keine Rolle. Dass es eine Zeit gab, in der die 05er zehn Jahre lang jedes Auswärtsspiel im Ronhof-Stadion verloren, ist für die 05-Profis und deren Trainer reine Nostalgie. Martin Schmidt fordert heute Abend (18.30 Uhr) in der zweiten Runde des DFB-Pokal einen Sieg des Bundesligisten beim Zweitligisten. Dessen Trainer hat ebenfalls angekündigt, alles dafür tun zu wollen, um ins Achtelfinale einzuziehen. Für die Mainzer heißt das: „Antennen raus und aufgepasst auf diesen gefährlichen Gegner.“

Für die aktuelle Generation der 05-Profis fällt die Partie heute Abend bei der SpVgg Greuther Fürth in die Kategorie Pflichtaufgabe. Zweite Runde im DFB-Pokal: Der Bundesligist tritt in einem schweren Auswärtsspiel bei einem Zweitligisten an mit dem klaren Auftrag, das Achtelfinale in diesem Wettbewerb zu erreichen. Ohne Wenn und Aber. Egal, wie. Martin Schmidt erwartet von seiner Mannschaft eine Reaktion auf die schwache Vorstellung beim 0:3 auf Schalke zum Auftakt dieser Englischen Woche. Nur den Druck, nicht das gleiche Schicksal erleiden zu müssen wie am Dienstagabend die Bundesliga-Konkurrenz aus Leverkusen und Freiburg, die in dieser zweiten Runde gegen klassentiefere Klubs bereits auf der Strecke geblieben sind, nehmen die 05er mit nach Fürth.

Die Stimmung ist gut beim FSV Mainz 05 vor dem Pokalspiel. Rouven Schröder und Martin Schmidt (hier mit Tobias Sparwasser) forderten in der Pressekonferenz von ihrer Mannschaft den Einzug in die nächste Runde. Foto: Jörg Schneider Weder der Trainer, noch dessen Spieler fahren mit der Belastung von unguten Erinnerungen in dieses Stadion. Der letzte Auftritt am Ronhof liegt fast vier Jahre zurück. Das bisher einzige Bundesligaduell in Fürth gewannen die Mainzer seinerzeit mit 3:0. Einer der Torschützen war Yunus Malli. Dass die 05er eine besondere Geschichte mit diesen Fürthern verbindet, dürfte der Mehrheit der aktuellen 05-Profis sowieso gänzlich unbekannt sein. Nur Stephan Kuhnert, der Torhüter-Trainer, könnte der Mannschaft viel davon erzählen aus den alten Zweitliga-Zeiten, als die Mainzer mit dem Trauma leben mussten, dass ein Spiel in Fürth zwangsläufig eine Niederlage bedeutete. Zehn Jahre lang, zwischen 1998 und 2008, verloren die 05er jedes Auswärtsspiel am Ronhof. Jürgen Klopp, die 05-Legende, der weder als Spieler, noch später als Mainzer Trainer jemals in Fürth gewonnen hat, erklärte einst nach einer der obligatorischen Niederlagen, nicht mehr dort spielen, sondern die Punkte gleich nach Fürth schicken zu wollen. Erst Jörn Andersen beendete mit seinem Team 2009 den Fürth-Fluch und ebnete am vorletzten Spieltag mit dem 2:0-Erfolg am Ronhof den Weg für den zweiten Mainzer Bundesliga-Aufstieg.

Für die heutigen Verantwortlichen am Bruchweg spielt das alles keine Rolle mehr. Rouven Schröder, der von 2012 bis 2014 bei der SpVgg Greuther Fürth als Koordinator, sportlicher Leiter und Interimstrainer arbeitete, erklärte am Dienstag in der Pressekonferenz zum Pokalspiel, er habe gar nicht gewusst, dass die 05er seinem früheren Team derart gut gelegen hätten. Der 41-Jährige fährt jedenfalls mit großer Vorfreude zum  heutigen Pokal-Auftritt bei den Franken. „Fürth ist ein Teil von mir. In meinen Stationen als Fußballer und Funktionär habe ich immer hundertprozentige Identifikation beansprucht. Das war in Fürth genauso. Für mich war es dort maßgebend, um in die Funktionärsrolle reinzuwachsen. Deshalb bin ich dem Verein und den Leuten dort sehr dankbar. Es gehört zu meiner Vergangenheit. Es war positiv. Ich denke da gerne zurück und freue mich auf das Wiedersehen.“ Das soll’s dann aber auch gewesen sein mit der Nostalgie. „Als Bundesligist wollen wir natürlich die nächste Runde erreichen. Das ist das klare Ziel“, sagt Schröder. „Wir sind sehr fokussiert, wissen dass der Gegner uns alles abverlangen wird und was auf uns zukommt.“ Sein Anspruch an die eigene Mannschaft: „Konzentrieren und erfolgreich spielen.“

