Mit bloßem Auge nicht erkennbar

Jörg Schneider. Algeciras.
Hätte diese Begegnung unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden, wäre wohl im Nachhinein niemand böse gewesen. Was sich für die wenigen Zuschauer im Estadio Nuevo Mirador in Algeciras als zähe und zunehmen quälende Angelegenheit entwickelte, war allerdings für Kasper Hjulmand ein wichtiger Test im Trainingslager. Das 1:1 des FSV Mainz 05 gegen den Zweitligisten Eintracht Braunschweig zeigte dem Trainer bekannte Probleme, aber der Däne sagte später, er habe auch Fortschritte gesehen.

Ein Lichtblick im oft uninspirierten und harmlosen 05-Angriff: Pablo De Blasis zeigte gegen die Braunschweiger eine ansprechende Leistung. Foto: René Vigneron1:1 lautete das Endergebnis des zweiten und letzten Testspiels, das der FSV Mainz 05 im Rahmen seines Trainingslagers an der Costa del Sol absolvierte. Eigentlich hätten die Mainzer diese Partie gegen den Zweitligisten Eintracht Braunschweig mit 1:0 gewinnen müssen, denn der Ausgleichstreffer, den Marc Pfitzner in der 75. Minute per Strafstoß für die Mannschaft des Ex-05ers Torsten Lieberknecht erzielte, war nicht regulär. Gonzalo Jara hatte im Strafraum die Grätsche gegen Maximilian Sauer ausgepackt, der Eintracht-Spieler war prächtig abgehoben, und der spanische Schiedsrichter pfiff Elfmeter.

Eine Fehlentscheidung. „Es gab überhaupt keinen Kontakt“, sagte Kasper Hjulmand später. „der Schiedsrichter ist nachher gekommen und hat sich für den Elfmeter entschuldigt.“ Ansonsten hätten  die 05er durch ein Elfmetertor von Johannes Geis in der 33. Minute dieses Testspiel gewonnen. Nach einem schnell ausgeführten Freistoß war Pablo de Blasis vom Braunschweiger Torhüter Rafal Giekiewicz im Strafraum regelwidrig von den Füßen geholt worden. Doch der mögliche Sieg ändert nichts daran, dass die Mainzer an diesem heftig verregneten Nachmittag im Stadion von Algeciras, gegenüber dem Felsen von Gibraltar, eine Leistung zeigten, die für die wenigen Zuschauer, so sie denn nicht zur stark angetrunkenen Braunschweiger Fangruppe gehörten, eine zähe und quälende Angelegenheit wurde.

Hjulmand hatte nach dem 0:1 im ersten Testspiel im Trainingslager gegen den SC Freiburg eine Steigerung von seiner Mannschaft verlangt. Der Trainer bot auch eine veritable Formation auf. Die Steigerung war allerdings mit bloßem Auge von außen nicht erkennbar.

Selbst unter der Berücksichtigung, dass die 05-Profis nach den vielen Trainingseinheiten schwere Beine hatten und dass der Rasen in Algeciras extrem unter den sintflutartigen Regenfälle gelitten hatte und sich sehr tief präsentierte, nicht. Dass Lieberknecht seine Eintracht-Profis tief, mit zwei eng zusammenstehenden und arbeitenden Viererketten verteidigen ließ und der Zweitligist außer viel defensiver Verschiebearbeit nicht allzuviel tat, macht die Geschichte noch schwieriger.

Doch genau das gefiel dem 05-Trainer. Das alles zusammen schuf für Hjulmand die Voraussetzung für einen echten Test. „Das war schwierig“, sagte der 42-Jährige, „aber Braunschweig war für uns ein guter Testspielgegner, denn sie stehen sehr tief. Ähnlich wie der SC Paderborn im ersten Rückrundenspiel.“

Mangelnde Durchschlagskraft bleibt ein Thema

Dann allerdings sollte im Mainzer Gefüge mehr funktionieren als am Sonntag in Algeciras. Zwar dominierten und kontrollierten die 05er das komplette Spiel, allerdings ohne dabei große Torgefahr zu entwickeln. Die mangelnde Durchschlagskraft im Angriff setzte sich erneut fort. Vieles blieb im Ansatz stecken. Insgesamt drei oder vier Schüsse aufs gegnerische Tor. Mehr war nicht, weil den Aktionen das Tempo, den Offensivkräften irgendwie die Gier fehlte, etwas zu stemmen, zum  Abschluss zu kommen. Besonders in Strafraumnähe und im Sechzehner. Und hinten gab’s dazu ein paar dicke Klopse.