„Antennen raus und aufgepasst auf diesen gefährlichen Gegner.“

Martin Schmidt glaubt, dass er die Voraussetzungen dafür geschaffen hat. Der 05-Trainer hat sich wie üblich intensiv mit dem Gegner beschäftigt und die Fürther gründlich analysiert. „Man muss sie diese Saison von zwei Seiten sehen“, sagt der 49-Jährige. „Sie sind sehr gut reingekommen in die Zweitliga-Runde, waren mit vorne dabei, weil sie guten Fußball spielen, vielleicht den gepflegtesten in der Liga.“ Aufgrund von Verletzungen habe die Spielvereinigung dann etwas das Herz in ihrem Spiel, etwas den Faden verloren und sei in eine Ergebniskrise geraten. Nach zehn Spieltagen belegt die Mannschaft von Trainer Stefan Ruthenbeck Platz 13 im Unterhaus. „Nichtsdestotrotz wissen wir alle, dass so ein Gegner im Pokal den Liga-Alltag vergessen kann. Zudem ist man zu Hause in einer Herausforderer-Rolle“, sagt Schmidt. „Wir bewerten und analysieren das Fürth von vor Wochen, weil wir überzeugt davon sind, dass wird das heute sehen werden. Wir bereiten uns auf einen sehr guten Gegner vor.“ Die Devise des 05-Trainers für den Pokal-Abend: „Antennen raus und aufgepasst auf diesen gefährlichen Gegner.“

Bei diesem ist der Trainer nach vier Spielen ohne Sieg in die Kritik geraten. Ruthenbeck gibt sich kämpferisch: „Ich bin gerade in dem Modus, dagegen anzugehen. Wenn es zu Ende gehen sollte, dann mit Pauken und Trompeten. Ich werde wieder etwas riskieren. Das kann in die Hose gehen, kann aber auch erfolgreich sein. Wir versuchen, an allen Schrauben zu drehen und hoffen, dass diese greifen", zitiert der „Kicker“ den Coach vor dieser Partie. „Mainz, das ist ein schwerer Brocken. Nichtsdestotrotz glaube ich, dass sie nicht gerne nach Fürth kommen wollen. Wir werden mit der vermeintlich besten Elf spielen und keinen schonen. Wir wollen in die nächste Runde kommen."

Für die Mainzer war im vergangenen Jahr nach der zweiten Runde Feierabend im Pokal. In den beiden Jahren zuvor jeweils bereits nach dem ersten Spiel. „Die Vergangenheit ist mir eigentlich immer etwas egal“, erklärt der 05-Trainer. „Statistiken werden alle irgendwann widerlegt. Der Ist-Zustand ist, dass wir als Bundesligist zu einem Zweitligisten gehen, dass man da in der Herausforderung steht, dass man da der Gejagte ist und eigentlich nur verlieren kann. Deshalb wollen wir es pragmatisch angehen und das Spiel auf das Wesentliche herunterbrechen: Auf ein Fußballspiel, das gewonnen werden muss.“ Die Lehren, dass man einen unterklassigen Gegner nicht unterschätzen dürfe, habe seine Mannschaft hoffentlich im Unterhaching-Spiel in der ersten Runde gezogen. Beim Viertligisten setzten sich die 05er erst im Elfmeterschießen durch. „In der zweiten Runde geht es ums Weiterkommen. Das Wie ist mir nicht so wichtig“, erklärt der Trainer. „Ich versuche das Team bestmöglich darauf einzustellen und vorzubereiten. Dann werden wir das angehen. Wir wollen eine neue Geschichte schreiben und in allen Wettbewerben überwintern.“

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