„Einiges war schon ganz gut“, befand der Trainer später, „am Anfang aber hatten wir nicht genug Bewegung im Spiel, die Laufwege waren nicht da. Man kann Fußball nicht im Stehen spielen.“ In den guten Phasen habe er wie schon zuletzt die Durchsetzung im Angriff vermisst, den letzten Pass, den Abschluss. Dazu fehlte dann meist die Präzision.

Vor allen Dingen eines bemängelte der Coach zurecht: Das so gut wie nicht vorhandene Gegenpressing gegen einen tief stehenden Gegner. Balleroberungen weit vorne in der Hälfte der Braunschweiger, Umschaltaktionen. So wären Möglichkeiten zu erarbeiten gewesen gegen den gut organisierten und eifrig verschiebenden Zweitligisten. „Das können wir besser, aber dafür brauchen wir mehr Aggressivität“, sagte Hjulmand.

Etwas aus diesem Schema heraus fiel lediglich Pablo De Blasis. Der kleine Argentinier, der im flexiblen Offensivsystem den Mittelstürmer gab, aber häufig auch die Positionen wechselte mit Yunus Malli, Christian Clemens und Jairo, versuchte alles, zeigte viel Willen und hob sich wohltuend vom sonstigen, meist erfolglosen Einheitsmischmasch der Mainzer Angriffsreihe ab.

„Pablo gibt uns mit seiner Energie etwas Anderes im Spiel. Er trifft taktisch nicht immer die richtigen Entscheidungen, aber seine Energie ist groß, seine Aggressivität. Er gibt alles und das können wir gut gebrauchen“, erklärte Hjulmand.

De Blasis kam oft dem Passgeber entgegen, machte den Raum auf für Malli, der dann in den Sechzehner vorstoßen sollte. Das sah manchmal gut aus, auch wenn keine Torchance dabei heraussprang. „Wir haben da mit Yunus daran gearbeitet. Er braucht diese Laufwege in die Tiefe. So, wie im Spiel gegen die Bayern, dass er passt und durchläuft.“

Doch Malli hatte schwere Beine, ebenso wie Jairo und Clemens, die kaum Wirkung zeigten. Kurios: Am Ende hätten die 05er diese Partie fast noch verloren. Als Benedikt Saller als letzter Mann nach einem Eintracht-Befreiungsschlag ein Luftloch schlug, war Salim Khelifi auf dem Weg zum Siegtreffer, doch Stefanos Kapino vereitelte die Chance. Der Grieche war schon wie gegen die Freiburger im richtigen Moment zur Stelle und zeigte, dass er den Konkurrenzkampf gegen Loris Karius im 05-Kasten aufgenommen hat.

Insgesamt war Kasper Hjulmand nicht unzufrieden mit dem Test. Der Trainer hatte viele Themen gesehen, die noch zu bearbeiten sind, aber er betonte, er habe auch positive Sachen registriert. „Ich finde, vieles von dem, was wir wollen, vor allen Dingen in der Offensive, ist schon im Kopf der Spieler. Es muss sich noch verselbstständigen. Wir arbeiten  weiter daran, dann kommt es.“ Besser wäre das.

FSV Mainz 05: Karius (46. Kapino) – Brosinski (65. Diaz), Bell (65. Noveski), Jara (87. Roßbach) , Bengtsson -  Geis (87. Saller) , Soto – Jairo (65. Allagui), Malli (87. Sliskovic), Clemens (65. Djuricic) – De Blasis.

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